Der sogenannte "Tortellini-Fall" beschäftigt Polizei und Staatsanwaltschaft nun schon bald ein Jahr. Und noch immer ist kein Ende in Sicht. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Carsten Reichel auf eine aktuelle Nachfrage von Oberpfalz-Medien. "Die Ermittlungen werden sowohl hinsichtlich der Verantwortlichen des Restaurantbetriebes und besonders hinsichtlich der Verantwortlichen des Krankenhauspersonals noch einige Zeit andauern", erklärt der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Amberg.
Zuletzt gab es im Juli Neuigkeiten in dem Fall. Denn da wurde bekannt, dass auch eine Oberpfälzer Klinik im Fokus der Ermittler stehe. "Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass gegen Verantwortliche des Krankenhauspersonals ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde", erklärte Reichel damals. Ob es sich dabei um reine Routineuntersuchungen handelt oder ob es sogar konkretere Hinweise gibt? Diese Fragen bleiben weiter ungeklärt. Die Kommunikationsstrategie der Staatsanwaltschaft hat sich im Vergleich zu der vor ein paar Wochen offensichtlich nicht geändert. Damals hieß es: "Weitere Angaben sollen mit Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen vorerst nicht unterbreitet werden."
In Klinik eingeliefert
Zwei Frauen, eine 46-Jährige und ihre 48 Jahre alte Freundin, besuchten im September 2024 ein Restaurant im Landkreis Schwandorf. Beide bestellten Tortellini. Kurz nach dem Verlassen des Restaurants verschlechterte sich der Gesundheitszustand der beiden Frauen rapide. Einen Tag nach dem Besuch in dem Lokal mussten sie den Rettungsdienst rufen, der sie ins Krankenhaus brachte. Während die 48-Jährige nach der Behandlung wieder entlassen wurde, verschlechterte sich der Zustand ihrer jüngeren Freundin dramatisch. Drei Tage nach dem Restaurantbesuch verstarb die 46-Jährige.
Die Ermittlungen kamen ins Rollen. Die Staatsanwaltschaft hatte ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet. Es wurde untersucht, ob ein direkter Zusammenhang zwischen dem Verzehr der Tortellini in dem Lokal und dem Tod der Frau besteht. Nach Bekanntwerden der Vorfälle hatte der Betreiber des Lokals das Restaurant vorerst geschlossen. Im Oktober folgte dann die endgültige Schließung. Das hätten die Betreiber so beschlossen, teilte deren Rechtsanwalt Philipp Pruy aus Regensburg damals mit.
Gefährliche Gifte?
Die Tortellini waren nicht hausgemacht, sondern stammten von einem Lieferanten. Wie das Landratsamt Ende September bestätigte, wurde in der Rohware keine Belastung entdeckt. Allerdings wies das Labor des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in den verarbeiteten Tortellini den Keim "Bacillus cereus" nach. Diese Bakterien können sich beispielsweise vermehren, wenn Speisen unsachgemäß erwärmt werden, zu lange ungekühlt lagern und beim Wiedererwärmen nicht ausreichend durcherhitzt werden. Es bilden sich dann Gifte, die zu Durchfall und Erbrechen führen können.
Anfang Juli dieses Jahres gab die Staatsanwaltschaft Amberg dann weitere Ermittlungsergebnisse bekannt. Demnach konnte in einem Gutachten des Rechtsmedizinischen Instituts Jena "eine Kausalität zwischen dem Verzehr der Tortellini und den Gesundheitsschäden" festgestellt werden. "Die Frage der strafrechtlichen Verantwortlichkeit ist aber weiterhin Gegenstand der Ermittlungen", betonte Oberstaatsanwalt Carsten Reichel mit Blick auf das vorliegende Gutachten. Die Schuldfrage bleibt also vorerst unbeantwortet.

















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