18.07.2018 - 11:07 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Müllmenge übersteigt Kapazität

„Die Entsorgungslage bleibt angespannt“: Seit zwei Jahren leitet Thomas Ebeling regelmäßig die Sitzungen des Zweckverbandes Müllverwertung mit dieser Feststellung ein. Auch bei der Verbandsversammlung am Dienstag wählt er diesen Einstieg.

Der Zweckverband hat auf dem ZMS-Gelände eine Elektrotankstelle errichtet, die Besucher und Kunden nutzen können. Vorsitzender Thomas Ebeling nahm sie in Betrieb.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Obwohl im Kraftwerk in den vergangenen sechs Monaten 230000 Tonnen Abfälle verbrannt wurden, reiche die Kapazität nicht aus, um den tatsächlich anfallenden Müll zu bewältigen, erklärte Thomas Ebeling den 51 Verbandsräten. Deshalb musste der Zweckverband 7000 Tonnen an andere thermische Entsorgungsanlagen in Bayern weiterleiten.

Thomas Knoll, Verbandsdirektor des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf (ZSM), erklärt das hohe Müllaufkommen mit „der nach wie vor sehr guten konjunkturellen Auslastung der Industrie-, Handwerks- und Baubetriebe“. Auch der Konsum der Privathaushalte bewege sich auch „einem sehr hohen Niveau“. Alleine „von privat“ rechnet Thomas Knoll heuer mit 10000 Tonnen mehr als im Vorjahr.

Eine Entlastung erwartet der Vorsitzende von der Hightech-Sortieranlage in Bodenwöhr, die inzwischen den Probebetrieb aufgenommen hat. „Die Anlage steht Anfang August zur Verfügung“, kündigte Thomas Ebeling an. Dort können täglich 100 Tonnen behandelt werden. Weil rund 50 Prozent der aussortierten Abfälle verwertet würden, werde dies zu einer Entlastung des Müllkraftwerkes Schwandorf führen, ist der Landrat überzeugt.

„Die Tendenz zur Privatisierung der Abfallwirtschaft setzt sich fort“. Jurist Thomas Ebeling bedauerte das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig vom 22. Februar 2018, wonach Sperrmüll aus Privathaushalten in Zukunft auch privatwirtschaftlich entsorgt werden dürfe. Das Gericht habe die regelmäßig geäußerten Befürchtungen der Verbandsmitglieder bestätigt, „dass die Kommunen auf den unattraktiven, teuer zu entsorgenden Resten sitzen bleiben“.

Vorsitzender Thomas Ebeling fordert deshalb den Bundesgesetzgeber auf, wieder ein „vernünftiges Verhältnis zwischen den Anteilen der Privatwirtschaft und der kommunalen Abfallentsorgung herzustellen“. Ein weiteres Problem: Die Kommunen müssten nach dem Zusammenbruch des privatwirtschaftlichen dualen Systems um die millionenschweren Beiträge für Leistungen fürchten, die sie bereits erbracht haben. Die ZMS-Verbandsversammlung sieht sich in der Kritik „an der Grundsystematik des Verpackungsgesetzes“ bestätigt.

Die Entsorgung der in der Automobilindustrie verwendeten Carbonfasern bereitet zunehmend Probleme. Der Zweckverband hat inzwischen die Anlieferung untersagt. Diesem Beispiel folgten mittlerweile alle übrigen bayerischen und fast alle deutschen und österreichischen Anlagen. „Messungen haben ergeben“, so der Vorsitzende, „dass Carbonfasern in Hausmüllverbrennungsanlagen nicht ausreichend zerstört werden“.

Trotz des Entsorgungsproblems würden die Autohersteller weiterhin auf dieses Material setzen, so Ebeling. Er fordert die politischen Entscheidungsträger auf, Druck auf die Autohersteller auszuüben, auf Carbonfasern in Zukunft zu verzichten.

Weiteres Ungemach droht aus der chemischen Industrie, die immer mehr Produkte liefert, die als „besorgniserregend“ eingestuft und deshalb über die Verbrennungsanlagen entsorgt werden sollen. Als Beispiel nennt der Landrat „Titandioxid“, von dem jährlich 6,5 Millionen Tonnen hergestellt würden und das in Zahnpasta, Sonnencreme, Kaugummi, Farben und Lacken enthalten sei.

Der Vorsitzende ermunterte die Verbandsräte, in Zukunft mit dem Elektroauto anzureisen und das Fahrzeug während der Sitzung an der neuen Elektrotankstelle auf dem ZMS-Gelände aufzutanken.







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