16.12.2020 - 16:51 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Schwertransport in Schwandorf: Auf 24 Achsen durch die Nacht

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Der Gigant ist 55 Meter lang und wiegt 545 Tonnen: Ein Schwertransport bringt einen neuen Transformator ins Umspannwerk Büchelkühn. Das Team von "Daher-Projects" leistet perfekte Arbeit.

Der 545 Tonnen schwere Transport verlässt das ZMS-Gelände. Hier kam der Trafo mit dem Zug an.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

"Heuler" heißen die beiden Zugmaschinen im Jargon. Sie haben jeweils zwölf Achsen, ihre V-8-Diesel leisten rund 700 PS. Fast hört es sich nach Turbinen an, wenn Marco Stab oder Alexander Boß, die Fahrer, Gas geben. "Die Motoren treiben Hydraulikpumpen an", sagt Stab. Der Druck sorgt für den Antrieb. 24 Achsen tragen das gewaltige Gewicht von 545 Tonnen, das am Dienstagabend durch Dachelhofen rollt: Ein neuer Trafo für das Umspannwerk wird geliefert.

Es hört sich beinahe an wie Routine. "Es ist die gleiche Strecke wie vergangenes Jahr", sagt Kai-Uwe Rinza. Der Transportingenieur der Firma "Daher Projects" (Hanau) leitet die Aktion, wie schon im vergangenen September. Zwischen den Zugmaschinen hängt in einem Tragschnabel der Trafo. "Das Transportgewicht liegt bei 270 Tonnen", erklärt Tennet-Sprecher Martin Lieberknecht, der mit seinem Kollegen Marco Kretzel den Auftraggeber vertritt. Der Trafo wird wegen des neuen Ostbayernrings gebraucht und wird die 380 kV aus dem Ring auf 110 kV für das Bayernwerk-Netz wandeln. Das funktioniert auch andersrum: Wird zu viel Strom eingespeist, kann der auch hochtransformiert werden.

Am Müllkraftwerk kam der Trafo auf der Schiene aus dem Nürnberger Siemens-Werk an. Samt Tragschnabel wurde er auf die Zugmaschinen verschoben. Vom MKW geht es ab etwa 18.45 Uhr über die Alu-Straße zur Dachelhofer Straße. Hier wechselt die Fahrtrichtung: Das Gefährt stößt in die Fichtenstraße, fährt andersrum weiter zum ehemaligen Bayernwerk. Schwere Stahlplatten sind ausgelegt, damit das Gefährt nicht im Bankette steckenbleibt. Alles klappt reibungslos.

An der Zufahrtsstraße zum Bayernwerksgelände nochmal das gleiche Spiel: Die beiden Maschinen werden einzeln gelenkt, so können sie die schwere Last um enge Kurven ziehen und schieben, Spitzkehren meistern. Rinza lässt die Last anheben, sie schwebt im Abbiegebereich über die Leitplanken. Ein Verkehrsschild muss abgebaut werden, die Absicherungs-Mannschaft Rampen an die Bordsteine der Verkehrsinsel auslegen. Ist der 55-Meter-Koloss durch, wird alles zurück gebaut. Alles klappt perfekt: Nach gut einer Stunde ist der Transport unter Polizeibegleitung am Ziel, die wenigen Schaulustigen auf dem Heimweg. Tennet-Mitarbeiter schließen das Tor am Umspannwerk hinter dem Transport. Jetzt kommt der Trafo an seinen endgültigen Platz, auf ein großes Fundament. Ist er fertig montiert, wird er eingehaust. "Der neue Transformator wird im Betrieb deutlich leiser als sein Vorgänger", sagt Tennet-Sprecher Kretzel. Drei neue Trafos werden im Umspannwerk installiert, zwei sind angekommen. "Der dritte kommt 2022", berichtet Markus Lieberknecht. Das dürfte dann für längere Zeit der letzte Koloss sein, der durch Dachelhofen rollt.

Hintergrund:

Trafo aus Nürnberg

Der Ersatzneubau des Ostbayernrings wird leistungsfähiger. Deshalb bekommt das Umspannwerk Büchelkühn drei neue Trafos. Der zweite kam am Dienstag an.

  • Hersteller: Direktkuppeltrafo von Siemens Nürnberg.
  • Gewicht: 270 Tonnen (leer). Zur Kühlung werden noch 95 Tonnen Öl eingefüllt.
  • Übertragungskapazität: 300 Megawatt. Das entspricht der Anschlussleistung von 500000 Haushalten.

Der erste Trafo-Transport im vergangenen Jahr

Schwandorf

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