17.10.2018 - 15:03 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Prozess um Spionagesoftware geht in die zweite Instanz

Das Landgericht Amberg muss einen Fall von Cyber-Kriminalität neu aufrollen. Denn der Verurteilte legt Einspruch ein.

Das Gericht muss einen langwierigen Fall neu verhandeln.

Es wird eine Neuauflage des Prozesses beim Landgericht Amberg geben. Dorthin hat sich ein 49-Jähriger mit seinem Einspruch gewandt, der vor genau einem Monat wegen des Vorbereitens des Ausspähens von Daten und der sexuellen Nötigung einer 13-Jährigen per Internet-Chat zu acht Monaten Haft mit Bewährung und 2000 Euro Geldauflage verurteilt worden war.

Bei dem sich über Wochen hinziehenden Prozess in Schwandorf waren von Richter Hans-Christopher Theißen neben mehreren Computersachverständigen auch Beamte des Bundes- und des Landeskriminalamtes vernommen worden. Es ging um drei Programme der Marke "Flexispy", die der damals in einem Schwandorfer Vorort wohnende und heute in Franken lebende Angeklagte über seinen PC bestellt und dann auch bezahlt hatte. Mit diesen Programmen, so wurde in der Verhandlung deutlich, ist es möglich, die Handys oder i-Phones anderer Leute unter Kontrolle zu bringen - ohne, dass diese Personen davon etwas merken. Zumindest in einem Fall bestand der Verdacht, dass dies auch so geschah. Doch eine tatsächlich erfolgte Ausspähung von Daten ließ sich letztlich nicht nachweisen. Gleichwohl aber war der Richter in seiner Urteilsbegründung der Meinung: "Es handelte sich um klassische Trojaner". Von daher also illegal.

Ein wesentlicher Teil des Verfahrens war einem weiteren Anklagepunkt geschuldet. Der Mann war nach Überzeugung des Gerichts im Verlauf umfangreicher Internet-Chats einem Mädchen aus Österreich sexuell näher getreten und hatte unsittliche Dinge von der 13-Jährigen verlangt. Da sich die Schülerin weigerte, als Zeugin nach Deutschland zu kommen, musste sie von einem Richter in ihrem Heimatland vernommen werden. Dabei belastete sie den Angeklagten schwer. Der während des gesamten Prozesses schweigsame Beschuldigte ist jetzt mit seinem Anwalt Marko Heimann (Cham) vor die nächste Instanz gezogen. Das bedeutet: Nun muss die Dritte Strafkammer des Amberger Landgerichts den spektakulären Fall neu aufrollen - in diesem Jahr aber ganz sicher nicht mehr.

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