Wein und Sekt aus aller Welt, feinste Spirituosen, hochwertige Speiseöle, Nudeln, aber auch Süßigkeiten - vor allem die beliebten Pralinen in der Schachtel "Grüße aus Schwandorf". Für all das stand "Fein und Gut" über dreieinhalb Jahrzehnte. Der Laden war eine gern besuchte Anlaufstelle für Weinfreunde und Feinschmecker, die dort fachkundig beraten wurden.
Im vergangenen Jahr ist aber der Umsatz massiv eingebrochen. Eva Baumann gibt dafür auch dem Umbau der Friedrich-Ebert-Straße ein Stück Mitschuld: "In dem Moment, als dort der erste Stein angehoben wurde, sind die Kunden ausgeblieben."
Eröffnet hat das Geschäft 1984 an der Klosterstraße die bekannte frühere Grünen-Kommunalpolitikerin Gisela Pöhler aus Neunburg vorm Wald. Wo heute der asiatische Imbiss "Vina House" beheimatet ist, wagte Pöhler damals den Sprung aus der gesicherten Beamtenlaufbahn in die Selbständigkeit. Die erste Zeit war hart, erinnert sie sich im Gespräch, und ohne die rückhaltlose Unterstützung durch ihren Mann Klaus hätte sie die anfängliche Durststrecke wohl nicht überstanden.
1997 unter neuer Adresse
Aber die Umstände änderten sich unter mehreren Gesichtspunkten zum Positiven. Für das aktive WAA-Gegner-Ehepaar Pöhler brachte die Aufgabe des Baus der Atomfabrik in den späten 1980er Jahren eine Bestätigung des langen Widerstandskampfes. Und auch das Geschäft im Schwandorfer Stadtzentrum begann zu florieren. Nach 13 Jahren zog "Fein und Gut" schließlich eine Parallelstraße weiter, wo im September 1997 unter der Adresse Breite Straße 1 das Geschäft neu eröffnet wurde.
Es war und blieb ein schön gestalteter Anziehungspunkt für Leute, die einen guten Tropfen zu schätzen wussten und sich auf die kundige Auswahl der Chefin verlassen konnten.
Gisela Pöhler, die viele persönliche Kontakte zu wichtigen und kreativen Winzern pflegte, initiierte auch eine Art Wein-Club, dessen Mitglieder in regelmäßigen Abständen mit einem sogenannten Wein-Paket überrascht wurden - quasi eine Wundertüte, gefüllt mit hochwertigen Weinen. Das Besondere dabei war auch, dass in Zusammenarbeit mit dem bekannten Wein-Journalisten und -kritiker Rudolf Knoll zu den edlen Tropfen immer ein Faltblatt mit kundigen, manchmal fast poetischen Beschreibungen der gelieferten Weine verfasst wurde und dann beilag. So entwickelte sich dank Gisela Pöhlers Engagement im Laufe der Zeit unangestrengt eine Generation von Weinkennern, die dem Laden die Treue hielt.
Mit knapp 60 Jahren nahm Pöhler Ende 2011 Abschied von ihrem Laden, den sie bis dahin 27 Jahre geführt und zu einer Schwandorfer Marke gemacht hatte. Nachfolgerin wurde die Bruckerin Eva Baumann.
Baumann, Jahrgang 1970, übernahm Anfang 2012 die neue Aufgabe mit Engagement und Fachwissen und im Laufe der Jahre wurde auch sie eine Botschafterin des guten Geschmacks. Die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin und Kauffrau der Grundstücks- und Wohnungswirtschaft war ebenfalls bei den Grünen engagiert und unter anderem ehrenamtliche Jugendbeauftragte im Markt Bruck, bevor sie sich mit 42 Jahren ihrer neuen Aufgabe als Feinkosthändlerin widmete. Sie bot unter anderem Whiskey-Tastings und Weinproben an, auch in Zusammenarbeit mit der Schwandorfer Slow-Food-Gruppe, die gut besucht waren.
Dass sie nach sieben Jahren "Fein und Gut" geschlossen hat, sieht die Inhaberin als Ergebnis "mehrerer Mosaiksteine". Die Geschäfte seien schlecht gegangen, besonders seit dem Umbau der benachbarten Friedrich-Ebert-Straße im vergangenen Jahr. Das Weihnachtsgeschäft, traditionell der große Umsatzbringer, sei 2018 ebenfalls weit hinter den Erwartungen geblieben: "Das war dann das letzte Entscheidungskriterium für mich, aufzuhören." Für die Stammkunden des Geschäfts, die auch von weiter her zum Einkaufen kamen, ist die Schließung bitter. "Ich bedauere das sehr," sagte ein Schwarzenfelder, ein Kunde an einem der letzten Tage.
















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