Schwandorf
18.07.2025 - 11:56 Uhr
OnetzPlus

Nach Protesten: Preise für Schwandorfer Fernwärme werden neu kalkuliert

Der Werkausschuss des Schwandorfer Stadtrates vertagt die Entscheidung zur Preisgestaltung der städtischen Fernwärme. Die Fraktionen beraten die Vorschläge eines Wirtschaftsprüfers.

1150 Kunden lassen sich die Fernwärme ins Haus liefern. Sie müssen seit 1. April tiefer in die Tasche greifen. Bild: Hirsch
1150 Kunden lassen sich die Fernwärme ins Haus liefern. Sie müssen seit 1. April tiefer in die Tasche greifen.

Die Erhöhung der Fernwärme in Schwandorf zum 1. April 2025 um 27 Prozent ist auf wenig Gegenliebe gestoßen. Die Stadt nimmt den Protest der Kunden ernst und will die Preise neu kalkulieren. Doch das Thema ist komplex, wie sich in der Sitzung des Werkausschusses am Donnerstag im Rathaus zeigte.

Die Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung hatte sich bei der Anhebung der Gebühren am Wärmepreisindex des Statistischen Bundesamtes orientiert. Im Vergleich mit anderen Energieträgern sei die Fernwärme immer noch günstig, verteidigte der Leiter der städtischen Einrichtung, Stefan Trettenbach, die Anpassung. Dennoch reagierte der Stadtrat auf die Proteste aus der Bevölkerung und beauftragte ein Nürnberger Wirtschaftsprüfungsbüro mit der Analyse der Preiskalkulation.

Dessen Vertreter Benjamin Hufnagel machte den Mitgliedern des Werkausschusses am Donnerstag Vorschläge, „an welchen Stellschrauben sie drehen können“. Der Energieberater stellte grundsätzlich fest: „Das Preisniveau der Schwandorfer Fernwärme passt.“ Mit individuellen und strukturellen Veränderungen ließen sich aber für die Abnehmer durchaus Einsparungen erreichen. So sollte jeder Kunde prüfen, ob die gebuchte Leistung auch seinen Bedürfnissen entspreche.

Nicht kostendeckend

Der Gutachter nahm zudem die Aufwendungen für die Hausanschlüsse unter die Lupe und kam zu dem Ergebnis: „Hier wird nicht kostendeckend kalkuliert.“ Hufnagel rät von einer Pauschalierung der Anschlusskosten ab und schlägt stattdessen eine individuelle Berechnung vor, die sich am tatsächlichen Arbeitsaufwand orientiere. Der Sachverständige vermisst zudem bei der Preisgestaltung die erforderliche Transparenz. Der statistische Wärmepreisindex sollte für die Kalkulation der Schwandorfer Fernwärme nicht ausschlaggebend sein. Das städtische Unternehmen könne einen eigenen Index für den Wärmemarkt in Schwandorf entwickeln.

CSU-Sprecher Robert Koller war für eine neue Preiskalkulation. Er möchte nach Rücksprache mit den Fraktionskollegen in der nächsten Werkausschusssitzung am 7. Oktober Vorschläge machen. SPD-Vertreter Alfred Braun hielt die aktuelle Preisindex-Kalkulation für nicht mehr zeitgemäß und schlug eine Anpassung vor. FW-Sprecher Karl-Heinz Saur war überzeugt, dass der Ausschuss zu einer Regelung kommen wird, „von der die meisten Abnehmer profitieren werden“.

Kein Gehör fanden in der Sitzung Zuhörer, die sich zu Wort melden und ihren Unmut über die Preisgestaltung zum Ausdruck bringen wollten. Oberbürgermeister Andreas Feller verwies sie auf die Bürgersprechstunden und machte deutlich: „Hier im Ausschuss haben nur die Mitglieder Rederecht.“

Anstieg um 27 Prozent

Wie berichtet, müssen die 1150 Kunden der Wasser- und Fernwärmeversorgung Schwandorf seit 1. April deutlich tiefer in die Tasche greifen. Die Kosten sind um 27 Prozent oder 15,10 Euro auf 95,75 Euro pro Megawattstunde gestiegen. Bei gleichem Verbrauch wie im Vorjahr müssen die Kleinabnehmer im Stadtgebiet im Schnitt monatlich 45 Euro mehr bezahlen. Für Großabnehmer gelten je nach Verbrauch gestaffelte, aber ebenfalls höhere Preise. Die neuen Fernwärmesätze sollten ursprünglich für ein Jahr gelten und dann neu kalkuliert werden. Diese Frist wird sich nun stark verkürzen, denn bereits im Oktober will der Werkausschuss des Stadtrates eine neue Kalkulation beschließen.

Das städtische Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit der Fernwärme einen Überschuss von 817.000 Euro. Werkleiter Stefan Trettenbach führte den unerwartet hohen Gewinn auf Einsparungen bei den Personal- und Stromkosten und den guten Verkauf der Wärme zurück.

Info:

Städtische Fernwärmeversorgung Schwandorf

  • Abnehmer: 1150 Kunden
  • Kosten: 95,75 Euro pro Megawattstunde
  • Kostensteigerung: 27 Prozent zum 1. April 2025
  • Neue Preiskalkulation: Entscheidung im Werkausschuss am 7. Oktober
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.