01.12.2019 - 12:59 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Auf dem rechten Auge nicht blind

Paul Groß ist ein langjähriger Gewerkschafter. Der Schwandorfer Polizist hat das Herz auf dem rechten Fleck, bei ihm schlägt es links. Trotzdem kann er auch dem CSU-Innenminister gute Seiten abgewinnen. Gerade mit Blick auf die AfD.

"So geht's nicht weiter, wie Politiker bedroht werden", empört sich GDP-Kreisgruppen-Vorsitzender Paul Groß. Der Polizist ist für ein scharfes Vorgehen gegen die extreme Rechte und deren Drohgebärden.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Paul Groß ist ein langjähriger Gewerkschafter. Der Polizist hat das Herz auf dem rechten Fleck, bei ihm schlägt es links. Trotzdem kann er auch dem CSU-Innenminister gute Seiten abgewinnen. Gerade mit Blick auf die AfD.

Im vergangenen Jahr haben die GDP-Kreisgruppen Schwandorf, Nabburg und Burglengenfeld die Fusion vollzogen. GDP bedeutet Gewerkschaft der Polizei und Paul Groß ist der Vorsitzende dieser fusionierten Groß-Kreisgruppe.

Wie jeder engagierte Gewerkschafter stehen bei ihm Personalzahl und Arbeitsstunden als Themen weit oben auf der Agenda. Für Schwandorf, wo Groß bei der Landespolizei-Inspektion (PI) beschäftigt ist, sieht es so aus: 40 tun dort Dienst, 46 sollten es sein. Das macht es schwer, das neue Schichtmodell für die Beamten in die Realität umzusetzen. Etwas besser sieht es bei der benachbarten Autobahnpolizeistation (APS) aus: 17 ist dort die Ist-Zahl der Beschäftigten, 20 die Soll-Zahl.

So kann die APS das neue Modell umsetzen, was Groß sehr freut. "Auch das Innenministerium und sein Minister wollten dieses Modell", zeigt sich der Gewerkschafter dankbar. Bei der PI bleibt man hingegen beim alten Schichtmodell. Es sieht so aus: Der Polizist beginnt den Dienst mit der Nachmittagsschicht, am nächsten Tag kommt er dann schon zur Frühschicht und später noch einmal zur Nachtschicht. Danach sind zwei Tage frei. Dass die Nachtschicht hier zwölf Stunden dauert, gefällt Groß nicht, aber nicht wenigen seiner Kollegen, die sonst erst später aus der Nachmittagsschicht kommen würden. Alle zusammen freuen sich über fünf Euro Schichtzulage, die es seit einiger Zeit gibt.

Beleidigungen und Bedrohungen

Das neue Schichtmodell bietet hingegen vier freie Tage am Stück "und es hilft, die anfallenden Überstunden abzubauen". Bei der PI installiert werden könnte es aber nur, wenn noch mehr Polizisten in Schwandorf beschäftigt wären. In der Inspektion fehlen dazu mindestens drei Leute.

Mindestens genauso am Herzen wie die Bedingungen der Polizeiarbeit liegt Groß, gegen Hetze im Netz vorzugehen. Dass sein früherer Kollege Uli Grötsch (Weiden), der heute für die SPD im Bundestag sitzt, kürzlich massivsten Drohungen aus dem extrem rechten Eck ausgesetzt war, lässt Groß nicht in Ruhe. Ende September hatte Grötsch, der auch Generalsekretär der bayerischen Genossen ist, rechte Morddrohungen öffentlich gemacht. Der Abgeordnete sagte damals, Beleidigungen und Bedrohungen kämen immer wieder bei ihm an. Mit einem Mordaufruf sei aber eine neue Eskalationsstufe erreicht worden. Deshalb habe er sich auch entschieden, dies öffentlich zu machen. Wie stets in solchen Fällen habe er auch die Polizei eingeschaltet.

Nicht mit AfD sympathisieren

"So geht's nicht weiter, wie Politiker bedroht werden," regt sich Groß auf, das sei "eine Schweinerei, ein No Go". Auch mit Blick auf diese Entwicklungen hat er ein Lob für das bayerische Innenministerium parat - und zwar akkurat wegen der Polizei. "Die gehen jetzt auch gegen rechte Umtriebe bei der Polizei vor." Als schlimm in dieser Beziehung hat Groß aber nicht Bayern, sondern Sachsen ausgemacht. Dass dortige Ordnungshüter mit Pegida und AfD sympathisierten, sei nicht zu verantworten.

Wie schnell der Rechtsstaat ein Unterdrückungsstaat werde, wenn die extreme Rechte das Sagen bekomme, habe sich nicht nur im Dritten Reich gezeigt. Da reiche schon ein Blick über die Staatsgrenze nach Österreich, wo die AfD-ähnliche FPÖ eine zeitlang das Innenministerium und damit die Polizei in ihrer Regierungsbefugnis hatte - mit vielen unschönen Folgen: "Dort gab es Machtmissbrauch."

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