24.09.2018 - 19:12 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Ein Raub, den es nicht gab

Es gibt Polizeieinsätze, deren Ursache keiner so recht beschreiben kann. Zum Beispiel einen Autoraub, der nicht stattfindet und der trotzdem umfangreiche Ermittlungen auslöst. Zwei Frauen haben ihn gemeldet.

Symbolbild.
von Autor HOUProfil

"Wirklich ein Schmarrn", wie sie jetzt reuig dem Richter sagen. Mutter (53) und Tochter (29) nebeneinander auf der Anklagebank. Nie vorher mit dem Gesetz kollidiert und dann kurz vor dem Jahreswechsel eine Idee der ganz besonderen Art. Ein Personenwagen, der nach ihren Angaben bezahlt war, wurde wegen Rückständen abgeholt. Was folgte, war nahezu unglaublich: Das Fahrzeug kam bei der Schwandorfer Polizei als geraubt ins Protokoll.

Sie seien, so sagten Mutter und Tochter dem Wachhabenden bei der Polizeiinspektion, nach einem Arztbesuch in Schwandorf von zwei auf der Straße wartenden Männern bedrängt und angegriffen worden. Dann hätte sich die Räuber in ihren Pkw gesetzt und seien davon gefahren. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich die beiden Frauen auf dem Weg zum Klinikum Amberg, weil die Tochter angeblich durch Schläge eine gerötete Wange hatte.

Die Polizei setzte mehrere Streifenwagen ein, sie gab eine Fahndung heraus und befragte zunächst den angeblich aufgesuchten Mediziner. Der sagte: "Sie waren nicht da". Ab dann sei alles merkwürdig geworden, hörte der Schwandorfer Amtsrichter Hans-Christopher Theißen jetzt vom damals diensthabenden Kommissar. Amberger Polizisten wurden von ihm zum dortigen Krankenhaus geschickt und bekamen rasch heraus: "Alles erfunden."

Die Vortäuschung dieser Straftat ging nun für die 53-Jährige glimpflich ab. "Riesendummheit", gab sie zu. Eine plausible Erklärung für die Falschmeldung hatte die Frau nicht. Da sie schwer krank ist, kamen Staatsanwältin Franziska Meinl und Richter Theißen überein, das Verfahren gegen 1000 Euro Geldauflage einzustellen. Die Mutter konnte gehen, ihre Tochter musste bleiben. Denn da war noch etwas. Sie hatte über Internet einen Kleinkredit aufgenommen und dazu die Daten ihres Vaters samt dessen Bild geschickt. Die erwünschten 1500 Euro kamen dann zwar, doch eine Rückzahlung erfolgte nicht. Da erstattete das Geldunternehmen Anzeige.

"Wozu haben Sie das Darlehen gebraucht?", wollte der Richter wissen. Die Antwort: "Es mussten offenstehende Heilpraktikerrechnungen für meine Mutter bezahlt werden." Das, so konterte der Vorsitzende, sei zwar zwar eine löbliche Absicht gewesen. "Aber Betrug war es dennoch." Die junge Frau lebt von Unterstützung. Daran orientierte sich die Strafe. Richter Theißen verhängte 120 Tagessätze zu je 10 Euro. "Das alles", kommentierte er seine Entscheidung, "waren wohl einmalige Ausrutscher."

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