28.03.2019 - 14:55 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schnuppertag für Girls und Boys

Männliche Pfleger und Frauen in technischen Berufen - das ist schon lange nichts Ungewöhnliches mehr. Zum Girls- und Boys-Day bringt es der 14-jährige Tim Scheibl auf den Punkt: "Jeder Beruf ist für jeden gedacht."

Seit rund zehn Jahren beteiligt sich das St.-Barbara-Krankenhaus am Boys-Day. Am Donnerstag führte Pflegedirektor Frank Hederer (Zweiter von links) die drei Jungs (von links) Tim Scheibl, Maximilian Seidel und Milan Holliday durch das Haus.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil
Ausbilder Franz Heininger blickt Laura Piehler über die Schulter. Sie ist gerade dabei einen Flaschenöffner aus Metall herzustellen.

Vielleicht ergreift Laura Piehler nach der Schule einen technischen Beruf. Vielleicht auch nicht. Die Chancen stehen laut der 13-Jährigen bei 50:50. Gerade für Mädchen wie Laura ist der jährliche Girls-Day gedacht. Zusammen mit dem Boys-Day, der parallel über die Bühne geht, sollen die bundesweit größten Berufsorientierungsaktionen Jungs und Mädchen Einblick in Berufe gewähren, die nicht gerade männer- oder frauentypisch sind.

"Super Erfahrungen"

Das Unternehmen Gerresheimer beteiligt sich schon seit zwei Jahrzehnten am Girls-Day. Am Donnerstag kamen acht Siebt- und Achtklässlerinnen nach Wackersdorf. Ausbilder Franz Heininger (57) erklärte: "Wir haben schon immer um Mädchen geworben und stets super Erfahrungen gemacht." Oft werden die weiblichen Nachwuchskräfte direkt am Girls-Day akquiriert, verrät der 57-Jährige. Heinigner, der schon seit 20 Jahren als Ausbilder arbeitet, hat festgestellt: "Mädchen können das (in technischen Berufen arbeiten; Anm. d. Red.") genauso gut wie die Jungs - manchmal sogar besser."

Die Achtklässlerin Laura hat noch nicht so allzu viel Vertrauen in ihre handwerklich Fähigkeiten. "Ich weiß nicht, ob ich die Begabung dafür habe." Sie zeigte sich aber von der Arbeit bei Gerresheimer beeindruckt. Sie habe nicht gedacht, wie viele Arbeitsschritte für die Herstellung der Produkte notwendig seien. Das Unterenehmen produziert unter anderem Kunststoffe für die Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie - etwa Asthmasprays und Blutzucker-Messgeräte. Die 13-Jährige möchte in jedem Fall noch ein einwöchiges Praktikum bei Gerresheimer absolvieren. Welchen beruflichen Weg sie nach ihrer Zeit an der Nabburger Realschule einschlägt, ist noch offen.

Gender-neutrale Einstellung

Tim Scheibl hat dagegen eine klare Vorstellung. Der 14-Jährige möchte in jedem Fall mit Menschen arbeiten. Schon jetzt engagiert er sich freiwillig für ein Sozialprojekt. Jeden Freitag ist Tim in einem Schwandorfer Altersheim. Dort spricht und spielt er mit Senioren. Die Arbeit im Krankenhaus findet er aber noch interessanter. "Hier kann man den Menschen viel mehr helfen." Bei einer Führung durch das St.-Barbara-Krankenhaus blickt der Realschüler begeistert durch ein Mikroskop, das dank einer tausendfachen Vergrößerung Blutkörperchen sichtbar macht. Von einer Krankenschwester lässt er sich den Blutdruck messen. Tim stellt immer wieder Fragen. Eine Ausbildung im Krankenhaus kann er sich gut vorstellen. Dass im Pflegebereich überwiegend Frauen arbeiten, stört ihn nicht. Der Realschüler hat ohnehin eine gender-neutrale Einstellung: "Jeder Beruf ist für jeden gedacht."

Für Pflegedirektor Frank Hederer ist der Boys-Day eine wunderbare Gelegenheit, um Jungs für Jobs im Krankenhaus zu begeistern. In einer Branche, in der überwiegend Frauen tätig sind, sei es gut, wenn ein paar Männer für eine andere Teamzusammensetzung sorgen. Und: Männer könnten oft ganz anders zupacken. Bei der Arbeit mit Patienten nicht unwesentlich. Alleine in die Notaufnahme kommen jedes Jahr 30 000 Patienten - rein statistisch gesehen also jeder Schwandorfer einmal im Jahr. Angesichts solcher Zahlen dürfte der Pflegedirektor sich über so engagierte Jungs wie den 14-jährigen Tim freuen.

Girls- und Boys-Day:

An den Berufsorientierungsaktionen beteiligten sich wieder zahlreiche Jugendliche und Unternehmen. Im Landkreis Schwandorf gab es zum Boys-Day 75 Praktikumsplätze in Kindergärten, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, im Krankenhaus und im Erziehungsbereich. Für Mädchen boten 25 Unternehmen im Landkreis 260 Praktikumsplätze, die von technischem Produktdesign über die Elektronikbranche bis hin zur Schreinerei reichten.

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