01.07.2019 - 09:28 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Täter bleibt im Pflegeheim

Der Mann sticht im Zustand der Schuldunfähigkeit seine Großmutter mit einem Küchenmesser. Muss ein 24-Jähriger, der an einer besonderen Form von Autismus leidet, in die Psychiatrie?

von Autor HWOProfil

Das Landgericht Amberg setzt diese Einweisung zur Bewährung aus. Wer in der Psychiatrie einer geschlossenen Anstalt sitzt, hat wenig Chancen, innerhalb eines überschaubaren Zeitraums wieder auf freien Fuß zu kommen. Deswegen ist eine solche Entscheidung ausschließlich Großen Strafkammern bei Landgerichten vorbehalten. Sie müssen letztlich darüber befinden, ob von den jeweiligen Beschuldigten eine dauerhafte Gefahr für die Öffentlichkeit ausgeht. Im Fall des 24-Jährigen, der in Burglengenfeld ansatzlos in eine Küchenchublade griff, ein Messer herausnahm und damit drei Mal auf seine mit in der Wohnung anwesende Großmutter (79) einstach, mussten die Hintergründe sehr subtil ausgeleuchtet werden. Dabei galt als gesichert:Der Mann leidet an einer besonderen Form des Autismus, die ihn schuldunfähig macht. Das bestätigte während des Prozesses ein psychatrischer Sachverständiger.

Wesentlich war für die Richter auch: Das Opfer hatte drei Stiche am Oberkörper erlitten. Trotz einer später notwendig gewordenen Opeation waren sie nicht unbedingt lebensbedrohlich. Doch die Frau nahm blutverdünnende Medikamente ein. Das hätte nach Ansicht des Experten zu Komplikationen führen können.

Der Beschuldigte hatte sich während seiner Vernehmung als Täter zu erkennen gegeben und beschrieben, wie er sich im Verlauf eines Gesprächs mit seiner ebenfalls in der Wohnung anwesenden Mutter ärgerte und dieser Wut, wie er sagte, "Luft verschaffte". Opfer war allerdings seine Oma, die eigentlich nur geäußert hatte, er solle sich nicht schon wieder in einen Zustand der Rage versetzen. "Nicht schon wieder" fiel deshalb, weil sein Jähzorn bekannt war.

Die Erste Strafkammer unter Vorsitz von Roswitha Stöber beleuchtete auch die momentanen Lebensverhältnisse des Mannes Er ist seit einem Jahr in einer betreuenden Einrichtung untergebracht, fühlt sich dort nach eigenen Angaben wohl und wurde in einen Beschäftigungsablauf eingebunden.

Als dies in der Verhandlung deutlich geworden war, stand eigentlich schon fest, was zukunftsorientiert mit dem 24-Jährigen geschehen würde. Die Richter verhängten zwar eine dauerhafte Unterbringung in der Forensik, setzten diesen Schritt aber zur Bewährung aus. Der junge Mann kann in seinem momentanen Quartier bleiben, darf aber nur mit besonderer Genehmigung Angehörige in Burglengenfeld besuchen. Er selbst hatte während der Beweisaufnahme gesagt: "Ich muss da nicht hin. Sie kommen ohnehin an jedem Wochenende zu mir."

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