Schwandorf
19.10.2018 - 09:38 Uhr

Retter der Kirwa-Tradition

Es gibt nicht viele Orte, die sich mit ihrer Kirchweih so identifizieren, wie Fronberg, am Stadtrand von Schwandorf. Seit 40 Jahren ist der örtliche Kirwaverein dafür verantwortlich. Die heute beginnende Kirwa hat also Jubiläumscharakter.

Die Fronberger Kirwa ist eine Wirtshauskirwa, gefeiert wird in der Brauereiwirtschaft an der Maximilianstraße. Der Blick in den Saal zeigt: Es braucht keine Partyband, damit die Stimmung hochkocht. Denn gespielt wird traditionell Blasmusik, und zwar von den "Fronberger Kirwamusikanten". Bild: Hirsch
Die Fronberger Kirwa ist eine Wirtshauskirwa, gefeiert wird in der Brauereiwirtschaft an der Maximilianstraße. Der Blick in den Saal zeigt: Es braucht keine Partyband, damit die Stimmung hochkocht. Denn gespielt wird traditionell Blasmusik, und zwar von den "Fronberger Kirwamusikanten".

Viele Fäden des Großereignisses laufen bei Johann Jobst zusammen. Der Hans, wie er genannt wird, ist Kassier des Kirwavereins. 1978, als der Verein aus der Taufe gehoben wurde, war er zwar nicht dabei, aber sehr lange Zeit schon arbeitet er jedes Jahr wochenlang an entscheidender Stelle auf das Gaudium hin, bei dem sich Blasmusik, Bodenständigkeit und Bier zu einer unvergleichlichen Melange zusammenfinden.

Tage "wie ein Wischer"

Samstag, Sonntag, Montag: Heute geht es los und dann drei Tage durch und wer so stark involviert ist wie Jobst, dem geht es vielleicht auch so: "Die drei Tage erlebe ich gar nicht richtig, das ist wie ein Wischer" - frei nach dem alten Spruch von Stones-Musiker Keith Richards, der gesagt hat, "wer sich an die 60er Jahre erinnern kann, der hat sie nicht erlebt".

40 Jahre gibt es den Kirwaverein schon, der damals eine Lücke schloss. "Bis 1970 hat der Burschenverein die Kirwa ausgerichtet, dann ein paar Jahre erst die Trachtler und schließlich die Freiwillige Feuerwehr." Danach waren zwar die 70er Jahre noch immer nicht vorbei, aber die alte Kirwa endgültig gestorben. Bis 18 junge Leute aus dem Dorf für die Wiederauferstehung der Idee sorgten. Und zwar so nachhaltig, dass der damals gegründete Verein heute 830 Mitglieder hat und sein Hauptevent das kleine Fronberg bayernweit bekannt gemacht hat.

Wer sich für die Historie des Kirwavereins interessiert, der sei auf die Festschrift verwiesen, die am Mittwoch in der Brauereiwirtschaft vorgestellt wurde. Zwar fehlt darin die berühmte Affaire um den Kirwabaum, die vor 20 Jahren im ganzen Freistaat für Spektakel sorgte, aber hier sei die Geschichte trotzdem nochmals erzählt: Ein gleich neben dem Standort des stattlichen Kirwabaums wohnender Nachbar hatte nämlich Klage eingereicht, weil die Nadeln seine Dachrinne verstopfen und sich gelegentlich auch auf die im Vorgarten genossene Brotzeit legen.

"Prozess des Jahres"

Dicht drängte man sich damals im Schwandorfer Amtsgerichtssaal, als der Zivilrichter den Startschuss zum "Prozess des Jahres" gab. Muss der das Traditionsfest ausrichtende Kirwaverein dafür sorgen, lautete die bange Frage, dass echtes Fichtennadelgeäst durch (welch schaurige Vision für einen Oberpfälzer!) Plastikgirlanden ersetzt wird? Anfängliche Besorgnis der Zuhörer wich ausgelassener Fröhlichkeit, nachdem der Verein schließlich vor dem Kadi gesiegt hatte. Man ließ den Anwalt hochleben, sparte nicht mit Applaus und zog in der Gewissheit von dannen, dass nichts und niemand der Kirchweihtradition in dem Schwandorfer Vorort etwas anhaben kann.

Reine Wirtshauskirwa

Zur Tradition gehört auch, dass die Kirwa als reine Wirtshaus-Kirwa gefeiert wird - also ohne eigenes Festzelt, dafür im schönen Saal der Brauereiwirtschaft. Musikalisch setzen die Veranstalter auf Blasmusik, je älter, desto besser. Eine Partyband wie bei anderen Kirchweihen wollen die Fronberger nicht hören. Dort sorgen nämlich die neun "Fronberger Kirwamusikanten" für die richtigen Töne - jeder ein Meister seines Instruments und bereit, an den drei Tagen des Festes insgesamt unglaubliche 32 Stunden zu spielen. "Das ist brutal, was die da leisten", macht Hans Jobst aus seiner Bewunderung kein Hehl.

Noch was gefällt ihm ganz gut. Wenn beim Frühschoppen am Montag, bei dem "Stimmung ohne Ende" ist, die 350 Gäste - es sind nur Männer als Besucher erlaubt - zu Mittag aufstehen und zusammen die Bayernhymne singen. Wer noch nicht zu viel intus hat, schafft vielleicht alle zwei Strophen. Andere fallen hingegen beim Aufstehen vor lauter Rausch quer über den Tisch. Wen juckts? Es ist ja Kirwa.

Im Blickpunkt

Kirwaprogramm:

Samstag, 20. Oktober:

7 Uhr Treffpunkt zum Baumholen in der Brauereiwirtschaft. 9.30 Uhr Frühschoppen am oberen Marktplatz in Schwandorf mit Blasmusik. Am Kirwabaum wird Freibier ausgeschenkt. Alle Besucher sind willkommen. 12 Uhr Festzug nach Fronberg. Zwei Kaltblutpferde ziehen den Kirwabaum, begleitet von drei Pferdekutschen. 13 bis 18 Uhr Aufstellen des Kirwabaumes. 19 Uhr Tanz der Kirwapaare um den Baum und das traditionelle Hochleben lassen durch Hubert Rathey. 20 Uhr Großer Kirwatanz im Saal der Brauereiwirtschaft

Sonntag, 21. Oktober

10.30 Uhr Festgottesdienst in der St. Andreas Kirche. 14 Uhr Abholen der Kirwamoidln, gegen 14.30 Uhr Einzug der Kirwapaare ins Dorf mit Blasmusik. 15 Uhr Tanz der Kirwapaare um den Baum. 16 bis 18 Uhr Zünftiger Nachmittag in der Tenne. 20 Uhr Großer Kirwatanz im Saal der Brauereiwirtschaft.

Montag, 22. Oktober

9 bis 13 Uhr Traditioneller Männerfrühschoppen. 13 Uhr Tanz der Männer um den Baum. 14 bis 18 Uhr Besuch anderer Gaststätten in Fronberg.

In den Tagen vor der Kirwa werden abends Kränze und Girlanden in der Tenne der Brauereiwirtschaft gebunden. Bild: Hirsch
In den Tagen vor der Kirwa werden abends Kränze und Girlanden in der Tenne der Brauereiwirtschaft gebunden.
 
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