08.06.2020 - 11:58 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Plus durch Zwangspause bei Zigaretten-Einkaufsfahrten

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Mal schnell über die Tschechische Grenze zum Zigarettenkauf ging in den vergangenen Wochen wegen Corona nicht. Das spürten manche Raucher vor allem im Geldbeutel. Bei den oberpfälzer Tabakverkäufern klingelte dafür die Kasse.

Der Umsatz für Zigaretten und Tabak ist seit Corona deutlich gestiegen. Der Grund waren die geschlossenen Grenzen zur Tschechischen Republik.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Wochenlang waren die Landesgrenzen wegen des Coronavirus dicht, auch die zu den tschechischen Nachbarn. Obwohl nicht so streng wie zum Beispiel Richtung Österreich kontrolliert wurde, war die Überquerung für Reisende nicht erlaubt. Die Duty-Free-Läden im Grenzgebiet sind normalerweise ein beliebter Anlaufpunkt, vor allem für Raucher, die hier ihre Zigaretten um einiges günstiger als in Deutschland bekommen. Eigentlich war eine Grenzöffnung erst wieder am 15. Juni angedacht. Recht überraschend wurden dann aber schon am Freitagnachmittag, 5. Juni, die Sperren aufgehoben.

Regionaler Zigarettenverkauf boomt während geschlossener Grenze

Schlecht war die Schließung für die Raucher, gut für die regionalen Tabak- und Zigarettenverkäufer. Die machten da ein gutes Geschäft. "Der Umsatz ist spürbar gestiegen, vielleicht um das Doppelte oder Dreifache", erzählt uns Josef Listl, der im Tabak- und Zeitschriftengeschäft seiner Frau Angelika in Schwandorf arbeitet. Das würden ihm auch Kollegen berichten. "So geht es jedem." Vor allem die Tabakläden im Bayerischen Wald hätten ordentliche Bestellungen bei den Großhändlern aufgegeben, weil durch Corona plötzlich die Nachfrage massiv gestiegen sei. Zuvor habe so gut wie jeder Raucher die Zigaretten hinter der nahe gelegenen Grenzen gekauft.

Zollbeamter und Zigarettenverkäufer

Josef Listl ist voll im Bilde. Vor 31 Jahren - also 1989 - hat Angelika Listl den kleinen Laden am Schwandorfer Marktplatz übernommen. Damals waren die Grenzen schon offen, wenn auch erst ganz kurz. Mit Corona ist es das erste Mal, dass Josef Listl eine geschlossene Grenze als Geschäftsmann erlebte. Auch wenn er sich bestens an der Grenze auskennt. Schließlich war er 45 Jahre Zollbeamter. "Was ich schon an geschmuggelten Zigaretten verbrannt habe: Millionen!", erinnert sich der Rentner. Der Laden sei ein Hobby, der Aufschwung durch die vorübergehend geschlossene Grenze natürlich erfreulich. Wenn die Käufe wieder zurückgehen, wenn die Leute wieder in der Tschechischen Republik einkaufen, sei es "auch kein Beinbruch". Und irgendwie verstehe er sie ja auch. Eine Stange kostet in Deutschland fast doppelt so viel wie in Tschechien.

So manchen Stammkunden, der bisher nur eine Zeitung gekauft oder Lotto gespielt habe und nun auch Zigaretten kauft, enttarnte er in den letzten Wochen als einen, der sonst lieber hinter der Grenze einkauft. Natürlich alles mit einem Augenzwinkern. Laut Listl griffen die Raucher nun immer öfter zu Tabak und drehten sich ihre Glimmstängel selbst. "Das ist wohl sogar noch günstiger als die Stangen aus Tschechien", habe Listl gehört. Er selbst ist übrigens Nichtraucher.

Tschechien schließt wegen Corona die Grenzen

Deutschland und die Welt
Hintergrund:

Blühender Zigarettenschmuggel

Solange die Grenzen zu Tschechien als Folge der Corona-Maßnahmen geschlossen waren, hat der illegale Zigarettenschmuggel stark zugenommen. Oftmals bestellten Deutsche über Bekannte in Tschechien mehrere Stangen, die dann an der Grenze übergeben wurden. Auch über tschechische Arbeitskollegen konnten unversteuerte Zigaretten zu den Konsumenten auf deutscher Seite gelangen. Kürzlich haben Zollbeamte in Waldmünchen (Kreis Cham) etwa 10 000 Zigaretten - 19 Stangen - sichergestellt. Einer der Beteiligten gab an, diese bei einem Freund telefonisch bestellt zu haben. Michael Lochner, Pressesprecher des Hauptzollamts Regensburg, ist jedoch kein Fall aus dem Kreis Schwandorf bekannt. Doch generell habe es Zigarettenschmuggel auch in der Oberpfalz während Corona vermehrt gegeben. (anv)

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