15.09.2021 - 15:54 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schwandorfer Polizei überrascht vom sorglosen Umgang mit der Gurtpflicht

Man muss nicht auf den 23-Jährigen verweisen, der vor einigen Tagen aus dem Auto geschleudert wurde. Eigentlich sollte es sich in den letzten 45 Jahren herumgesprochen haben, dass es sicherer ist, sich anzugurten. Aber dem scheint nicht so.

Bei Verkehrskontrollen der Polizei im Landkreis Schwandorf wurden am ersten Schultag zahlreiche Fahrer zur Kasse gebeten, die nicht angeschnallt in ihren Autos unterwegs waren. Unser Bild zeigt eine Szene in Schwandorf, wo am Dienstag verhältnismäßig viele Bußgelder verhängt wurden.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Die Polizei im Landkreis Schwandorf nutzte den ersten Tag des neuen Schuljahres, um am Morgen zwischen 7.15 und 8 Uhr vor den Schulen zu kontrollieren. Bekanntlich würden manche Eltern ihre Kleinen am liebsten mit dem Pkw vor die Tür des Klassenzimmers fahren. Da das natürlich nicht geht, nutzen einige den Trubel vor den Schulhäusern aus, die Kinder an den unmöglichsten Stellen aus dem Auto zu lassen. Hier griffen die Uniformierten mahnend und strafend ein.

"Immerhin haben die Eltern eine Vorbildfunktion für ihre Kinder," betonte Stefan Amann von der Schwandorfer Polizei, der die Kontrollen mitgestaltete. Es gehe dabei nicht nur um das Parken, sondern auch um das Anlegen der Gurte oder das Nutzen von Handys während der Fahrt. "Unsere Kontrollen sind sozusagen ganzheitlich," sagte Amann.

Kritik an Nachlässigkeit

"Wir haben 16 Strafzettel ausgeschrieben," berichtete am Nachmittag Dieter Jäger von der Schwandorfer Polizei. Er und seine Kollegen haben acht Schulen in und um die Große Kreisstadt angefahren, um nach dem Rechten zu sehen. "Einige Eltern halten auf dem Gehweg oder in der Bushaltstelle," sagte Jäger und kann nur den Kopf schütteln. Abgesehen davon, dass das nicht erlaubt sei, entstehe durch dieses Verhalten auch eine Gefahr für andere Schulkinder.

Markus Bruckmeier von der Nabburger Polizei hat ähnliche Erfahrungen gemacht: "Es gab sieben Verstöße wegen falschen Parkens vor der Schule, obwohl bei jeder Schule Parkplätze ausgewiesen sind." Die Nabburger Uniformierten, die in Schwarzenfeld, Pfreimd, Wernberg-Köblitz und natürlich Nabburg selbst unterwegs waren, beließen es beim Fehlverhalten der Eltern mit Ermahnungen. "Es waren alle einsichtig," versicherte Bruckmeier. Er hat auch ein Lob parat: "Beim Thema Gurt anlegen und Kindersicherung im Auto gab es überhaupt keinen Verstoß, da haben sich alle Eltern vorbildlich verhalten."

Auch Dominic Stigler vom Polizeipräsidium Oberpfalz, das Kontrollaktionen überregional angestoßen hatte, weiß, dass vor vielen Schulen morgens Verkehrschaos herrscht. "Gehalten wird oft auch an Bushaltestellen, im Haltverbot oder in zweiter Reihe. Das ist für alle Kinder gefährlich, da es schnell unübersichtlich wird, so Stigler. Die Polizei Oberpfalz rät daher, soweit möglich auf das "Elterntaxi" zu verzichten. Grundschüler sollten mit dem Bus fahren oder zu Fuß zur Schule gehen und nur in Ausnahmefällen mit dem Auto zur Schule gebracht werden.

Die Polizei überwacht in den ersten Schultagen nicht nur das Parken, sondern besonders die Einhaltung der Gurtanlege- und Kindersicherungspflicht, die seit 1976 gilt. "Die Schutzwirkung des Sicherheitsgurtes ist hinreichend belegt", betont Stigler. Dennoch zeige die Unfallstatistik, dass viele Verkehrsteilnehmer den Gurt nicht anlegen. Im Jahr 2020 waren bayernweit 44 von 200 in Autos tödlich verunglückten Personen nicht durch einen Sicherheitsgurt gesichert - darunter auch ein Kind. In der Oberpfalz trugen vier Personen bei Verkehrsunfällen mit tödlichen Folgen nicht den erforderlichen Sicherheitsgurt. "Auch heuer waren bereits im Regierungsbezirk vier tödlich verunglückte Personen nicht angegurtet," informiert Stigler. Erst am Wochenende ist ein 23-Jähriger bei einem Autounfall auf der A93 nahe Maxhütte-Haidhof ums Leben gekommen. Er war nicht angegurtet, sein angegurteter Beifahrer blieb fast unverletzt.

Verschlechterte Moral

Eine gewisse Nachlässigkeit beim Thema Angurten war auch in Schwandorf zu bemerken, wo die Polizei im Laufe des ersten Schultages an vielbefahrenen Straßen kleine Kontrollpunkte eingerichtet hat. "In drei Stunden gab es zwölf Fahrer, die nicht angegurtet waren," bilanzierte Dieter Jäger und zeigte sich überrascht, denn das sei unverhältnismäßig viel. Er hat in diesem Zusammenhang angemerkt, dass die Gurtmoral "auffällig schlechter" geworden sei, und sprach von der Sorglosigkeit mancher Fahrer. Eine der Schwerpunktkontrollen fand kurz nach dem stadtauswärts befindlichen Ende der Adenauerbrücke in Schwandorf statt. Wer erwischt wurde, den haben die Kontrolleure mit 30 Euro zur Kasse gebeten.

Sorge um die neuen Schulanfänger

Oberpfalz
"Das kostet 30 Euro": Bei der Verkehrskontrolle am Dienstag wurde nicht nur dieser Fahrer erwischt, weil er nicht angeschnallt war.
Hintergrund:

Übersicht über die Bußgelder

  • Nicht angeschnallt während der Fahrt: 30 Euro
  • Kind nicht angeschnallt mitgenommen: 30 Euro
  • Mehrere Kinder nicht angeschnallt mitgenommen: 35 Euro
  • Kind ohne Sicherung (ohne Gurt, ohne Kindersitz) mitgenommen: 1 Punkt in Flensburg, 60 Euro
  • Mehrere Kinder ohne Sicherung (ohne Gurt, ohne Kindersitz) mitgenommen: 1 Punkt in Flensburg, 70 Euro

 

 

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