05.04.2020 - 11:23 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schwandorf: Hochprozentiges gegen das Virus

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Desinfektionsmittel sind Mangelware. Wohl dem, der eine Brennerei vor Ort hat, wie der Landkreis Schwandorf die Gemeinschaftsbrennerei Schwand. Dort ist "Sprit" auf Lager.

Brennmeister Albert Krieger (rechts) beim Verladen des Alkohols.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Der Katastrophenschutz im Landkreis sorgt für Nachschub an Desinfektionsmitteln. Der Haupt-Rohstoff Alkohol kommt aus der Region - aus der Gemeinschaftsbrennerei Schwand in Bodenwöhr und aus einer Destillerie in Hahnbach (Kreis Amberg-Sulzbach). Die Herstellung des Mittels übernimmt das Unternehmen NABU Oberflächentechnik in Stulln, das über die nötige Expertise verfügt.

Das Aus des Branntweinmonopols hat die Geschäfte der Gemeinschaftsbrennerei in Schwand arg gebeutelt. Die fünf Landwirte, denen die Brennerei gehört, und ihr Brennmeister Albert Krieger mussten mit weit sinkenden Preisen für Rohalkohol zurecht kommen, außerdem fiel die staatliche Förderung weg. Aber die Brennerei blieb in Schuss. "Wir sind betriebsbereit", sagt Albert Krieger. Und: Ein paar tausend Liter Rohalkohol mit 88 Prozent waren noch auf Lager.

Genau zur rechten Zeit. Denn der Landkreis Schwandorf lässt in Stulln Desinfektionsmittel herstellen. Rohstoff in erster Linie: Alkohol. Auch die Nachbarn im Landkreis Regensburg hatten Interesse an dem jetzt plötzlich wertvollen Stoff. "Wir haben am Dienstag 3000 Liter geliefert", sagte Krieger auf Nachfrage der Oberpfalz-Medien. Ein Teil davon wurde bereits zu Desinfektionsmittel gemischt.

Glycerin und Peroxid

Dazu fehlt noch Glycerin - um das Zeug etwas hautverträglicher zu machen - sowie Wasserstoffperoxid, gegen möglicherweise vorhandene Bakterien-Sporen in den Rohstoffen. Letzteres dient in geringen Konzentrationen als Bleichmittel. "Wasserstoffblonde" Damen kennen den Effekt. In höheren Konzentrationen ist Peroxid erlaubnispflichtig. Es kann dann auch als Raketentreibstoff dienen und ist explosiv.

"Wir haben bisher 2000 Liter Rohalkohol übernommen, jeweils 1000 Liter aus Hahnbach und Neuenschwand," bestätigte der Sprecher des Landratsamts, Hans Prechtl. "Bei der Brennerei in Neuenschwand haben wir eine Option auf weitere Mengen." Der Großteil des Desinfektionsmittels wird über das Landratsamt an die Apotheken und weitere Bedürftige verteilt, so Prechtl auf Nachfrage der Oberpfalz-Medien. Die Gemeinschaftsbrennerei Schwand am Ortsrand des Bodenwöhrer Ortsteils Neuenschwand stellt Rohalkohol aus Kartoffeln und Getreide her. Schon zu Zeiten des Monopols wurde der 88-prozentige, hochreine "Sprit" für medizinische Zwecke verkauft. "Zur inneren und äußerlichen Anwendung," wie Krieger erzählt.

Die fünf Landwirte lieferten Feldfrüchte als Rohstoff. Davon ist einiges nötig: "Für einen Hektoliter Schnaps brauchen wir ungefähr 900 Kilo Kartoffeln", erklärt Krieger, der sein Handwerk bei "Thurn und Taxis" gelernt und später in Weihenstephan an der Lehrbrennerei den Meisterbrief gemacht hat.

Brennerei steht bereit

Warum die große Menge? Kartoffeln bestehen zu 75 Prozent aus Wasser. Aus dem wird auch bei höchster Brennkunst kein Schnaps. "Wenn Sie das erfinden, werden Sie berühmt", scherzt Krieger. Die rund 20 Prozent Stärke in der Kartoffel sind es, die mit Hefe in der Maische durch Gärung für den Alkohol sorgen. Die Maische wird destilliert, also vereinfacht gesagt durch Verdampfen und Kondensation der Alkohol vom Wasser abgetrennt und konzentriert. Beim Abfüllen am Dienstag in große Tanks auf Paletten war natürlich der Zoll vor Ort. Auch wenn das Monopol gefallen ist, Steuer wird trotzdem fällig. "Hätten wir das Monopol noch, gäbe es noch mehr Brennereien," ist sich Krieger sicher. Rohalkohol wäre dann wohl keine gesuchte Mangelware. Aber unter dem Druck der gesunkenen Preise und dem Wegfall staatlicher Subventionen mussten viele Brennereien, die sich auf Rohalkohol konzentriert hatten, aufgeben. "Weitere Anfragen haben wir noch nicht", sagt Albert Krieger. "Aber wir sind bereit, wenn welche kommen."

Für kritische Infrastruktur

Das Desinfektionsmittel für den Katastrophenschutz im Landkreis Schwandorf wird in Stulln endgültig zubereitet. Die NABU Oberflächentechnik hat alle nötigen Zertifizierungen. Das Landratsamt hatte am 26. März angekündigt, Desinfektionsmittel herstellen zu lassen, weil Lieferengpässe drohten. Um die Versorgung für die kritische Infrastruktur, zu der auch das Gesundheitssystem und die Einsatzkräfte gehören, aufrecht zu erhalten, arbeitet das Amt nun mit der NABU zusammen. Das fertig angemischte Desinfektionsmittel werde an einem gesicherten Ort gelagert, bestätigte Prechtl. Schließlich ist das Material gefragt, zur Zeit.

Glycerin und Wasserstoffperoxid fehlen noch, dann wird Rohalkohol zu Desinfektionsmittel.
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