09.08.2020 - 10:53 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Proviant-Diebstahl führt hinter Gitter

Lebensmittel im Wert von 23 Euro führen letztendlich ins Gefängnis – Verpflegung für langen Fußmarsch

Das Strafgesetzbuch
von Autor HOUProfil

Sie hatten kein Geld. Auch nicht für einen Fahrschein in die Bezirkshauptstadt, wo ein Termin bei der Justiz auf sie wartete.

"Da sind wir eben von Schwandorf zu Fuß nach Regensburg gegangen", berichtete eine 38-Jährige der Amtsrichterin Jennifer Jäger. Das erstaunte die Vorsitzende.

Der Umstand des langen Fußmarsches war an sich Nebensache in dem Prozess, dessen Anklage auf Diebstahl lautete. Die Frau und ihr Lebensgefährte (jetzt nicht mit auf der Anklagebank) waren wohl vor dem Termin bei der Regensburger Justiz erfolglos auf der Suche nach ein paar Euros. Weil sie wussten, dass ein gewaltiger Weg vor ihnen lag, sollte zumindest Proviant mitgenommen werden. Aber auch dafür gab es nur ein Portemonnaie, in dem tiefe Löcher gähnten.

In einem Schwandorfer Supermarkt gingen beide auf Diebestour. Lebensmittel im Wert von 23 Euro sollten an der Kasse vorbeigeschleust werden. Doch die krumme Tour flog auf. "Alles blieb bei uns im Laden", sagte jetzt der Geschäftsführer. Auch eine Bockwurst, die wohl als Brotzeit für unterwegs hätte dienen sollen.

Die Richterin hörte zwar ein umfassendes Geständnis. Aber es gab ein Problem: Die 38-Jährige brachte fünf Vorstrafen mit. Darunter auch eine, bei der sie Schmiere gestanden war, als ihr momentan in Haft sitzender Freund in Regensburg zwei Autos knackte. Bisher hatte es Geldbußen und Bewährungsstrafen gesetzt. Jetzt musste härter zugegriffen werden: Für den Ladendiebstahl gab es drei Monate ohne Bewährung. Außerdem kann es gut sein, dass die Justiz die Bewährung für einen noch offenstehenden neunmonatigen Gefängnisaufenthalt widerruft.

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