Schwandorf
04.02.2019 - 11:10 Uhr

Rinderzucht im Umbruch

Der Strukturwandel bei den Rinderzüchtern im Landkreis Schwandorf setzte sich auch im vergangenen Jahr fort. Diesmal nahm aber nicht nur die Zahl der Betriebe, sondern auch die der Milchkühe ab. Dafür aber stieg die Milchleistung.

Der Verband ehrte die erfolgreichsten Rinderzüchter des vergangenen Jahres auf Kreisebene. Bild: Hirsch
Der Verband ehrte die erfolgreichsten Rinderzüchter des vergangenen Jahres auf Kreisebene.

Die 771 Betriebe im Landkreis (minus zehn) haben 25 995 Kühe (minus 1100) im Stall stehen, die im vergangenen Jahr im Schnitt 8281 Liter Milch (plus 479) gaben. "Dieser Zuwachs von 4,6 Prozent ist Spitze in Bayern", stellte Zuchtleiter Thomas Nibler bei der Kreisversammlung der Rinderzuchtgenossenschaft am Freitag in der Gaststätte des Tierzuchtzentrum fest. Im Kreisverband sind 240 Züchter (minus sechs) organisiert.

"Es müsste eigentlich in unserem eigenen Interesse sein, eine Änderung der Agrarpolitik herbeizuführen", gab Kreisvorsitzender Matthias Irlbacher zu verstehen. Nur wenn dem weiteren Strukturwandel Einhalt geboten würde, hätten die Hofnachfolger eine Perspektive. Für den Milchviehhalter aus Unteraich mache es keinen Sinn, auf Kosten der Umwelt immer mehr zu produzieren und damit die Preise "kaputt" zu machen. Matthias Irlbacher kritisiert, "dass 20 Prozent der Betriebe 80 Prozent der EU-Ausgleichszahlungen erhalten". Wer mithalten wolle, müsse in neue Stallungen investieren, sich verschulden und mit der Arbeitsüberlastung fertig werden.

An der Seite der Bauern

Stellvertretender Landrat Jakob Scharf riet den Befürwortern des Volksbegehrens "Rettet die Bienen", nicht emotional zu reagieren, sondern genauer hinzuschauen, denn: "Die Landwirte dürfen nicht zu Buhmännern gemacht werden". Sie gingen nämlich sehr sorgfältig mit den Flächen um. "Jeder Einzelne sollte vielmehr sein Verbraucherverhalten überprüfen", so der Rat des Landrat-Stellvertreters. Denn der Natur- und Umweltschutz sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Leitender Landwirtschaftsdirektor Georg Mayer sprach von einem "problematischen Jahr 2018, in dem die Landwirte noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen sind". Zu dieser Einschätzung kam der Behördenleiter bei der Auswertung der Zahlen. Die vom Freistaat als "Dürrehilfe" bereitgestellten 20 Millionen Euro seien nicht ausgeschöpft worden. Im Landkreis stellten nur vier Betriebe einen Antrag auf Hilfe zur Existenzsicherung.

Über die Hälfte der Rinderzüchter im Landkreis hält die Tiere noch in Anbindehaltung, stellte Georg Mayer fest. Davon seien allerdings nur 20 Prozent der Kühe betroffen. "Die kleinen Betriebe sollte man aber nicht unter Druck setzen", so die Meinung des Behördenleiters, "denn sie werden ohnehin bald aufgeben".

Dreimal über 10 000 Liter

Der Leiter des Veterinäramtes, Josef König, hält die Anbindehaltung in den engen Ständen der alten Ställe nicht mehr für zeitgemäß und fordert von Tierhaltern ein Nachdenken. BBV-Geschäftsführer Josef Wittmann kritisiert: "Momentan wird aus allen Rohren auf die Landwirte geschossen". Die Auflagen und Forderungen nähmen zu.

Der Verband zeichnete die erfolgreichsten Züchter aus. Gleich drei Betriebe erzielten eine durchschnittliche Jahres-Milchleistung pro Kuh von über 10 000 Litern: Markus Piehler (Schmidgaden), Ludwig Scherr (Thanstein) und Erhard Zimmermann (Maxhütte-Haidhof). Die Zuchtgemeinschaften Huber (Weiding) und Kiener (Münchshöf) haben Kühe mit einer Lebensleistung von 100 000 Litern im Stall stehen. Als beste Marktbeschicker wurden Michael Zimmermann (Pischdorf, Kälber) und Johann Lottner (Niedermurach, Großvieh) geehrt.

Zwei "Kuhprofis"

Die neue Auszeichnung "Kuhprofi" für den besten Mix aus Alter, Leistung und Tiergesundheit erhielten Johann Hösl (Oberviechtach) und Josef Baumer (Neunburg v.W.). Einen Preis für ihre Prüfbullen bekamen Johannes Schart (Mitterauerbach), Josef Wendl (Kemnath), Johann Ippisch (Burglengenfeld) und Michael Zimmermann (Pischdorf).

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