07.08.2018 - 21:45 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schnelles Netz muss warten

Bis Ende 2018 sollte jedes Anwesen im Landkreis mit schnellem Internet versorgt sein. Daraus wird nichts. Die Kosten sind explodiert. Landrat Thomas Ebeling präsentiert den neuen Zeitplan. Der reicht über weitere drei Jahre.

Landrat Thomas Ebeling, Peter Pollinger, Rudolf Reger (beide Landratsamt), Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier, Regers Nachfolger Dominik Hauser und Rainer Kolloch sowie Berater Siegfried Schollerer (von links) zeigten den aktuellen Stand der Breitband-Versorgung im Landkreis auf.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

(ch) Der Landrat machte am Montag gegenüber der Presse keinen Hehl daraus, dass das Versprechen nicht zu halten ist, bis Ende 2018 alle weißen Flecken zu beseitigen. 30 Megabit Übertragungsrate bis zum letzten Weiler zu bringen, ist schlicht nicht mehr möglich. Vor etwa drei Jahren hatte der Landkreis die Umsetzung des Bundes-Förderprogramms für 27 Kommunen übernommen. Damals war von Kosten von etwa 30 Millionen Euro die Rede, um auch alle kleinen Orte und Weiler zu versorgen. Die Bescheide über knapp 16 Millionen Euro Förderung von Bund und Freistaat liegen vor.

Allein: Die Zuschüsse reichen nicht, weil die Kosten explodiert sind. "Das Vierfache des ursprünglich geplanten Eigenanteils, das wäre für die Kommunen nicht leistbar gewesen", sagte der Breitbandbeauftragte des Landkreises, Rudolf Reger. Die Lösung: Verhandlungen mit dem zuständigen Bundesverkehrsministerium. Ebeling, Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller, der Kreisvorsitzende des Gemeindetags, Neunburgs Stadtoberhaupt Martin Birner und Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier suchten das Gespräch und hatten wohl Erfolg. Wie Ebeling erläuterte, sollen die Fördersätze mit den erzielten Vergabepreisen wachsen. Der Bund ziehe mit, bestätigte Holmeier. Mit dem bayerischen Finanzminister Albert Füracker laufen Gespräche, dass auch der Freistaat die Schatulle weiter öffnet. Der Bund gewährt 50 Prozent Zuschuss, der Freistaat stockt diese Summe auf, bis die Höhe der bayerischen Förderung erreicht ist. Die liegt bei 80 bis 90 Prozent. "Wir haben Angebote," sagte Landrat Thomas Ebeling. Die Vergabe müsse erst noch erfolgen - nichtöffentlich. Darum könne er über die Kosten nichts sagen. Regers Andeutung zugrunde gelegt, liegen die Kosten ganz erheblich über den Schätzungen.

Die 27 Kommunen, für die der Landkreis die Federführung übernommen hat, müssen trotz des Deals mit höheren Kosten rechnen. Der Eigenanteil werde um "80 bis 90 Prozent" steigen, sagte Reger. Nicht betroffen sind Altendorf, Guteneck, Gleiritsch, Steinberg am See, Wackersdorf und Maxhütte-Haidhof. Dort wurde und wird das Netz mit dem bayerischen Förderprogramm und Eigenmitteln finanziert. Ganz anders sieht es etwa in Schwandorf aus. Wegen ihres riesigen Gebiets ist die Stadt auf die Fördermittel angewiesen. Landkreisweit sind noch rund 3000 Haushalte zu versorgen. Wenn die Vergabe im Herbst klappt, könnten die Arbeiten im Frühjahr 2019 beginnen. Dann wird es noch zwei bis drei Jahre dauern, bis die weißen Flecken geschlossen sind.

Dafür aber gleich mit Glasfaser bis ins Haus. Davon könnten rückwärts auch alle anderen Internetnutzer profitieren. Die neuen Leitungen führen naturgemäß durch die größeren Ortschaften und müssen so ausgelegt werden, dass der weitere Glasfaserausbau dann schnell gehen kann, wie Breitband-Berater Siegfried Schollerer erläuterte. Das vom Bund vorgegebene Ziel, bis 2025 jedes Anwesen mit Glasfaser zu versorgen, sei dann leichter erreichbar. Trotz aller Verzögerungen sieht Bundestagsabgeordneter Karl Holmeier die Landkreise Schwandorf und Cham als "beispielgebend" für die Versorgung des ländlichen Raums. Die aufwendigen Vorarbeiten hätten sich gelohnt.

Die Pressekonferenz war der letzte öffentliche Termin für Breitbandbeauftragten und Wirtschaftsförderer Rudolf Reger. Er geht in den Ruhestand. Landrat Ebeling dankte ihm für den Einsatz und lobte sein Verhandlungsgeschick. Nachfolger Regers wird Dominik Hauser.

Im Schwandorfer Stadtteil Naabeck werden derzeit Glasfaserleitungen verlegt.

Das Vierfache des ursprünglich geplanten Eigenanteils, das wäre für die Kommunen nicht leistbar gewesen.

Der scheidende Breitband-Beauftragte Rudolf Reger

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Kommentare

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Stefan Kreuzeck

Nur keine Eile, es geht ja nur um die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.

Deutschland ist doch bei Internetgeschwindigkeit, Netzempfang, Kosten dafür eh schon im unteren Mittelfeld, was für die größte Industrienation mehr als peinlich ist und dann so etwas.

Ja was will man? Will man beim Internet ganz den Anschluss verlieren, während man in Bulgarien im hintersten Wald schon 5G hat und schnelleres Internet als in größeren Städten bei uns?
Gibts nicht? Realität. Selbst in größeren Städten oftmals mieses Netz.

10.08.2018