17.09.2019 - 14:47 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Trotz trockener Sommer: Keine Sorge ums Wasser

Heiße und trockene Sommer, kaum Schnee im Winter. Die Niederschlagsmenge der vergangenen Jahre liegt unter dem Mittel. Wie wirkt sich das auf die Wasserversorgung der Großen Kreisstadt aus?

Das Herzstück des Wasserwerks: In den blauen Behältern wird Eisen und Mangan aus dem Rohwasser gefiltert, in den grünen Behältern das Wasser mit Kalk angereichert.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

"Wir bemerken das natürlich", sagt Werkleiter Walter Zurek, Chef der städtischen Wasser- und Fernwärmeversorgung (SWFS). Acht Brunnen und eine Quelle versorgen die Schwandorfer Bürger und Unternehmen, rund 8000 Grundstücke sind angeschlossen. "Wir verkaufen im Jahr rund 1,7 Millionen Kubikmeter (m3) Wasser", erläutert Zurek den Oberpfalz-Medien, Rund zwei Millionen m3 werden gefördert. Die Differenz ergibt sich aus dem Eigenverbrauch für die Wasseraufbereitung (Filterspülen rund 60 bis 100 000 m3), Leitungsspülen (20 bis 30000m3), Zählerdifferenzen (rund 100 000 m3) und Rohrbrüche.

Der Rückgang der Niederschläge sei über die vergangenen Jahre zu beobachten, sagte Zurek. Das zeigen die Aufzeichnungen der Station Schwandorf der Agrarmeteorologie Bayern. Zwischen 2008 und 2018 fielen im Schnitt 627,5 Liter je Quadratmeter Niederschlag pro Jahr. Die Jahre 2014 bis 2018 lagen unter diesem Mittel, 2015 sogar um 140 Liter je Quadratmeter. Bis dato fielen 2019 rund 435 Liter Niederschlag.

"Genügend Reservoirs"

"Es sind aber genügend Reservoirs da. Wir schwimmen im Endeffekt auf Wasser", sagt Werkleiter Zurek. Dennoch: "Wenn man die vergangenen 20 Jahre zurückverfolgt sieht man, dass der Grundwasserspiegel teils um bis zu einen dreiviertel Meter gesunken ist. Das ist aber kein Grund zur Sorge." Die Brunnen in Klardorf und Kreith reichen bis fast 130 Meter Tiefe. Sie zapfen verschiedene Grundwasserleiter an, unter einer Sperrschicht von 15 bis 20 Metern, aus der nichts entnommen wird.

"Das erste Wasser, das wir nutzen, ist es auf jeden Fall drei bis vier Monate alt." So lange hat das Wasser gebraucht, um durch die Sperrschicht zu sickern. Das sorgt auch dafür, dass bakterielle Verunreinigungen, aber auch Pflanzenschutzmittel natürlich gefiltert werden. "Wenn wir sehr lange pumpen, haben wir 1 bis 3 Prozent Anteile im Rohwasser, die 10 000 Jahre alt sind," erklärt Zurek. "Dazwischen haben wir alles". Die Fördermenge sei jedenfalls ausreichend. Das Rohwasser wird in die Aufbereitungsanlagen Krondorf und Klardorf gepumpt, gefiltert und vor allem vom natürlich vorhandenem Eisen und Mangan befreit, mit Kalk auf die richtige Härte gebracht und dann in die Hochbehälter und ins Netz gepumpt, erklärt Wasserwart Roland Graßl im Wasserwerk in Krondorf.

Wenn den Wasserversorgern in Schwandorf etwas Schwierigkeiten bereitet, dann das geänderte Nutzungsverhalten. "Die Spannbreite des Verbrauchs ist groß", so Zurek. Am wenigsten Wasser brauchen die Schwandorfer regelmäßig am Stephanietag, also dem 26. Dezember. Da müssen "nur" rund 2300 m3 in die rund 400 Kilometer Leitungen gefördert werden. Ganz anders im Sommer. Am heißen 26. August dieses Jahres lag der Verbrauch bei über 9000 Kubikmetern. An zwei Tagen sei es nicht mehr gelungen, die Hochbehälter in Kruckenthal und auf dem Weinberg wieder komplett aufzufüllen, sondern nur noch zu 90 Prozent, erklärt Zurek. "Wir haben aber trotzdem immer noch genug Reserven", so Zurek. Es muss also niemand Angst haben, dass bei einem Brand der Feuerwehr das Wasser ausgeht.

Kein Kirchturmdenken

Jeweils zwei Brunnen der Schwandorfer Wasserversorgung liegen im Kreither Forst, in Irrenlohe, in Krondorf und Klardorf, dazu kommt eine gefasste Quelle in Breitenbrunn. Sie versorgte früher Haselbach, ist nun aber ebenfalls ins Gesamtnetz eingebunden. Das Wasser in den Kreither und Irrenloher Brunnen kommt übrigens aus der Fensterbacher und Pittersberger Gegend, deshalb ist für Zurek "Kirchturmdenken" in der Wasserversorgung sinnlos. Er plädiert vielmehr dafür, größere kommunale Zusammenschlüsse zu bilden, um das Grundwasser auch in Zukunft nachhaltig bewirtschaften zu können.

Klar und von bester Qualität läuft das Schwandorfer Trinkwasser aus dem Hahn für Probeentnahmen.
„Die trockenen Jahre machen sich zwar bemerkbar, es besteht aber kein Grund zur Sorge“, sagt Werkleiter Walter Zurek.
Im Zwischenspeicher in der Krondorfer Aufbereitungsanlage wartet das Wasser darauf, in die Hochbehälter und das Netz gespeist zu werden.

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