03.03.2020 - 15:13 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Notarztstandorte oftmals nicht besetzt

Fast 50 000 Mal muss im letzten Jahr der medizinische Rettungsdienst ausrücken, um Menschen in den beiden Landkreisen Schwandorf und Amberg und der Stadt Amberg zu helfen. Auch die Feuerwehren haben gut zu tun. Aber es gibt Probleme.

Acht Notarztstandorte hält der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Amberg (ZRF) vor. An einzelnen Standorten gab es immer wieder Ausfallzeiten der notärztlichen Besetzung, im Besonderen an den Standorten Nabburg, Sulzbach-Rosenberg und Hirschau.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Amberg (ZRF) thematisierte bei seiner turnusmäßigen Sitzung im Landratsamt auch die Lage im Bereich der Notfallversorgung. Die Verbandsräte hatten dabei die Landkreise Schwandorf, Amberg-Sulzbach und die Stadt Amberg im Blick, die vom Zweckverband betreut werden.

"In Bayern waren im Zeitraum von Anfang Dezember 2019 bis Anfang Januar 2020 die Notarztstandorte oftmals nicht besetzt", informierte ZRF-Geschäftsleiter Stefan Neppl - und zwar insgesamt 5800 Stunden lang. Auch im Rettungsdienstbereich Amberg war dieser Engpass zu spüren. Er verfügt laut Neppl über acht Notarztstandorte, die regulär rund um die Uhr besetzt sind. Der Geschäftsleiter schränkte aber sogleich ein: "An einzelnen Standorten gab es Ausfallzeiten der notärztlichen Besetzung, im Besonderen an den Standorten Nabburg, Sulzbach-Rosenberg und Hirschau." Hirschau verzeichnete dabei die höchsten Ausfallzeiten.

Verbandsrat Norbert Auer aus Pfreimd, selbst Rettungssanitäter, klagte lauthals über die Misere. Dass die Sicherstellung des Notarztdienstes der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) obliegt, hielt er für unzureichend. "Dass es nicht genügend Notärzte gibt, sollte eigentlich ein Thema für die Politik sein, nicht für den KVB," forderte er. Im übrigen sei die Entlohnung der Notärzte ungenügend: "Der bekommt weniger als ein Handwerker und wird mit 21 Euro in der Stunde abgespeist."

Auch Dr. Alexander Ried aus Oberviechtach meldete sich bei diesem Thema zu Wort. Er sah die Kliniken in der Pflicht, die aufwendige Ausbildung zum Notarzt zu unterstützen, indem zeitliche Freiräume für die entsprechenden Mediziner geschaffen werden: "Denn es ist äußerst schwierig, den Kurs zum Notarzt mit dem Klinikalltag zu vereinbaren."

Bei der Sitzung ging es auch um die Einsatzzahlen. Im Rettungsdienst wurden im Jahr 2019 insgesamt 49 745 Einsätze im Rettungsdienstbereich Amberg disponiert. "Dies entspricht fast genau dem Einsatzaufkommen des Vorjahres", sagte Geschäftsleiter Neppl. Er unterteilte in Einsätze der Notfallrettung (23 572) und für Krankentransporte (26 173).

Im Feuerwehrbereich wurden für letztes Jahr 1088 Brandeinsätze durch die ILS Amberg disponiert. "Dies entspricht einem Rückgang von 30 Prozent," so Neppl. Von den 1088 Einsätzen wurden 456 durch eine Brandmeldeanlage und 65 durch Rauchwarnmelder ausgelöst. Technische Hilfeleistungen ergaben sich im Jahr 2019 insgesamt 3715, die über die ILS Amberg angeordnet wurden - mithin 17 Prozent mehr als im Jahr davor. Die Ersthelfer (First Responder) wurden zu 919 Einsätzen alarmiert, was einen geringen Rückgang um drei Prozent bedeute.

Dr. Florian Niedermirtl (stehend), der Ärztliche Leiter beim Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) in der kreisfreien Stadt Amberg sowie den Landkreisen Amberg-Sulzbach und Schwandorf, und der Amberger Oberbürgermeister Michael Cerny, der dem Zweckverband vorsteht (daneben).
für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung:

Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Amberg (ZRF Amberg) ist Betreiber der Integrierten Leitstelle Amberg (ILS Amberg). Er beziehungsweise die ILS Amberg sind für das Verbandsgebiet, zu dem die Landkreise Amberg-Sulzbach und Schwandorf sowie die Stadt Amberg gehören, zuständig. Die Sicherstellung der Strukturen im Rettungsdienst sowie die Alarmierungsplanung im Rettungsdienst liegen in der Zuständigkeit des ZRF Amberg. Er ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit drei beamteten Vollzeitstellen und knapp 42 Vollzeitstellen für sonstige Beschäftigte. Sein Jahresetat von fünf Millionen Euro finanziert sich zum Teil durch Umlagen. Der Kreis Schwandorf zahlt mit etwas mehr als einer Million Euro am meisten dazu, der Kreis Amberg-Sulzbach wird mit 0,7 Millionen, die Stadt Amberg mit 0,3 Millionen Euro herangezogen.

Ein Notarzt bekommt weniger in der Stunde als ein Handwerker.

Norbert Auer (Pfreimd), Rettungssanitäter und Verbandsrat

Norbert Auer (Pfreimd), Rettungssanitäter und Verbandsrat

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