14.06.2018 - 15:34 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Neue Strategien für Azubi-Suche

Am Beruflichen Schulzentrum geht die dritte Bildungskonferenz über die Bühne. Dabei stehen vor allem kreative Lösungen bei der Anwerbung junger Leute im Mittelpunkt.

Julia Singer, Fabian Hauser und Ilic Dragan (von rechts) stellten bei der Bildungskonferenz ein selbstfahrendes Modellauto vor, das sie zusammen mit Horsch-Azubis entwickelt haben. Bilder: Hirsch
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

(rhi) "Sie empfehlen uns einen Bewerber - und wir versorgen Sie mit Brezen": Angela Sedlmaier empfiehlt dem Handwerk neue Wege der Mitarbeitersuche. Wer talentierte und motivierte junge Leute anwerben möchte, müsse kreativ sein. Bei der dritten Auflage der Bildungskonferenz im Beruflichen Schulzentrum ging es um den "Übergang von der Schule in den Beruf". Wer sich besonders darum bemüht, ist die Mittelschule Dachelhofen. Julia Singer, Fabian Hauser und Dragan Ilic aus der achten Jahrgangsstufe bauten in einer Kooperation mit der Firma Horsch ein GPS-gesteuertes Fahrzeug und ließen es vor den Augen der Konferenzteilnehmer kreisen. Gemeinsam mit den Horsch-Azubis Sebastian Hauser und Markus Holzinger hatten die Schüler das selbstfahrende Vehikel gebaut.

"Männer in sogenannten Frauenberufen": Zu ihnen gehört Stephan Anstadt, der Leiter des BRK-Kinderhortes in Bodenwöhr. Er zählt sich zu den "Minimalisten und Idealisten" unter den Erziehern, "denn mit diesem Gehalt kann man keine Familie ernähren". Die schlechte Bezahlung sei ein wesentlicher Grund, "warum nur fünf Prozent der Erzieher Männer sind". Stephan Anstadt fordert deshalb eine Gleichstellung mit den Sozialpädagogen. Inga Tschirch dagegen verdient sehr gut als Prokuristin und kaufmännische Leiterin der Firma Nabu Oberflächentechnik in Stulln. Sie hat ein anderes Problem: Sie muss Familie und Beruf miteinander vereinbaren. Inga Tschirch weiß aus eigener Erfahrung: "Es ist schwer, wenn beide Partner Karriere machen wollen". Einer müsse letztlich zurückstehen und sich mehr um Haushalt und Kinder kümmern.

Neue Strategien

Angela Sedlmaier, Referentin "Bildungsmarketing" bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, empfiehlt den Handwerksbetrieben neue Strategien zur Lehrlingsgewinnung. Jugendliche erreiche man am ehesten dort, wo sie sich am meisten aufhalten, in den sozialen Medien. Wer tüchtige und motivierte Jugendliche gewinnen möchte, müsse sie im Smartphone neugierig machen und sich die Frage stellen: "Warum soll sich ein junger Mensch für meinen Betrieb interessieren?" Gerlinde Beck, Teamleiterin "Berufsberatung" bei der Arbeitsagentur, hat eine andere Intention: Sie leistet den Schulabgängern Hilfestellung beim Eintritt ins Berufsleben. Diese Fragen vertieften die Teilnehmer an der Bildungskonferenz in den anschließenden Workshops.

Wirtschaft am Zug

Für den Ministerialbeauftragten der Oberpfälzer Gymnasien, Franz-Xaver Huber, bereite die Schule die Jugendlichen ausreichend auf die digitale Arbeitswelt vor und spricht in Anlehnung an die Wirtschaft von der "Schule 4.0". Der Einsatz digitaler Medien im Unterricht dürfe allerdings nicht zum Selbstzweck werden, sondern müsse Sinn machen. Der Leiter des Gymnasiums Oberviechtach, Ludwig Pfeiffer, nutzt die Spielräume, die ihm der Gesetzgeber beim Einsatz von Smartphones im Unterricht bietet. Schulamtsdirektorin Renate Vettori verweist auf fertige modulare Konzepte zur Medienerziehung an den Grund- und Mittelschulen von der ersten bis zur zehnten Klasse und sieht jetzt die Wirtschaft am Zug, ihre Vorstellungen einzubringen. Auch der Leiter des Sonderpädagogischen Förderzentrums in Ettmannsdorf, Michael Zirngibl, erwartet zum Förderschultag im Oktober einen Vertreter von "Google" und macht das Thema Digitalisierung zu einem Schwerpunkt. Ihre Zusammenarbeit vertiefen wollen Rektor Michael Winter von der Mittelschule Dachelhofen und der Ausbildungsleiter der Firma Horsch, Anton Grauvogl. Franz Pfeffer, Kulturreferent des Landkreises, moderierte die Konferenz im Beruflichen Schulzentrum und nutzt die Ergebnisse der Workshops für die Weiterentwicklung des Projekts "Bildung bewegt". 2016 bekam der Landkreis das Qualitätssiegel "Bildungsregion" verliehen.

Stephan Anstadt gehört zu den wenigen männlichen Erziehern im Landkreis.
Angela Sedlmaier empfiehlt dem Handwerk neue Wege bei der Mitarbeitersuche.
Inga Tschirch weist auf das Problem der „Karrierefrauen“ hin, Beruf und Familie zu vereinbaren.
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