21.03.2019 - 18:15 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Tennet will für den Süd-Ost-Link die östliche Variante

Der Netzbetreiber Tennet hat sich festgelegt: Die Planer des Bayreuther Unternehmens favorisieren für den Süd-Ost-Link die östliche Variante durch den Landkreis Schwandorf.

Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht stellte in Regensburg den Vorzugskorridor von Pfreimd bis in den Raum Landshut vor.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Damit würde die Gleichstrom-Erdkabelleitung nicht über das Städtedreieck, sondern über Nittenau verlaufen. Entschieden ist aber noch nichts.

Bereits im Dezember war der Vorschlagskorridor zwischen Hof und Pfreimd veröffentlicht worden. Am Donnerstag stellte Tennet nun in Regensburg seine Vorzugstrasse zwischen Pfreimd und dem Raum Landshut vor. Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht sprach von über 100 Kriterien, die bei der Entscheidung miteingeflossen sind. Die wichtigsten seien der Naturschutz, der Schutz von Wohngebieten, die technische Realisierbarkeit und die Kosten. Die Gleichstromtrasse werde einmal 15 Meter breit sein, für die Bauarbeiten werde allerdings ein bis zu 30 Meter breiter Streifen benötigt.

Am 29. März werde Tennet seine Planungsunterlagen bei der Bundesnetzagentur einreichen, kündigte Lieberknecht an. Ab 1. April gebe es Informationsveranstaltungen vor Ort, ab Mitte Mai die Möglichkeit zur schriftlichen Einwendung. Im Sommer sei dann ein Erörterungstermin mit allen Personen geplant, die Stellungnahmen abgegeben haben. Bis Ende des Jahres solle eine Entscheidung über den Korridor fallen.

Die von Kommunalpolitikern immer wieder ins Spiel gebrachte Lösung, die Stromtrasse entlang der Autobahn verlaufen zu lassen, wie Lieberknecht zurück. Die A 93 gehe immer wieder dicht auf Wohnbebauung zu. Auch Brücken und Tunnel würden verhindern, dass eine durchgängige Bündelung entlang der Autobahn möglich ist.

Vor dem Regensburger Salzstadel, in dem die Pläne Journalisten und Kommunalpolitikern vorgestellt wurden, hatten sich etwa 30 Demonstranten versammelt, die gegen die Stromtrasse demonstrierten. Sie stellten die Notwendigkeit des Projekts an sich in Frage und plädierten für den Ausbau dezentral erzeugter Energien in Bayern statt auf Strom aus dem Norden zu setzen, der über den Süd-Ost-Link nach Süden transportiert wird.

Der Trassenbereich im Landkreis Schwandorfs in den Raum Landshut vor.

Tennet-Sprecher Lieberknecht reagierte auf die Kritik routiniert. Wenn die Atomkraftwerke in Bayern wie geplant 2022 abgeschaltet werden, trete eine riesige Stromlücke auf, sagte er. „Das können wir mit erneuerbaren Energien nicht ausgleichen.“ Er wies darauf hin, dass Tennet die Planungen erstellt. Entschieden worden sei das Projekt aber auf Bundesebene.

Tennet-Vertreterin Carolin Kürth erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Entscheidung für die Ostvariante im Landkreis Schwandorf eindeutig gefallen sei. Sie verläuft vom Koppelpunkt bei Bubach an der Naab westlich an Nabburg über Schwarzenfeld an Schwandorf vorbei bis nach Nittenau. „Der östliche Korridor ist in allen Belangen besser“, sagte Kürth. Es gebe dort weniger flächige Waldgebiete, Wasserschutzgebiete und Bodendenkmäler. Zudem ergebe sich durch stärkere Bündelungsoptionen, hauptsächlich mit bestehenden Freileitungen von Schwandorf bis Altenthann, ein zusätzlicher Vorteil.

Landrat Thomas Ebeling (CSU) sagte auf Nachfrage unserer Zeitung, die Planungen von Tennet würden ihn nicht überraschen. Man müsse sich den Verlauf nun noch im Detail vor Ort ansehen. Grundsätzlich sei eine Leitung unter der Erde aber nichts, „was einen großen Aufstand nach sich ziehen muss“. Kritik übte Ebeling an Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), der angekündigt habe, die Stromtrasse verhindern zu wollen. „Ein Konzept dafür habe ich aber noch nicht vernommen“, sagte Ebeling.

Der Süd-Ost-Link soll ab 2025 als Gleichstrom-Erdkabelverbindung die windreichen Regionen Ostdeutschlands mit Bayern verbinden. Das Bayreuther Unternehmen Tennet ist für die Planungen in Bayern verantwortlich. Aktuell befindet sich die Stromtrasse in der Bundesfachplanung. Am Ende dieses Verfahrens legt die genehmigende Bundesnetzagentur einen 1000 Meter breiten Korridor fest. Erst in dem anschließenden Planfeststellungsverfahren entscheidet die Bundesnetzagentur über den konkreten Erdkabel-Verlauf für die Verbindung.

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