Dass der Bahnhof Schwandorf nicht barrierefrei ist, ist immer wieder einmal auch ein Thema für die Politik. Vor einem halben Jahr haben sich beispielsweise Oberbürgermeister Andreas Feller und Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier an den Bundesverkehrsminister gewandt, dass mit den Planungen für den barrierefreien Ausbau des Bahnhofes in Schwandorf begonnen werden müsste. Denn nur mit vollständiger Barrierefreiheit sei ein selbstbestimmtes Leben für Menschen mit Behinderung möglich.
Am Vortag bestellen
Bis es soweit ist, gibt es einen Behelf, der seit Beginn dieses Jahres rege genutzt wird: den "Mobilitätsservice am Schwandorfer Bahnhof". Damit hat die Deutsche Bahn das Schwandorfer Taxiunternehmen Merl beauftragt. In vergleichbaren Bahnhöfen arbeitet die Bahn hingegen mit dem Roten Kreuz oder den Maltesern zusammen. "Aber in Schwandorf war es gar nicht so leicht, jemanden zu finden." Umso erfreulicher ist es für Reichenberger, dass Taxi Merl die Aufgabe übernommen hat und dafür täglich zwischen 6 und 22 Uhr zur Verfügung steht. Das sei sogar länger als die Zeitspanne, in der früher das Bahn-Servicepersonal vor Ort war, das im Fall der Fälle geholfen hat.
Das System ist immer das Gleiche: Wenn man Hilfe braucht beim Einsteigen oder beim Aussteigen aus einem Zug und beim Erreichen des Bahnhofsgebäudes oder umgekehrt der entfernteren Gleise, muss man am Vortag bis 16 Uhr die oben genannte Nummer 01806-512 512 wählen und sich anmelden. "Spontan geht da nichts", machte der Bahnhofsmanager deutlich. Und an dem Tag, an dem man den Service nutzen möchte, muss der Reisende eine halbe Stunde vor der Abfahrt auf dem Bahnhof sein.
Denn es dauert mindestens eine Viertelstunde, wenn man nicht den üblichen Weg über die Treppen und die Unterführung nehmen kann. Dann geht es nämlich am Ende der Bahnsteiganlagen ebenerdig über die Schienen. Das ist normalerweise strengstens verboten, ein entsprechendes Warnschild weist darauf hin.
Der beauftragte Mitarbeiter von Taxi Merl darf allerdings an dieser Stelle trotzdem einen Rollstuhl über die Gleise schieben oder eine Person mit Rollator begleiten. Aber nur nach vorheriger Sicherheitsfreigabe durch das Stellwerk, mit dem man per Sprechfunk in Verbindung steht. Dort wird dann auch das Okay erteilt, wenn die Schienen ungefährdet passiert werden können.
Wie Thomas Merl vom gleichnamigen Taxiunternehmen informierte, werde der Service gut angenommen. 30 bis 40 Hilfe-Anfragen kämen pro Monat, im Mai seien es sogar 47 gewesen - also eine bis zwei pro Tag im Durchschnitt. Oberbürgermeister Andreas Feller freute sich bei einem Treffen auf dem Bahnhof, dass alles so gut zu klappen scheint.
Taxichef wechselt
Bei der Zusammenkunft war auch zu erfahren, dass das Taxiunternehmen Merl bald einen neuen Chef hat: Max zu Eltz. Aber der Name bleibt gleich, der Mobilitätsservice auch.













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