Schwandorf
23.06.2025 - 16:06 Uhr
OnetzPlus

Das Schweigen aufbrechen: Gedenktag für verstorbene Drogenkonsumenten in Schwandorf

Die Caritas-Fachambulanz und das Gesundheitsamt nehmen am 21. Juli in Schwandorf den "Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende" zum Anlass, ein Tabu zu thematisieren: den Tod durch illegale Drogen. Eine Andacht bietet Raum zur Trauer.

Das Thema ist nach wie vor ein gesellschaftliches Tabu. Wer möchte schon offen darüber sprechen, wenn das eigene Kind, ein Angehöriger oder Freund am Konsum illegaler Drogen verstorben ist? Für die nahen Angehörigen kommt zur Trauer das Gefühl der Ohnmacht, der Hilflosigkeit hinzu. In der Öffentlichkeit ist der Drogentod eines Menschen eine dürre Nachricht und eine Zahl in der Statistik. Dieses Schweigen aufzubrechen, haben sich die Caritas-Fachambulanz für Suchtprobleme und das Gesundheitsamt in Schwandorf zur Aufgabe gemacht und nehmen den „Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende“ als Anlass für eine Gedenkandacht am 21. Juli in der Stadtpfarrkirche St. Jakob.

Karin Schmittner, Leiterin der Fachambulanz, erinnert im Gespräch mit Oberpfalz-Medien an die Geschichte des Gedenktags. Auslöser war der Tod von Ingo Martens in Gladbeck im Jahr 1995. Seine Mutter habe sich dafür eingesetzt, eine Gedenkstätte für ihren Sohn und alle anderen verstorbenen Drogenkonsumenten zu errichten. 1998 wurde der Gedenktag ins Leben gerufen. „Mittlerweile wird der Gedenktag auch international begangen“, so Schmittner. Zunächst richte sich der Gedenktag an Familienangehörige, Freunde und Bekannte. „Aber auch an alle, die Beziehungen zu Konsumenten haben.“ Dazu zählen laut Schmittner, ihrem Fachambulanz-Kollegen Helmut Würzl und Katharina Uschold vom Gesundheitsamt auch die Fachkräfte, die regelmäßig und oft über Jahre Kontakt zu Konsumenten haben. „Es ist für alle die Gelegenheit, innezuhalten.“

21 Fälle in der Oberpfalz

Denn dass Menschen am Gebrauch illegaler Substanzen sterben, ist nicht „weit weg“ in irgendeiner Großstadt. Im April sind im Landkreis Cham drei tote Menschen aufgefunden worden, die an einer Drogenintoxikation gestorben sind. Sie wurden möglicherweise Opfer von verunreinigten Substanzen. „Die Drogen werden immer potenter, immer gefährlicher“, sagt Würzl. Dazu kommt, dass niemand sagen kann, mit welchen Substanzen die Drogen gestreckt werden. In der Oberpfalz hat das zuständige Polizeipräsidium im vergangenen Jahr 21 „Rauschgifttodesfälle“ registriert. Der jüngste Tote war 18, der älteste 62 Jahre alt. Bundesweit wurden im Jahr 2023 über 2.200 Drogentote registriert, ein trauriger Höchststand. In der Polizeistatistik tauchen nur die Todesfälle auf, die akut auf Drogen zurückzuführen sind. Stirbt ein Konsument an indirekten Folgen, taucht der Fall in der Statistik nicht auf. „Oft ist es so, dass suchtkranke Menschen, die sich stabilisiert haben, an Folgeerkrankungen wie einem Herzinfarkt sterben“, sagt Schmittner.

„Überdosierung und Drogentod können alle Menschen (be-)treffen“ steht in diesem Jahr als Thema über dem Gedenktag. „Drogenkonsum und der Tod vollziehen sich in der Mitte der Gesellschaft“, heißt es in einer Mitteilung der Organisationen, die hinter dem Gedenktag stehen. Dazu gehören unter anderem der „Jes Bundesverband“, die Aidshilfe und die Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin. „Spätestens der Tod tausender junger Menschen sollte uns dazu bewegen, innezuhalten und daran zu denken, welches Leid und welche Trauer ein solcher Verlust auslöst und alles Erforderliche einzusetzen, dies zu verhindern.“

Der Gedenktag wird in Schwandorf zum dritten Mal begangen. Die Andacht in der Stadtpfarrkirche St. Jakob gestaltet Pastoralreferent Alfred Gaßner (katholische Pfarrei St. Jakob Schwandorf) zusammen mit Pastor Paul Warkentin (Evangelische Freikirche Schwandorf), zusammen mit den Mitarbeitern der Caritas-Fachambulanz und des Gesundheitsamts. Die Andacht ist für alle offen.

Fachleute stehen bereit

An die Fachambulanz für Suchtprobleme (Telefon 09431/99 80 68-0, E-Mail: beratung[at]suchtambulanz-schwandorf[dot]de) können sich nicht nur Menschen mit Suchtproblemen, sondern auch Angehörige mit ihren Problemen wenden. Ebenso an die Fachstelle für Prävention am Gesundheitsamt (Telefon 09431/47 1-600; E-Mail gesundheitsamt[at]lra-schwandorf[dot]de), wie Katharina Uschold betont. Die Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht.

Hintergrund:

Gedenktag am 21. Juli

  • 1998 wurde der 21. Juli als Gedenktag für verstorbene, drogengebrauchende Menschen ins Leben gerufen
  • Rund 350 Initiativen und Organisationen in Deutschland starten Aktionen, die neben dem Gedenken auch Aufklärung und Prävention zum Ziel haben
  • Seit 1990 sind in Deutschland mehr als 39.000 Menschen durch den Konsum illegaler Drogen gestorben.
  • In Schwandorf findet die Gedenkandacht am Montag, 21. Juli, um 10.30 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Jakob statt. Jeder kann teilnehmen.
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.