Von Julian Trager
Das Schwandorfer Traditionsunternehmen Wolf ist nun in chinesischen Händen: Die Übernahme des Lebensmittelherstellers durch die Morliny Foods Holding ist seit Mittwoch offiziell abgeschlossen. Das teilte Wolf am Freitag in einer Pressemeldung mit. Demnach sollen auch alle Arbeitsplätze an den Wolf-Standorten erhalten bleiben. „Wir haben einiges vor in diesem Jahr. Wir wollen mit unseren hochwertigen Produkten international wachsen und dabei auf unserem Weg alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an unseren drei Standorten in Schwandorf, Schmölln und Nürnberg mitnehmen“, sagt Christian Wolf, der als CEO gemeinsam mit der bisherigen Geschäftsleitung das Unternehmen weiterführt.
Bereits kurz vor Weihnachten, am 19. Dezember 2025, hatte das Europäische Kartellamt als zuständige Wettbewerbsbehörde der Übernahme zugestimmt. Weil ein Zusammenschluss von Morliny und der Firma Wolf nach Definition der EU-Kommission Bedeutung für den gesamteuropäischen Markt hat, wurde die geplante Übernahme von der EU-Wettbewerbsbehörde geprüft. Morliny beschäftigt laut eigenen Angaben rund 15.000 Menschen an mehr als 25 Produktionsstandorten in Europa. Das britische Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der chinesischen WH-Group – und damit Teil des größten Fleischkonzerns der Welt. Die WH-Group beschäftigt weltweit mehr als 100.000 Menschen, der Jahresumsatz liegt jenseits der 25-Milliarden-Euro-Grenze. Wolf hat rund 1800 Mitarbeiter und machte zuletzt einen Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro.
Am Mittwoch ist nun das sogenannte Closing vollzogen worden, wie Wolf nun mitteilt. Unter Closing versteht man den finalen, rechtlichen Vollzug einer Unternehmensübernahme.
Damit beginnt sowohl für Wolf als auch für Morliny eine „neue Phase, in der die im Oktober angekündigte Expansionsstrategie umgesetzt werden kann“. Damals hatte der Lebensmittelhersteller Wolf, der vor allem wegen seiner Wurst groß wurde, bekanntgegeben, dass die Schwandorfer Firma an Morliny verkauft werden soll. Hintergrund, so Wolf, seien ein „extrem schwieriges Marktumfeld mit steigenden Kosten und ein immer härterer Wettbewerb“ gewesen. Ziel der neuen Partnerschaft sei es, Wolf als „Teil eines starken, internationalen Netzwerks in eine sichere Zukunft zu führen und durch die starke internationale Ausrichtung von Morliny das Wachstum in ganz Europa zu steigern“, wie es in der Pressemitteilung weiter heißt. „Vor uns liegt ein spannendes Jahr, das wir als Team zu einem erfolgreichen Jahr machen wollen“, sagt Christian Wolf.
Betroffen von der Übernahme sind die Reinhard Wolf GmbH & Co. KG, die Wolf Nürnberg Immobilien GmbH & Co. KG sowie die Wolf Frischdienst Holding GmbH & Co. KG. Nicht betroffen ist dagegen die Firma Wolf GmbH „Schinkenpeter“. Sie ist ein eigenständiges Unternehmen, das sich um die Wolf-Filialen und Restaurants kümmert.
Die geplante Übernahme ist vor allem auf diversen Social-Media-Portalen kritisiert worden. Es gab Sorgen um einen Ausverkauf des Schwandorfer Traditionsunternehmens, es gab Spekulationen über eine Verlagerung der Produktion und einen Stellenabbau in Schwandorf. Das dementierte Wolf bereits Mitte Dezember vehement.

















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