14.06.2019 - 15:38 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Pionier des italienischen Eises

Michele De Pellegrin hat vor über sechs Jahrzehnten den Schwandorfern die erste Ahnung vermittelt, wie gut italienisches Eis schmeckt. Der Pionier ist vor wenigen Tagen verstorben.

Michele De Pellegrin, der vor 63 Jahren die Kunst des italienischen Eismachens nach Schwandorf gebracht hat, starb einen Monat vor seinem 87. Geburtstag nach längerer Krankheit in seiner italienischen Heimatstadt Conegliano. Zeit seines Lebens liebte er die Berge der Region, in der groß geworden ist.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Die Beerdigung erfolgte bereits am 25. Mai in der italienischen Stadt Conegliano, wo die De Pellegrins ein Haus besitzen und wo Michele lebte, seit er und seine heute 83-jährige Frau Caterina um das Jahr 2000 Schwandorf verlassen haben. "Es war nicht wegen der Stadt, aber er konnte nicht mehr arbeiten", berichtete Mauro De Pellegrin, ältester Sohn und Wahrer der wirtschaftlichen Familientradition. Seit er 26 ist, arbeitet Mauro, der verheiratet ist und erwachsene Kinder hat, im Geschäft mit, seit langem gehört es ihm.

Gründer und jahrzehntelanger Motor des bekannten und beliebten Eiscafés war aber Michele De Pellegrin, der aus einer Bergregion nördlich von Venedig stammte - genauer aus dem Dolomiten-Tal Val di Zoldo, dessen gleichnamiges Dorf den Beinamen "Dorf der Eismacher" führt. Rund drei Viertel der etwa 3000 italienischen Gelatieri in Deutschland stammen aus diesem Val di Zoldo, sowie dem Val di Cadore. Dies liegt hauptsächlich an der um 1850 herrschenden Armut der dortigen Bevölkerung, die sich daraufhin auf das Eismachen als Lösung ihrer Probleme konzentrierte.

Die wagemutigeren jungen Männer machten sich auf den Weg nach Norden. Michele De Pellegrin war einer von ihnen, der mit kleinem Gepäck die Welt erobern wollte. Nach Stationen in Nürnberg und Amberg wagte er in Schwandorf 1956, also mit 24 Jahren, den Sprung in die Selbstständigkeit. Mit seinem Partner Gusto Traiber machte er in der Schwandorfer Bahnhofstraße seine erste Eisdiele auf, kurz vor der Abzweigung in die Breite Straße. Bis 1967 hatte sich das Geschäft, aus dem der Kompagnon nach zwei Jahren wieder ausgestiegen war, in der Bahnhofstraße gut entwickelt, dann folgte die zweite Adresse: Unterer Markt 29 (jetzt H&M). Nachdem das ursprüngliche Gebäude zehn Jahre später abgerissen und neu gebaut wurde, zog der Eissalon De Pellegrin dort in den ersten Stock wieder ein.

25 Jahre war De Pellegrin am Unteren Markt ansässig, danach zog es ihn an den Oberen Markt 21. Im ehemaligen Bekleidungsgeschäft Schildt und Rieger waren 1992 die Räume frei geworden "und ich glaube, wir haben am Oberen Markt am ersten Tag des ersten Schwandorfer Bürgerfestes neu aufgemacht", erinnert sich Mauro und schmunzelt.

Sein Vater und seine Mutter waren Herz und Seele des Geschäfts, auch wenn Mauro schon bald mitzuarbeiten begann. Seine beiden Schwestern haben andere berufliche Wege eingeschlagen. "Er war ein zufriedener Mensch, zurückhaltend im Wesen und voll Liebe für die Familie", erinnert sich Mauro mit Freude an den Vater. "Sein Ziel war es, dass es der Familie gut gehen sollte." Die Liebe des begnadeten Eismachers galt auch den Bergen seiner italienischen Heimat, wo die Familie im Winter lebte. "Das war sein Paradies." Dort wurde er auch begraben.

Um Michele De Pellegrin trauern nicht zuletzt seine Enkelkinder, denen er ein liebevoller "Nonno" war, der Arbeit Arbeit sein ließ, wenn die Kleinen mit ihm durch Schwandorf spazieren gehen wollten.

Michele De Pellegrin, 1974 im besten Mannesalter von 42 Jahren, hier mit einer Bedienung in seinem Eis-Café in Schwandorf. Die Gaststätte war damals am Unteren Markt beheimatet.
Das erste Eiscafé De Pellegrin befand sich ab 1956 an der Bahnhofstraße.
Michele De Pellegrin war die Familie alles, hier mit seiner Frau Caterina, einer Tochter und Enkelkinden.
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