17.05.2020 - 17:03 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schwandorfs Alt-OB und Ehrenbürger Helmut Hey feiert 70. Geburtstag

Gibt es ein besseres Bild, das den bewusst genossenen Ruhestand deutlich macht? Schwandorfs Alt-OB Helmut Hey sitzt auf einer von ihm geschreinerten Gartenbank und sagt: "Politik lese ich in der Zeitung. Ich selbst halte mich da raus".

Anzug und Krawatte waren lange seine täglichen Begleiter. Jetzt sitzt Alt-OB Helmut Hey in Jeans und Freizeithemd auf der von ihm selbst geschreinerten Gartenbank und sagt: "Es ist alles gut, so wie es ist".
von Autor HOUProfil

Kein Stress mehr für Helmut Hey. Am Montag, am 18. Mai, wird der Schwandorfer Ehrenbürger 70 Jahre alt. Zwölf Jahre war Helmut Hey Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt. 2014 kandidierte er nicht mehr und zog einen finalen Strich unter dreieinhalb Jahrzehnte Kommunalpolitik. Der Rückzug mit damals 64 Lebensjahren war wohl überlegt. Denn der Jurist wollte Zeit haben. Zeit für Ehefrau Irene, die Töchter Lena, Julia und die Enkel. Im Amt des Oberbürgermeisters lenkte ihn ein enger Terminplan. Jetzt sagt er: "Es ist alles gut so, wie es ist".

Mit Gestaltungswillen

Der Sozialdemokrat war erfolgreicher Rechtsanwalt in seiner Heimatstadt Schwandorf. Er besaß eine Kanzlei an der Naabuferstraße und wollte, zunächst im Ehrenamt, etwas tun in der Kommunalpolitik. Erst Stadtrat, später Fraktionsvorsitzender und ab 2002 Oberbürgermeister. Mit ihm kam einer, der gestalterische Vorstellungen hatte. Auch im Kreistag.

Helmut Hey brachte Schwandorf voran. Das Gelände der ehemaligen Tonwarenfabrik stand zur neuen Beplanung an, Altlasten von Kanalherstellungsbeiträgen in den Ortsteilen bedurften der Klärung. Schwierige Sachlagen oft. Hey kümmerte sich auch um kulturelle Angelegenheiten. Er arbeitete die Bedeutung des aus Schwandorf stammenden Bayernhymnen-Komponisten Konrad Max Kunz heraus, verhalf der Fronberger Kebbel-Villa zu überregionalem Ruf. Die Bürgerschaft belohnte seine Arbeit und gab ihm 2008 den Auftrag zu einer zweiten Amtszeit. Sechs Jahre später war Schluss. Hey räumte sein Amtszimmer im Rathaus und nahm eine Skulptur des Künstlers Peter Mayer mit. Von Hey bezahlt, steht das Kunstwerk heute als prächtiger Blickfang im Haus des Alt-OB an der Wackersdorfer Straße.

Was wäre denn ohne Corona-Pandemie an diesem 70. Geburtstag abgelaufen? "Ein großes Fest natürlich", lässt Helmut Hey durchblicken. Ihm gehört seit Jahrzehnten die Brauerwirtschaft in Fronberg und damit ein Saal, in dem vor zehn Jahren die Musikanten aufspielten und viele Gäste bewirtet wurden. Jetzt wird sich die Feier auf den engen Familienkreis beschränken.

Wünsche der Enkel erfüllen

Langweilig ist es Helmut Hey in seinem bisherigen Ruhestand nicht geworden. Ein großer Garten wartet permanent auf Pflege und drunten im Tiefgeschoss ist aus einer Rumpelkammer die von Schwandorfs Ehrenbürger immer gewünschte Schreinerwerkstatt entstanden. Mit Werkzeugen, Geräten und einer Tafel, auf der seine Enkel mit Kreide schreiben können, was sie sich vom Großvater an Spielgeräten wünschen. Der tritt alsbald an und macht das.

Kein Besserwisser

Die Frage nach einem Blick in den Rückspiegel beantwortet der Alt-OB so: "Es ist gut gelaufen. Kein Anlass jetzt zum Einmischen." Dann setzt er hinzu: "Viele Besserwisser sind unterwegs. Ich gehöre nicht in diese Kategorie." Es ist früher Nachmittag, die Sonne scheint und Helmut Hey nimmt unter alten Bäumen Platz auf seiner Gartenbank. Da sitzt jemand, der seinen Frieden hat und dankbar ist, dass es ihn und seine Familie gibt. In Schwandorf und damit in einer Stadt, für die er immer etwas tun wollte.

Hintergrund:

Helmut Heys spektakulärer Fall

Als Rechtsanwalt hatte Alt-OB Helmut Hey einen Fall, der bis heute als spektakulär gilt und sogar Eingang in Bücher und Reportagen fand, die sich mit der Kirchweihtradition in Bayern befassten. Hey vertrat vor über zwei Jahrzehnten vor dem Schwandorfer Amtsgericht den Fronberger Kirchweih-Verein, der sich durch einen Anlieger des Brauereiwirtshauses beklagt sah. Vor diesem Lokal stand der Kirwabaum, dessen Fichtennadeln in die Dachrinne des Nachbarn rieselten. Folglich sollte der mit Kränzen geschmückte Stamm weg. In einem Prozess, der bayernweit für Interesse sorgte, schaffte es der spätere Oberbürgermeister, dass der Kirwabaum stehen bleiben durfte. Dem Kläger wurde lediglich ein Sieb für seinen Regenrinnenablauf zugebilligt. Richter war der aus Schwandorf stammende Peter Jung. Er ist heute stellvertretender Amtsgerichtsdirektor in Amberg. Mit seiner Entscheidung durfte das Traditions-Symbol dauerhaft stehen bleiben.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.