14.02.2021 - 11:23 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Noch einige Baustellen offen: OB Feller bittet um Geduld

Vom Räumdienst bis zu den Meierhofer-Gebäuden: Viele Themen kommen bei der Online-Bürgerversammlung auf den Tisch. Sie ist besser besucht als manche Präsenz-Veranstaltung der Vergangenheit.

Bis hier am Vorplatz der Spitalkirche die Außenstelle des Landesjugendamtes entsteht, wird es noch ein Jahr dauern.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Die Premiere war erfolgreich. Die Teilnehmer an der ersten Online-Bürgerversammlung der Stadt Schwandorf reagierten überwiegend positiv auf das neue Format. Die beiden Bürgermeisterinnen walteten an diesem „unsinnigen Donnerstag“ ihres Amtes.

Die Bürgerversammlungen der Vergangenheit waren geprägt von langatmigen Monologen des Oberbürgermeisters. Das wusste Moderator Fabian Borkner zu verhindern. Er sorgte dafür, dass während der 75-minütigen Sendung möglichst viele Fragesteller zu Wort kamen. In einem ersten Redebeitrag erinnerte Oberbürgermeister Andreas Feller an die Auswirkungen der Pandemie: Abgespecktes Programm „Kulturstadt Bayern-Böhmen“, Verschiebung des Nordgautages und Absage der Jubiläen mit den Partnerstädten Libourne (50 Jahre) und Sokolov (20 Jahre). Der Oberbürgermeister leidet mit den Freunden in Tschechien, die am Donnerstag einen Inzidenzwert von 1200 hatten. Seine Glückwünsche gingen nach Libourne, „die heuer die Tour de France bekommen werden“.

Warten auf schnelles Netz

Andreas Feller zollte seinen Mitarbeitern und Stadtratskollegen Respekt und betonte: „Sie leisten weiter ihre Arbeit, das Rathaus ist immer offen“. In 41 Sitzungen behandelten die Gremien im vergangenen Jahr 529 Tagesordnungspunkte. Hermann Rester meldete sich zu Wort und beklagte sich über eine Ordnungsstrafe von 50 Euro, weil er nicht früh genug seiner Räum- und Streupflicht nachgekommen war. Diese Beschwerde nahm der Oberbürgermeister zum Anlass, den Leuten des Bauhofs ein Kompliment zu machen. Feller: „Ich bin selbst einmal mitgefahren und habe gesehen, was der Winterdienst derzeit leistet“.

Die Zengerstraße wurde vor einiger Zeit ausgebaut. Anwohner Herbert Ach stellte beim Schneeräumen fest, „wie schlecht das Pflaster verlegt worden ist“. Christian Zweck mahnte die Räumung der Efeustraße in Fronberg an. OB Andreas Feller bat um Verständnis: „Bei 400 Kilometer Straßen müssen wir Prioritäten setzen und können nicht jeden Anliegerweg freimachen“. 96 Prozent des Stadtgebietes seien digital gut versorgt, stellte der Oberbürgermeister fest. Das war aber nur ein schwacher Trost für die Bewohner von Klardorf, die immer noch auf schnelles Internet warten.

Rückhaltebecken nötig

Zweite Bürgermeisterin Martina Engelhardt-Kopf betonte das Bemühen der Stadt, den Kindern und Jugendlichen „ein bestmögliches Bildungsangebot“ zu machen. Deshalb saniere und erweitere man die Schulen und baue neue Kindertagesstätten. Im bundesweiten Ranking der familienfreundlichen Städte rangiere Schwandorf unter 1800 Kommunen immerhin auf Platz 29. Dass aber noch viele Baustellen bleiben, offenbarten die Anfragen von Peter Schäfer und Walter Schmidt. Oberbürgermeister Andreas Feller reagierte darauf und bedauerte, dass es bei den Meierhofer-Ruinen in der Friedrich-Ebert-Straße „weiterhin nichts Neues“ gibt. Beim Schmidt-Bräu-Gelände, beim interkommunalen Gewerbegebiet und bei der Nutzung des Konvent-Gebäudes bat Feller um Geduld. Ebenso bei der Filiale des Landesjugendamtes, die auf dem Vorplatz der Spitalkirche entstehen soll. Baubeginn nicht vor 2022.

Robert Kernl stellte in einem Filmbeitrag kritische Fragen zur „neuen Friedrich-Ebert-Straße“, durch die täglich 6000 Fahrzeuge rollen. Von einer Flaniermeile könne keine Rede sein. Der Stadtrat werde in Kürze entscheiden, „wo hier die Reise hingehen soll“, versprach der Oberbürgermeister. Karl Wölfl stellt die Notwendigkeit des für 600 000 Euro errichteten Rückhaltebeckens in Grain in Frage. Dritte Bürgermeisterin Marion Juniec-Möller musste eingestehen, „dass es dort noch nie ein Hochwasser gegeben hat“. Der Ortsteil liege aber laut Wasserwirtschaftsamt in einem Überschwemmungsgebiet. Ohne Rückhaltebecken könne man dort keine Baugebiete ausweisen.

Griff zur Schere

Nach den Planungen zum Hochwasserschutz entlang der Naab zwischen Fronberg und Bubach fragten auch Josef Stadler und Werner Stieger. „Wir werden die Pläne mit dem Wasserwirtschaftsamt zeitnah vorstellen“, verspricht der Oberbürgermeister. Enttäuscht zeigte sich Andreas Feller über die Entscheidungen zur Ostbayernring-Trasse und zum barrierefreien Ausbau des Bahnhofs. An die Einzelhändler und Gastronomen richtete er Durchhalteparolen, „damit unsere Stadt lebens- und liebenswert bleibt“.

Die Bürgermeisterinnen Martina Engelhardt-Kopf (rechts) und Marion Juniec-Möller walteten am Weiberfasching ihres Amtes und kürzten die Krawatte des Oberbürgermeisters. Moderator Fabian Borkner (links) war vorsorglich ohne „Binder“ gekommen.

Das letzte Wort hatten die stellvertretenden Bürgermeisterinnen. Martina Engelhardt-Kopf und Marion Juniec-Möller griffen zur Schere und stutzten die Krawatte des Oberbürgermeisters. Vor 140 Zeugen, die sich an diesem Abend eingewählt hatten. Das sind deutlich mehr, als bei den meisten Präsenz-Bürgerversammlungen der vergangenen Jahre an Besuchern gezählt wurde.

"Bei 400 Kilometer Straßen müssen wir Prioritäten setzen und können nicht jeden Anliegerweg freimachen."

Oberbürgermeister Andreas Feller zum Räum- und Streudienst des Bauhofs.

Oberbürgermeister Andreas Feller zum Räum- und Streudienst des Bauhofs.

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