Schwandorf
04.01.2019 - 13:07 Uhr

Unverzichtbar bei der Feuerwehr

Bei der Feuerwehr Iffelsdorf ist bereits seit 25 Jahren das weibliche Geschlecht aktiv in die Vereinsarbeit eingebunden. Aber nicht nur dort. Frauen in der Feuerwehr sind im Landkreis Schwandorf schwer im Kommen. Auch beim Löscheinsatz.

Im Landkreis Schwandorf gehören Frauen in vielen Gemeinden ganz selbstverständlich zum aktiven Teil der örtlichen Feuerwehr. Bild: Benjamin Nolte
Im Landkreis Schwandorf gehören Frauen in vielen Gemeinden ganz selbstverständlich zum aktiven Teil der örtlichen Feuerwehr.

Für Kreisbrandrat Robert Heinfling (Schwandorf) ist es keine Frage, dass das weibliche Moment bei den Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Schwandorf immer stärker wird. Bei der Feuerwehr von Iffelsdorf (Stadt Pfreimd) ist eine Frau sogar stellvertretende Kommandantin. Josefine Duscher bekleidet dieses Amt seit vielen Jahren und sie weiß, dass eine Frau bei der Dorfwehr noch gar nicht so lange eine Selbstverständlichkeit ist. Manche Wehren im Landkreis Schwandorf haben selbst heutzutage noch keine weiblichen Mitglieder; aber sie sind in der Minderheit.

Im Norden einzigartig

Duscher, die zahlreiche Lehrgänge bei der Wehr absolviert hat, kam schon als Teenager mit der Szene in Berührung - auch wenn ihr eigener Vater skeptisch war. "Was will denn eine Frau bei der Feuerwehr", rätselte er, aber das konnte seine Tochter vor 25 Jahren nicht abhalten, beizutreten und mitzumachen. Als Pfreimderin landete sie bei der Iffelsdorfer Wehr nicht nur wegen ihrer Clique dort, sondern weil die Pfreimder damals nur Männer in ihre Reihen aufnahmen.

Ausbildungen zur Maschinistin und zur Funkerin schlossen sich an, Leitungsfunktionen wurden ihr angetragen: Erst als Gruppenführerin, dann als stellvertretende Kommandantin. Die einzige in so einer Position im nördlichen Landkreis übrigens. Wenn der Kommandant nicht da sein kann, was vorkommt, hat Josefine Duscher das Sagen - und keine schlechten Erfahrungen damit gemacht. "Die Mannschaft steht hinter mir", versichert sie, "es gibt keine Probleme".

Problem lösen helfen

Mit ihrem Einsatz helfen Frauen wie Josefine Duscher ein Problem zu bewältigen, das vor allem die Wehren auf dem Land haben. Dort sind die Männer häufig auswärts in der Arbeit und bekommen Alarmierungen in ihrem Heimatort gar nicht mit. Also rücken vor allem tagsüber immer mehr Frauen aus. Kreisbrandrat Heinfling ist darüber heilfroh - gesteht aber auch, dass er früher zu den Skeptikern gehörte, was das Thema Frauen und Feuerwehr anbelangt. "Ob das funktioniert, habe ich mir gedacht", sagt er, wurde aber eines Besseren belehrt: "Denn Mädchen werden heutzutage über die Kinderfeuerwehr und die Feuerwehrjugend integriert und wachsen da hinein."

Recht groß war beispielsweise die Zahl von uniformierten Feuerwehrfrauen beim Einsatz im Schloss Fronberg (Stadt Schwandorf). Am 10. Dezember letzten Jahres ging vor 9 Uhr die Meldung ein, dass es im Fronberger Schloss brennt. 30 Einsatzkräfte - darunter auffallend viele Frauen - der Feuerwehren Schwandorf, Fronberg und Krondorf-Richt rückten aus.

Hans-Jürgen Schlosser aus Weihern (Stadt Pfreimd), der Pressesprecher der Feuerwehr im Landkreis Schwandorf betont, es sei "richtig das vielerorts die Frauen in der Feuerwehr nicht mehr wegzudenken sind". Er weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Frauen mittlerweile in ganz Bayern wichtige Führungsrollen bekleiden: "Auch im Landkreis Schwandorf gibt es zum Beispiel Frauen, die Führungsaufgaben als Kommandantin, als Vorsitzende eines Feuerwehrvereins oder als Gruppenführerin übernehmen."

Laut Schlosser bilde der demografische Wandel neue Herausforderungen, auch für die Feuerwehren. "Dabei ist es wichtig, dass die Rolle der Frauen in der Feuerwehr immer stärker und prägnanter wird."

Gerade im ländlichen Raum ginge ohne die Unterstützung durch Frauen laut Schlosser "nicht mehr viel". Einen entscheidenden Vorteil bringen die Feuerwehrfrauen auf jeden Fall mit: "Sie sind tagsüber verfügbar, und das merkt man besonders in kleinen Orten."

700 Frauen im Dienst

Zwar lassen viele Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatzfall mit den Feuerwehren ausrücken. "Dabei kommt es jedoch immer auf die örtlichen Gegebenheiten des Unternehmens und der Mitarbeiterstärke an", schränkt der Pressesprecher ein. Allerdings würden die Mitglieder der Feuerwehren eine Freistellung im Einsatzfall oft vorab abklären.

Schlosser hat einmal nachgerechnet: "Von rund 5800 Einsatzkräften des Landkreises Schwandorf leisten rund 700 Frauen Dienst in einer Freiwilligen Feuerwehr." Ansprechpartnerin für sie alle ist Manuela Streit aus Wackersdorf, die Frauenbeauftragte des Kreisfeuerwehrverbandes. Sie ist eine erfahrene Feuerwehrfrau, die schon 17 Jahre dabei ist und unter anderem zur Atemschutzträgerin ausgebildet wurde. Auch sie erwähnt den Vorteil, dass Frauen tagsüber mögliche Einsatz-Lücken abdecken können, wenn Männer nicht greifbar sind. "Frauen beweisen immer wieder, dass sie es zu 100 Prozent können", betont sie.

Josefine Duscher, stellvertretende Kommandantin der FFW Iffelsdorf (Pfreimd). Die einzige in so einer Position im nördlichen Landkreis. Bild: exb
Josefine Duscher, stellvertretende Kommandantin der FFW Iffelsdorf (Pfreimd). Die einzige in so einer Position im nördlichen Landkreis.
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