15.04.2019 - 13:44 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Als der Tod vom Himmel fiel

Es dauerte nur eine Viertelstunde. 15 Minuten, die Schwandorf am 17. April 1945 in Schutt und Asche legten. Mindestens 1250 Tote waren zu beklagen. Die Stadt gedenkt der Opfer.

Das Tonwarenfabrikgelände, auf dem heute diverse Märkte zum Einkauf locken, bot nach dem Angriff ein Bild der Verwüstung.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

"Der Tod hat eine schreckliche Ernte gemacht," schrieb der damalige Stadtpfarrer Alois Wild fünf Jahre nach dem Infeno, "ganze Familien existierten nicht mehr. Von vielen Leichen fanden wir nur noch Trümmer." Er musste vielen Familien beistehen, die Angehörige verloren hatten. Viele der Überlebenden hatten alles verloren. Die Felsenkeller, die heute zur Touristenattraktion geworden sind, waren während und nach dem Angriff Rettung und Unterkunft für rund 6000 Bürger. Sie hausten hier noch wochenlang.

"Es war nichts mehr da"

Der 2009 verstorbene Bildhauer Peter Mayer erinnerte sich 2005 in einem Interview an die Nacht, die ihm sein Leben lang unvergessen geblieben war. "Das Krachen höre ich heute noch", hatte er berichtet. Er war im Keller der Bäckerei seiner Eltern verschüttet. Neben dem Schutzraum waren die Mehl- und Kohlenvorräte in Brand geraten. "Die Stahltür zum Keller hat geglüht", sagte Mayer. Die bleibende Erinnerung des Künstlers, der damals sechs Jahre alt war: "Es war nichts mehr da." Das gesamte Kreuzbergviertel, die Tonwarenfabrik, der Bahnhof - eine einzige, qualmende Trümmerwüste. "Überall lagen Leichen in den Trümmern, zerrissene Körper."

Schwandorf wurde als Eisenbahnknotenpunkt Ziel des Bombenkrieges. 175 kanadische und englische Flugzeuge warfen in der Nacht zum 17. April 1945 rund 630 Tonnen Bomben ab. Zum Kriegsende hin war die Stadt vollgestopft mit Flüchtlingen und Verwundeten. Im Bahnhof standen Lazarettzüge, die beim Angriff völlig zerstört wurden. Sechs Tage nach dem Angriff nahmen die Amerikaner die Stadt ein. Dieses Ereignis ist eng mit dem Namen Franz Allkofer verbunden. Er übergab die Stadt. Kampflos.

Gedenkfeier

Die Gedenkfeier der Stadt findet am Dienstag, 16. April um 17 Uhr am Ehrenmal in der Fichtlanlage an der Wackersdorfer Straße statt. Dekan Hans Amann und Pfarrer Arne Langbein werden mit den Anwesenden in einem Gebet der Opfer des Bombenangriffes gedenken und um Frieden in der Welt beten. Am Mittwoch, 17. April, findet im Kreuzbergmünster um 8 Uhr eine Eucharistiefeier mit Gedenken an die Opfer statt.

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