09.01.2019 - 17:07 Uhr
SchwandorfOberpfalz

"Mit Stecker", ohne Nutzwert

Weihnachten, Zeit der Geschenke. Wenn ein neuer Fernseher neben dem Christbaum steht, muss der alte meist weg. "Nach Weihnachten und Neujahr wird wirklich viel weggeschmissen", sagt ein Mitarbeiter von Veolia, wo man Elektroschrott entsorgt. Die Zeit des Reparierens scheint passé.

Der Absatz von Elektro- und Elektronikgeräten ist in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen und die Tendenz zur Entwicklung von immer neuen Geräten mit kürzerer Lebensdauer nimmt weiter zu. Werden diese Geräte unbrauchbar oder durch Neue ersetzt, landen sie in der Regel im Abfall.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Früher war die Hauptursache für Verschrottung ein technischer Defekt des Gerätes. Heute stehen häufig andere Gründe für Verschrottung im Vordergrund. Beispielsweise sind die Preise für Ersatzteile oft überhöht oder stehen in keinem Verhältnis zum Neu- oder Zeitwert des Gerätes - teils mit Absicht, weil ein Neukauf den Markt ankurbelt, teils wegen dem Aufwand der Lagerhaltung der unterschiedlichsten Ersatzteile. Oft kommt auch vor, dass Verschleißteile, die regelmäßig ausgetauscht werden müssen - etwa Akkus, Tinte oder Toner - nicht mehr verfügbar sind. Die Folge: An sich funktionstüchtige Geräte müssen verschrottet werden.

Recycler wie Gerhard Lehrer aus Schwandorf haben noch mit einem weiteren Phänomen zu tun, das man mit "Sättigung" umschreiben könnte: Wenn sich also bei der Auflösung eines Haushalts keine Interessenten für eigentlich noch funktionstüchtige Geräte finden, da alle infrage kommenden Abnehmer bereits über ein solches verfügen. "Diese Sachen fischen wir dann aus unseren Containern, wo sie bei einer Wohnungs-Entrümpelung oft einfach mit hineingeworfen werden." Bei Lehrer heißt das dann "Fehlwürfe". Denn E-Schrott muss sachgerecht entsorgt werden, auch von Privatpersonen.

Für die "großen Brocken"

Der Landkreis Schwandorf hat ein System von Entsorgungsstellen aufgebaut. Zwar ist es grundsätzlich so, dass im Rahmen der Elektronik-Entsorgung gebrauchte Geräte in Deutschland von den Geräteherstellern zurückgenommen werden müssen. Bei der Firma Kappenberger und Braun, die in Schwandorf mit einem großen Elektromarkt ansässig ist, ist das gängige Übung, wie die Verwaltung des Unternehmens versicherte. Aber man kann vor allem kleineren E-Schrott wie Fön, Toaster oder Drucker auch an allen Recyclinghöfen im Landkreis abgeben, wie Irene Schiml von der Kreisverwaltung informiert.

Daneben gibt es sogenannte zertifizierte Betriebshöfe, die sich um die großen Brocken kümmern. Das sind die Firmen Lober in Neunburg vorm Wald, Veolia in Nabburg und Hofmann in Burglengenfeld, sowie der Recyclinghof in Oberviechtach; und natürlich der Schwandorfer Recyclinghof. Dorthin wandern ausrangierte Fernseher, Waschmaschinen, Kühlschränke und vieles andere mehr "mit Stecker", wie eine populäre Definition umschreibt. Zerlegt werden die Geräte dort nicht, das machen andere.

Viele Wertstoffe

Einerseits besteht Elektronikschrott aus wertvollen Materialien, die als sekundäre Rohstoffe zurückgewonnen werden können. Andererseits enthält er eine Vielzahl Schwermetalle wie Blei, Arsen, Cadmium und Quecksilber. Einige industrialisierte Länder, darunter die USA, europäische Länder und Australien, exportieren ihren Elektronikschrott bevorzugt in Schwellen- und Entwicklungsländer. Dort werden dem Elektronikschrott mit einfachsten Mitteln (Feuer, Hammer und Zange, Säurebad) und großer Belastung von Mensch und Umwelt Stoffe entnommen. Neben Erwachsenen betreiben oft auch Kinder dieses Recycling.

Zur Unterbindung des grenzüberschreitenden Verkehrs von gefährlichem Abfall unterzeichneten viele Länder das Abkommen der Basler Konvention. Sie verpflichten sich darin, auch Elektronikschrott im Entstehungsland zu recyceln.

Es ist wichtig, sich intensiv mit dem Thema Recycling zu befassen. Denn eine wichtige Frage lautet: Wie lange reichen die vorhandenen Rohstoffe überhaupt noch aus? "Mittlerweile sind wir an einem Punkt angelangt, an dem feststeht, wir haben noch eine theoretische Reichweite von 32 Jahren bis alle Rohstoffe aufgebraucht sind", sagte kürzlich Burkhard Berninger von der OTH Amberg-Weiden bei einem Symposium für Oberpfälzer Techniker und Studenten.

Handys recyclen

Berningers Professorenkollege Mario Mocker beleuchtete dabei das Thema "Was wird aus alten Handys?" Seine Eröffnungsfrage lautete: "Recycling bei Handys ist ja so nen Sache. Ehrlich in die Runde gefragt, wer hat denn mehr als zwei alte Handys bei sich noch zu Hause in den Schubladen liegen?" Viele Menschen. Das zeigte die Resonanz der Veranstaltungsteilnehmer und eine Zahl, die Mocker hierzu parat hatte: "Derzeit geht man davon aus, dass 124 Millionen alte Handys im Umlauf sind."

"Wenn wir ehrlich sind, fliegt der Elektroschrott einfach in den Hausmüll, das ist am einfachsten", bilanzierte er. Für die Zukunft sieht Mocker aber große Chancen. "50 einzelne Elemente können aus einem Handy zurückgewonnen werden. Nach derzeitigem Stand der Technik sind es davon aktuell nur 17."

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