27.10.2020 - 14:43 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schwandorfer Klosterbibliothek soll umziehen

Wie viele Bücher in der Klosterbibliothek aufbewahrt werden, weiß niemand genau. Es sind Tausende Bände, darunter einige echte Raritäten. Sie müssen nun weichen und bekommen ein neues Heim. Denn sie sind zu schade für Ebay und Antiquariate.

von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

In der Klosterbibliothek auf dem Kreuzberg lagern rund 600 laufende Buchmeter. Die Zahl der dort vorhandenen Bände dürfte sich zwischen 20 000 und 30 000 bewegen. Laut einer Schätzung der Stadtverwaltung, die dem Hauptausschuss vorgelegt wurde, befinden sich darunter ungefähr 200 Folianten, nebst zahlreichen Werken aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Buchbestände reichen bis in das 16. Jahrhundert zurück.

Lutherbibel aus dem Jahr 1524

Bei einer Besichtigung der Buchbestände wurden unter anderem Enzyklopädien, Biografien, Geschichtsbände und philosophische Abhandlungen in Augenschein genommen. Das angeblich älteste vorhandene Buch – ein Breviarium (ein Gebetbuch des katholischen Klerikers mit Stundengebeten) – wurde 1516 in Mainz gedruckt. Besonders beeindruckend ist eine Lutherbibel aus dem Jahre 1524. Wie man einem Schreiben der Karmeliten aus dem Jahre 1980 entnehmen kann, soll sich in der Klosterbibliothek auch ein (beschädigtes) Heilkräuterbuch aus dem Jahre 1586 befinden.

Der frühere Stadtbibliothekar und Heimatforscher Alfred Wolfsteiner, der die Bibliothek bereits besichtigt hat, weist noch auf einen weiteren Aspekt hin – nämlich dass die Klosterbibliothek eine Reihe von interessanten und wichtigen heimatgeschichtlichen Werken über Schwandorf und die Oberpfalz besitzt. Nach seiner Kenntnis beinhaltet die Klosterbibliothek neben den Büchern von Cassidor Zenger auch die Werke anderer in Schwandorf geborener Autoren wie Odilo Schreger, Dominikus Wagner und Marian Dobmeyer.

Umfangreiche Bibliothek

Laut Wolfsteiner, der die Aufzeichnungen des Schwandorfer Chronisten Joseph Pesserl studiert hat, geht daraus hervor, dass der Gründer des Benefiziums, der Kapuzinermönch Cassiodor Zenger (1755-1830), neben einem beträchtlichen Geldbetrag dem Benefizium auch seine umfangreiche Bibliothek gestiftet hat. „Ich gehe davon aus, dass die Klosterbibliothek einen Teil des Benefiziums darstellt und auf jeden Fall geschlossen in Schwandorf bleiben sollte.“

Emotionaler Abschied von den Unbeschuhten Karmeliten vor elf Jahren

Mit diesem Wunsch, den Wolfsteiner schon vor ein paar Jahren formulierte, ergibt sich ein Problem, das zu lösen war. Denn die Kirchenstiftung der Pfarrei Kreuzberg will ihr ungenutztes Kreuzbergzentrum verkaufen. Falls dies gelingt, braucht die Pfarrei aber neue Räume. Dazu könnte man das große Kloster nutzen, nicht zuletzt dessen geräumige Bibliothek. Dann müssen aber die Bücher weichen.

Es gibt schon eine Idee, die in diesen Tagen der Hauptausschuss des Stadtrates abgesegnet hat: Die Übernahme des Buchbestandes in die Obhut der Stadt. Der deutsche Ordensobere der Unbeschuhten Karmeliten, P. Dr. Ulrich Dobhan, räumte bereits mit Schreiben vom 14. September 2017 die Möglichkeit ein, die Bibliothek im Kloster auf dem Kreuzberg als Dauerleihgabe der Stadt Schwandorf zur Verfügung zu stellen.

Überregionale Bedeutung

„In Hinblick auf mögliche Forschungsvorhaben von Studentinnen und Studenten der Fakultät für Katholische Theologie an der Universität Regensburg würde das Stadtarchiv Schwandorf mit diesen Beständen seine überregionale Bedeutung noch weiter ausbauen können,“ urteilte Oberbürgermeister Andreas Feller.

Da eine solche Übernahme auch einen erheblichen Platzbedarf und eine ordnungsgemäße Verwaltung dieser Bestände voraussetzt, ist angedacht, die historischen Bände in das Magazin des neu zu errichtenden Stadtarchives aufzunehmen. Diese historische Bibliothek würde dann dem Stadtarchiv als separaten Bestand zugeordnet werden. Als Lagermöglichkeiten sind das Dachgeschoss des neuen Stadtarchives im ehemaligen Krankenhaus mit fast 60 Quadratmeter, teilweise der Ausstellungsraum und die jetzigen Archivräume im Rathaus angedacht.

Hintergrund:

Zukunft der Bücher

Der Hauptausschuss des Schwandorfer Stadtrates hat grünes Licht dafür gegeben, die Klosterbibliothek vom Kreuzberg im Rahmen eines Leihvertrages mit einer Laufzeit von 25 Jahren und einer automatischen Verlängerung in das Stadtarchiv Schwandorf zu übernehmen. Dort sollen die Bücher gelagert und verzeichnet und der regionalen und überregionalen Forschung zugänglich gemacht werden, indem man sie im Lesesaal des Archives interessierten Forschern vorlegt.

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