08.06.2021 - 14:42 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Mütter wünschen sich normales Leben für ihre Kinder zurück

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Bald können auch Kinder und Jugendliche gegen Corona geimpft werden. Aber ihre Eltern haben es nicht leicht, eine Entscheidung zu treffen. Woran sollen sie sich orientieren? Wir haben mit Müttern aus dem Landkreis Schwandorf geredet.

Wenn es um Corona-Impfungen für Kinder ab zwölf Jahren geht, sind auch die Eltern gefragt, sich dazu zu äußern. Aber es liegt nicht nur an ihnen, darüber zu entscheiden. Mit der Tatsache, dass man ab 14 Jahren strafmündig ist, bietet der Gesetzgeber hier schon eine grobe Orientierung.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Bei Kindern verläuft eine Infektion mit SARS-CoV-2 bislang häufig symptomlos. Sie erkranken in der Regel milde. Zeigen Kinder Symptome, sind sie allerdings meist länger krank. Lange, schwere Post-Covid-Erkrankungen sind bei Kindern bislang äußerst selten. Bayern erarbeitet aktuell ein Konzept, um nach den Zulassungen die Impfungen für Kinder und Jugendliche "so schnell wie möglich" zu starten. Es seien verschiedene Modelle denkbar, bei denen sowohl die Ärzte als auch die Impfzentren eingebunden werden, heißt es von offizieller Seite.

Mit Blick auf Nutzen und Risiko der Impfung ist die Abwägung bei Kindern und Jugendlichen sehr individuell. Haben sie Vorerkrankungen, die einen schweren Verlauf im Falle einer Corona-Infektion wahrscheinlicher machen? Gibt es gefährdete Verwandte, die durch eine Impfung des Kindes vor einer möglichen Ansteckung geschützt würden? Eine generelle Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) gibt es für Kinder und Jugendliche jedenfalls nicht.

Noch zu wenig Impfstoff

Mit dem neuen Angebot müssen sich auch Eltern dazu positionieren. Soll ich meinem Kind eine Impfung empfehlen, wie kann ich mit ihm darüber reden? Fragen dieser Art gehen derzeit vielen Mütter und Vätern durch den Kopf, die ein Kind im Alter zwischen 12 und 15 Jahren haben, aber auch den anderen. "Wenn die Impfempfehlung kommt, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben," meint dazu eine Mutter aus Schwarzenfeld, die als Elternbeirätin an einer weiterführenden Schule engagiert ist. Da sie im öffentlichen Dienst beschäftigt ist, möchte sie ihren Namen bei diesem heiklen Thema nicht in der Zeitung lesen, wie sie uns im Gespräch sagt. Aber für sie ist klar: "Wir wollen doch alle raus aus dieser Situation."

Betroffen, so meint die Schwarzenfelderin, seien wohl zunächst Kinder mit Vorerkrankungen. Die anderen, also die gesunden Kinder, hätten ja keine Priorisierung und würden daher im Impfzentrum oder bei Hausärzten sehr weit hinten auf der Liste stehen. Gerade Hausärzte hätten bereits sehr viele Impfwünsche von Erwachsenen und in der Regel wenig Impfstoff.

"Ich selbst würde es zusammen mit meinem Kind entscheiden, ob es geimpft wird," betont sie und fügt hinzu, dass Kinder durchaus ihre eigene Meinung zu dem Impfthema hätten: "Ich kenne Kinder, die geimpft werden wollen und viele haben einfach die Schnauze voll von der Situation." Im übrigen gebe es wohl nicht viele Alternativen, um der Pandemie dauerhaft Herr zu werden.

Entscheidung noch zu früh

"Grundsätzlich bin ich ein Befürworter von Impfungen," betont die Wackersdorferin Ulrike Pelikan-Roßmann, "und bin bei meinen beiden Kindern auch stets den Empfehlungen der Stiko gefolgt". Impfen sei immer eine Abwägungsentscheidung - wie wahrscheinlich ist es, schwer an dieser oder jener Krankheit zu erkranken und wie hoch ist das Risiko einer Schädigung durch die Impfung? "In allen Fällen kam ich zum Schluss pro Impfung."

"Ich würde meine Kinder impfen lassen, sobald die Zulassung für ihre Altersgruppe erteilt ist."

Ulrike Pelikan-Roßmann

Ulrike Pelikan-Roßmann

Im Falle der Corona-Impfungen kämen zwei weitere Aspekte hinzu, meint die Mutter von zwei Schulkindern. Zum einen sei das die Herdenimmunität - ohne geimpfte Kinder und Jugendliche sei sie schwer bis unmöglich zu erreichen. Zum anderen: Kinder würden - soweit wissenschaftlich bekannt - sehr selten schwer an Covid-19 erkranken. "Trotzdem gehören sie durch Schulschließungen, Sperrung aller Freizeitangebote und durch das Social Distancing für mich zu den Verlierern der Pandemie. Insofern würde ich meine Kinder impfen lassen, sobald die Zulassung für ihre Altersgruppe erteilt ist - denn ich wünsche mir mehr als für mich für sie ein 'normales' Leben zurück und das Impfen könnte ein Weg dahin sein."

Allerdings sei die Debatte zu früh, urteilt die Kreisrätin - in ihrer Altersgruppe (42) sei noch kaum jemand geimpft; also werde es noch dauern, bis überhaupt ausreichend Impfstoff für alle und damit auch für Kinder da ist. "Aber wenn es soweit ist, lasse ich meine Kinder impfen."

Kinder schon angemeldet

Für Kerstin Schwelle ist es gar keine Frage, dass ihre beiden Mädchen (13 und 16 Jahre alt) geimpft werden. Sie habe, so sagt sie, auch schon vor den aktuellen Beschlüssen mit ihnen über das Thema gesprochen und die ältere der beiden habe dabei von sich aus den Wunsch geäußert, geimpft zu werden. "Das hat auch damit zu tun, dass sie gerade ihren Gruppenleiterschein macht und bald mit angehenden Konfirmanden arbeiten wird." So sei bei ihr der Wunsch nach einem Impfschutz entstanden.

Auch die jüngere Tochter habe auf die Frage, wie es bei ihr aussieht, mit Zustimmung geantwortet. "So sind alle zwei schon beim Hausarzt für eine Impfung angemeldet." Die Schwandorferin weist darauf hin, dass sie alle Baby- und Kinderimpfungen habe machen lassen "und ich habe hier Vertrauen, es gab nie Probleme". Wissenschaft und Technologie würden auch den neuen Virus in Schach halten. Abgesehen davon hätten sie sich alle in der Familie auch schon öfter gegen Grippe (Influenza) impfen lassen. Sie selbst, so Schwelle, sei bereits einmal gegen Covid 19 geimpft. "Das liegt daran, dass ich einmal in der Woche im Testzentrum mitarbeite, " erklärt sie.

Der Weg für Corona-Impfungen für Kinder ab zwölf Jahren ist frei

Deutschland und die Welt
Hintergrund:

Zulassung für Biontech

  • Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat am 28. Mai 2021 eine Zulassung des Impfstoffs Biontech/Pfizer für Kinder ab zwölf Jahren genehmigt.
  • Das letzte Wort hat die Europäische Kommission. Eine Zustimmung gilt aber als reine Formsache.
  • Biontech/Pfizer ist der erste Corona-Impfstoff in der EU, der für Kinder dieser Altersgruppe freigegeben wurde.
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