13.10.2020 - 15:39 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Müllgebühren im Kreis Schwandorf steigen deutlich

Die Bürger im Landkreis Schwandorf müssen sich ab kommendem Jahr auf deutlich höhere Müllgebühren einstellen. Die Kalkulation der Verwaltung sieht erhebliche Steigerungen vor. Der Hauptgrund: Die Rücklagen-Sparbüchse ist leer.

Die Müllabfuhr im Landkreis soll im kommenden Jahr teurer werden.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Seit vielen Jahren waren die Müllgebühren im Landkreis konstant niedrig. Zuletzt wurden sie sogar zweimal gesenkt: 2002 um 7 und und 2007 um 13 Prozent. Auslöser dafür war, dass der Landkreis über die Jahre eine erhebliche Rücklage aus Gebührenüberschüssen aufgebaut hatte. Die ist mit Ende diesen Jahres aufgebraucht, wie Irene Schiml vom Sachgebiet Abfallwirtschaft dem Ausschuss für Kreisentwicklung, Umweltschutz, Touristik und Sport (KUTA) am Montag darlegte. Die Kalkulation der Gebühren für die kommenden Jahre ist für die Bürger wenig erfreulich.

Laut den Berechnungen müssen 2021 und 2022 knapp 18,3 Millionen Euro Kosten über Gebühren gedeckt werden. Letztendlich ergeben sich darauf für die Bürger Steigerungen zwischen 30 und gut 36 Prozent. Für die 60-Liter-Tonne - das am häufigsten eingesetzte Behältnis im Landkreis - werden dann pro Jahr 109,80 Euro fällig, bisher sind es 80,76. Mit Kompostierungs-Ermäßigung liegt die Steigerung pro Jahr bei knapp 25 Euro.

Kein Erlös mehr für Papier

Die üppige Rücklage hatte über Jahre erlaubt, die Gebühren niedrig zu halten. Sogar als die Vorauszahlung für die Entsorgung im Müllkraftwerk je Gewichtstonne im Jahr 2015 von 96 auf 115 Euro angehoben wurde, blieben die Gebühren gleich. In der spitzen Endabrechnung musste der Landkreis wie alle Verbandsmitglieder zwischen 108 und 1110 Euro je Tonne an den ZMS bezahlen. Weiterer Effekt: Für Altpapier als Wertstoff beispielsweise konnte der Landkreis bislang noch kassieren, zuletzt etwa 80000 Euro pro Jahr. Jetzt winkt kein Erlös mehr. Die reinen Kosten für die Abholung von Hausmüll und Papier bleiben etwa konstant, bei 3,3 Millionen Euro pro Jahr. "Die Bürger konsumieren, als gäb's kein Morgen mehr", sagte Schiml. Deshalb sei auch nicht mit sinkenden Haus- oder Sperrmüllmengen zu rechnen.

"Die Einnahmen sinken, die Ausgaben steigen," brachte es Landrat Thomas Ebeling auf den Punkt. Franz Schindler (SPD) ließ sich einige Zahlen genauer erläutern. Ulrike Pelikan-Rossmann (Grüne) nannte die Erhöhung "happig" - vielleicht könne die Steigerung aber den ein- oder anderen zur Müllvermeidung bringen. Nachdem die Rücklagen aufgebraucht sind, sei der Sprung jetzt natürlich hoch, sagte Barbara Hanauer (CSU). Sie will noch genau aufgedröselt haben, wie viel die Straßen-Sperrmüllsammlung kostet. "Das bezahlen alle mit, auch die, die keinen Sperrmüll anhäufen und die Recyclinghöfe nutzen." Arnold Kimmerl (ÖDP) gab zu bedenken, dass mit der Sanierung im Müllkraftwerk über das Entsorgungsentgelt höhere Kosten auf den Landkreis zukommen könnten - was noch höhere Gebühren bedeuten würde. Christine Bauer (CWG) sagte, angesichts der deutlichen Steigerung sollten Einsparmöglichkeiten genutzt werden.

Kurz vor Weihnachten

Der Ausschuss blieb ohne Empfehlung an den Kreistag. Ebeling bat die Fraktionen, den Punkt intern zu besprechen, damit der Kreistag entsprechend beschließen kann. Der tagt nach bisherigem Plan am 21 Dezember - für die Bürger des Landkreises dürfte es dann ein unliebsames Weihnachtsgeschenk in Form steigender Gebühren geben.

Hintergrund:

Die neuen Kosten für die Müllabfuhr

Knapp 18,3 Millionen Euro an ungedeckten Kosten müssen 2021 und 2022 über Müllgebühren finanziert werden. Dazu hat die Verwaltung folgende Preise kalkuliert, die - vorbehaltlich der Zustimmung des Kreistags - voraussichtlich ab Anfang 2021 je Quartal fällig werden.

  • 60-Liter-Tonne: Sie kostete bisher ohne Kompostierungs-Ermäßigung 20,19 Euro, ab kommendem Jahr 27,45 Euro. Mit Kompost-Ermäßigung werden 23,40 Euro (bisher 17,16 Euro) fällig.
  • 80-Liter-Tonne: Bisher (ohne Kompost) 32,31 Euro, künftig, 42 Euro. Mit Ermäßigung: Bisher 27,46, neu 35,80 Euro.
  • 120-Liter Tonne: Bisher 48,48 Euro, neu 63 Euro; mit Kompost-Ermäßigung: Bisher 41,22 Euro, neu 53,70 Euro.
  • 240-Liter-Tonne: Bisher 96,93 Euro, neu 126 Euro; mit Kompostierungs-Rabatt sind bisher 82,38 Euro fällig, ab dem kommenden Jahr 107,40 Euro.
  • 770-Liter-Tonne: Bisher 311,04 Euro, neu 404,25 Euro; mit Kompost-Rabatt bisher 264,39 Euro, neu 344,58 Euro.
  • 1100-Liter-Tonne: Bisher 444,33 Euro, neu 577,50 Euro; mit Kompost-Rabatt bisher 377,67 Euro, neu 492,55 Euro.

Rund 55700 Restmülltonnen werden im Landkreis geleert. Am häufigsten genutzt werden 60-Liter-Tonnen, knapp 34200. Davon werden knapp 24000 mit Kompostierungs-Rabatt abgerechnet. (ch)

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