23.08.2018 - 16:40 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Wenn die Schachtel voll ist

Die Sonne sorgt für Wohlbefinden, ist wichtig für den Vitamin-D-Haushalt. Aber auch für die wärmenden Strahlen gilt: Die Dosis macht das Gift. Der Schwandorfer Hautarzt Dr. Rudolf Frankerl erklärt, warum.

Dr. Rudolf Frankerl zeigt in seiner Praxis den Aufbau der Haut auf einem Schaubild. Verschiedene Zellarten in den Hautschichten können durch zu viel Sonnenlicht geschädigt werden. Dann kann sich Krebs bilden.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Wer zu wenig Sonnenlicht abbekommt, bleibt blass. Und möglicherweise krank: Unter Sonnenlicht bildet die Haut Vitamin D. Ein Mangel kann eine ganze Reihe von schweren Erkrankungen nach sich ziehen. "Die Sonne wirkt auch psychisch aufhellend," sagt Frankerl.

Wo Licht ist, ist Schatten: Unser Zentralgestirn schickt nicht nur Wärme und sichtbares Licht, sondern auch ultraviolette Strahlung. Die ist energiereich und kann die Haut über ein Leben hinweg schädigen. "Ich erkläre das meinen Patienten immer mit einer Schachtel. Je nach Hauttyp "bekommt jeder bei der Geburt eine Schachtel mit. Der hellhäutige eine kleinere, der dunklere eine größere", sagt Frankerl. Wenn diese symbolische Schachtel mit der persönlichen UV-Menge gefüllt ist, kann es gefährlich werden. "Die Dosis macht es aus", sagt Frankerl. Die UV-Strahlung kann das Erbgut unserer Hautzellen verändern und so Krebs auslösen. "Das hat in den vergangenen Jahren sehr zugenommen", weiß der Hautarzt. Seit rund 30 Jahren führt er seine Praxis in Schwandorf.

"Terrassen" schützen

Betroffene sind meist über 50, wenn ihre "Schachtel" voll ist und sich gefährliche Hautveränderungen zeigen. Basaliome sind die häufigste Form von weißem Hautkrebs, die aus den Zellen in der Oberhaut entstehen kann. "Basaliome metastasieren in der Regel nicht", erklärt Frankerl, sie gelten deshalb als weniger aggressiv. Entdeckte Tumore werden in der Regel operativ entfernt. Das gilt auch für Spinaliome. Auch diese Art des weißen Hautkrebses entsteht vor allem an den "Sonnenterrassen": Kopf (Nase, Jochbein, Wangen, Lippen, Kopfhaut bei schütterem Haar oder Glatze), am Hals, an Handrücken und Unterarmen.

"Die übelste Form ist das maligne Melanom", erläutert Frankerl. Auch beim schwarzen Hautkrebs gilt zu hohe UV-Belastung als Auslöser. Je früher dieser Krebs erkannt wird, desto höher sind die Heilungschancen. 2014 sind laut Robert Koch Institut in Deutschland knapp 3100 Menschen an diesem Krebs gestorben,

Was also tun, um seine Haut zu schonen? "Der beste Schutz ist Kleidung. Seit Jahrtausenden", sagt Frankerl. Eine Kopfbedeckung ist wichtig, auch um das Gesicht zu schützen. Das Halsdreieck unter den Ohren bekommt auch viel Sonne ab. "Wir drehen den Kopf weg, wenn wir geblendet werden", erklärt Frankerl, und präsentieren der Sonne dieses Dreieck. Leichte, langärmlige Kleidung ist also gefragt, auch wenn es heiß ist. "Die Menschen im Orient wissen das seit Jahrtausenden," sagt Frankerl. Kinder sollten auf keinen Fall mit bloßer Haut in die Sonne.

Kühlen wichtig

"Baden, und dann ein T-Shirt drüber", empfiehlt der Hautarzt. Während es Wachstums ist die Haut besonders empfindlich. Kleidung sei sicherer als Sonnencremes, denn: "Kaum einer schmiert so viel, wie es nötig wäre", sagt der Hautarzt. Für Kinder empfiehlt Frankerl Sonnencremes mit mineralischem Schutz. Sie enthalten beispielsweise Metalloxide und reflektieren die Sonnenstrahlen. Und wenn man doch einen Sonnenbrand abbekommen hat? "Kühlen ist das wichtigste", sagt Frankerl, "ein kaltes Handtuch hilft." Wenn sich sogar Blasen bilden, ist das ein Fall für den Arzt.

Wichtig: Wer ungewöhnliche Veränderungen seiner Haut entdeckt, sollte zum Arzt. Etwa wenn kleine Wunden schlecht heilen, sich verschorfte, schuppige Stellen zeigen oder zu bluten beginnen. Es kann sich um "aktinische Keratose" handeln, eine Hautkrebs-Vorstufe. Sie ist gut behandelbar.

Vorsorge:

Die großen Krankenkassen übernehmen laut Rudolf Frankerl die Kosten für die Hautkrebsvorsorge im zweijährigen Rhythmus für Personen über 35 Jahre. Manche Kassen bezahlen die Kosten schon für jüngere Menschen. Nachfragen bei der Kasse lohnt also. "Wir untersuchen vom Scheitel bis zur Sohle", sagt Frankerl. Je früher Erkrankungen erkannt werden, desto besser sind die Heilungschancen. (ch)

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