Schwandorf
06.08.2025 - 14:19 Uhr
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Schwandorfs "Glöckner" halten auch die Erinnerung an Konrad Max Kunz wach

Am Sonntag, 3. August, war der 150. Todestag von Konrad Max Kunz, eines großen Sohnes der Stadt Schwandorf. Die Erinnerung an ihn wach zu halten, gehört zu den Aufgaben von Roland Schwarz und Waldemar Voit. Sie sind „Glöckner“.

Dominant platziert und eine herrliche Aussicht über die Stadt und weit darüber hinaus bietend, steht der Blasturm in Schwandorf seit über 500 Jahren zwischen Marktplatz und Weinberg. Insgesamt 20 Türmer walteten hier seit dem 16. Jahrhundert ihres Amtes. Sie haben die Bevölkerung vor Gefahren gewarnt und mit ihrem Blashorn herannahendes Unheil verkündet. Einer von ihnen war Franz Michael Kunz, der Vater von Konrad Max Kunz, der die Bayernhymne komponiert hat. Der Blasturm ist die Geburtsstätte dieses bekannten Musikers. Heute hat die Stadt zwar keine Türmer mehr, aber zwei ehrenamtliche „Glöckner“, die an sechs bestimmten Tagen im Jahresverlauf die Turmglocke mit Muskelkraft betätigen.

Nach der Öffnung der schweren Eichentür weisen 23 Holzstufen den Weg zur einstigen Türmerwohnung im Blasturm, die mit zwei kleinen Räumen sehr bescheiden wirkt. Nach weiteren 25 Stufen, die nach oben führen, gelangt man in das etwa 36 Quadratmeter große „Arbeitszimmer“ der einstigen Türmer, welches auch Franz Michael Kunz von 1807 bis 1828 als 14. Türmer der Stadt Schwandorf genutzt hat. Heute ziert es eine Glasvitrine mit den Noten der Bayernhymne, ein Gästebuch und Informationstafeln zu Turm und Türmern.

130 Kilo schwer

Inmitten des Raumes hängt ein dickes Seil aus einer kleinen, runden Deckenöffnung, das mit dem schweren Klangkörper, der Glocke, verbunden ist. 2004 wurde der Dachstuhl des historischen Gebäudes erneuert und die 130 Kilogramm schwere Glocke, welche im Konvent der „Armen Schulschwestern“ eingelagert war, restauriert. Und somit war das wertvolle Stück, das zum Wahrzeichen der Stadt gehört, wieder voll funktionsfähig.

Anfangs nahm die Stadt Schwandorf die Läut-Termine selber wahr. Da der Oberpfälzer Waldverein das Stüberl gleich neben dem Blasturm bewirtschaftet, bot es sich an, ihm den Auftrag zum Läuten der Glocke zu übertragen. Der damalige Vorsitzende des OWV, Erwin Mayer, sagte zu, und lud ein paar Vereinskollegen zum „Probeläuten“ ein. Was recht einfach aussieht, entpuppte sich allerdings als echte Schwerstarbeit. Als beste Läuter wurden die gebürtigen Schwandorfer Roland Schwarz (71) und Waldemar Voit (78) auserkoren.

Zweieinhalb Minuten am Seil ziehen

Seit 2015 nehmen sie ihre ehrenamtliche Aufgabe, zu bestimmten Anlässen fünf Minuten lang zu läuten, pflichtbewusst wahr und machen jeweils ab Punkt 14 Uhr eine richtige Zeremonie daraus. Jeder von ihnen muss zweieinhalb Minuten lang das Seil ziehen. Die Taschenuhr liegt unterdessen auf der Glasvitrine und gibt die Zeit genau an. In den letzten Sekunden des Countdowns zählen die zwei „Schwerstarbeiter“ selber laut mit. Rund 80 Mal hat jeder das Seil in der vorgegebenen Zeit zu ziehen, was sichtlich eine echte Kraftanstrengung bedeutet. Leicht ins Schwitzen geraten, sind beide lachend der Meinung, dass diese Übung ein Fitnessstudio ganz gut ersetzt.

Im Anschluss dürfen sich die Zuschauer im aufliegenden Gästebuch eintragen. Danach haben sie nebenan in der Blasturmgasse 4 die Möglichkeit, sich im Stüberl bei einer Brotzeit oder Kaffee und Kuchen zu stärken. Bewirtet werden sie dort vom ehrenamtlichen Team um den neuen Vereinsvorsitzenden James Fotinos.

Sechs Termine im Jahr

Geläutet wird jährlich zu folgenden Terminen: am 6. Januar zum Tag der Stadterhebung Schwandorfs, am 17. April zur Erinnerung an die Bombardierung Schwandorfs im Jahr 1945, am 29. April zum Geburtstag von Konrad Max Kunz, am 1.Mai zum Inkrafttreten der Gemeindegebietsreform 1972, am 3. August zum Todestag von Konrad Max Kunz und am 13. August zum Gedenken an einen großen Stadtbrand. Willkommen sind da alle Interessenten; sie dürfen gerne live dabei sein.

Noch fühlen sich der einstige Lehrer Roland Schwarz und der frühere Qualitätsbeauftragte Waldemar Voit fit für ihre Aufgabe. Langsam aber sicher würden sie sich jedoch freuen, wenn sich für ihr kleines Glöckner-Team Verstärkung fände.

Hintergrund:

Zur Person: Konrad Max Kunz

  • Geburtsdatum: 29. April 1812
  • Geburtsstätte und erster Wohnort: Blasturm in Schwandorf
  • Eltern: Franz Michael Kunz (Schwandorfer Stadttürmer von 1807 bis 1828) und Barbara Kunz, geb. Metz
  • Berufliche Tätigkeiten: Chordirektor und Leiter der Bühnenmusik am königlichen Hof- und Nationaltheater in München.
  • Komponist der Melodie der späteren Bayernhymne "Gott mit dir, du Land der Bayern" (1860). Er gilt zudem mit seinen Kompositionen als einer der Väter des deutschen Männergesangs.
  • Sterbedatum:: 3. August 1875
  • Sterbeort: München
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