10.03.2019 - 16:50 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Rinderzüchter: "Kein Wunder, dass immer mehr aufgeben"

„Will unser Land die eigene Ernährung abschaffen?“, fragt sich der Vorsitzende des Rinderzuchtverbandes Oberpfalz, Erich Pilhofer, angesichts der öffentlichen Kritik an den Bauern. Die Stimmung sei "katastrophal".

Erich Pilhofer, Josef Bauer und Dr. Thomas Nibler (von links) zogen bei der Mitgliederversammlung des Rinderzuchtverbandes und des Milcherzeugerringes Bilanz.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Bei der Bezirksversammlung am Freitag in der Gaststätte des Tierzuchtzentrums sprach er davon, dass die Landwirte, "an allem schuld" sein sollen. „Kein Wunder, dass der Strukturwandel voranschreitet und immer mehr Bauern aufgeben“, so die Schlussfolgerung des Bezirksvorsitzenden. Erich Pilhofer beklagt die „tendenzielle Berichterstattung in den Medien zu den Tiertransporten“ und stellt fest: „Jetzt fühlt sich auch noch der Tierschutzbund bemüßigt, mitzureden".

Die Hälfte der Milchviehhalter binden ihre Kühe im Stall noch an. „Das kann man sicher optimieren, aber nicht von heute auf morgen“, so Erich Pilhofer. Er schob die rhetorische Frage nach: „Will man denn Sozialpläne schaffen für Landwirte, die nur noch ein paar Jahre so wirtschaften wollen?“ Auch der Vorsitzende des Milcherzeugerrings Oberpfalz, Josef Bauer, warf „den Randgruppen dieser Gesellschaft“ vor, Stimmung gegen die Landwirte zu machen und sie auf diese Weise vom Hof zu vertreiben. Den Milchmarkt hält Josef Bauer für stabil, der Preis befinde sich auf einem „gesunden Niveau“. Angebot und Nachfrage seien im Gleichgewicht. Der Milchbauer ist sich aber bewusst: „Die Erzeugerpreise werden nicht durch die Decke wachsen“.

Der fachliche Leiter des Milcherzeugerrings, Dr. Thomas Nibler, meldete einen neuen Rekord. Die durchschnittliche Milchleistung pro Kuh in der Oberpfalz lag im vergangenen Jahr bei 8218 Kilogramm und damit um 418 Liter höher als 2017. Zum Vergleich: In Bayern lag der Zuwachs bei durchschnittlich 314 Litern. Im Milcherzeugerring Oberpfalz sind aktuell 2413 (minus 104) Betriebe organisiert, die 122 833 Kühe (plus 263) halten. Vier der zehn besten bayerischen Fleckvieh-Herdbuchkühe stammen aus der Oberpfalz. 50 Kühe haben eine Lebensleistung von 100 000 Litern erbracht.

Drei Betriebe im Landkreis Schwandorf erzielten eine durchschnittliche Jahres-Milchleistung pro Kuh von über 10000 Litern: Markus Piehler (Schmidgaden), Ludwig Scherr (Thanstein) und Erhard Zimmermann (Maxhütte-Haidhof). Die Zuchtgemeinschaften Huber (Weiding) und Kiener (Münchshöf) haben Kühe mit einer Lebensleistung von 100000 Litern im Stall stehen. Als beste Marktbeschicker gelten Michael Zimmermann (Pischdorf, Kälber) und Johann Lottner (Niedermurach, Großvieh). Die neue Auszeichnung „Kuhprofi“ für den besten Mix aus Alter, Leistung und Tiergesundheit erhielten Johann Hösl (Oberviechtach) und Josef Baumer (Neunburg vorm Wald). Einen Preis für ihre Prüfbullen bekamen Johannes Schart (Mitterauerbach), Josef Wendl (Kemnath), Johann Ippisch (Burglengenfeld) und Michael Zimmermann (Pischdorf).

Hintergrund:

Unsichere Marktlage

Die Milcherzeugergemeinschaft Bayern MeG koordiniert die Vermarktung von 29000 Milcherzeugern in zehn Bundesländern und bündelt allein in Bayern fünf Milliarden Liter im Jahr. Geschäftsführer Markus Seemüller sieht im Klimawandel, im Brexit, in der weltwirtschaftlichen Entwicklung und im Verbraucherverhalten Unsicherheitsfaktoren, die nur sehr schwer Prognosen zur Preisentwicklung zuließen. Dabei brauche der Markt Planungssicherheit zur Stabilisierung.

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Kommentare

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A. Schmigoner

Viele Aussagen des Milcherzeugerrings könnte man auch kritisch sehen. Inzwischen gibt es einen breiten Konsens in der Bevölkerung, dass die Produktion unserer Lebensmittel einem ethischen und ökologischem Mindeststandard entsprechen müssen. Das ist keine Forderung von „den Randgruppen dieser Gesellschaft“, wie der Bauernfunktionär meint, sondern Mainstream.

11.03.2019