26.09.2018 - 15:24 Uhr
SchwandorfOberpfalz

"Verfahrenes Verfahren" um Viktor und zwei alte Autos

Ein Prozess wegen Unterschlagung muss in eine weitere Runde. Vom dringend benötigten Kronzeugen aus Ungarn kennt das Gericht allerdings nur den Vornamen.

von Autor HOUProfil

Seltsame Story. Die Zutaten: Zwei alte Autos, die auf einem Parkplatz stehen und ein Ungar, der mit einem der Fahrzeuge den weiten Weg in seine Heimat antritt, obwohl ihm das betagte Vehikel nicht gehört. Jetzt braucht man ihn, um eine strafprozessual wichtige Frage zu klären.

Die Sache ähnelt der unendlichen Geschichte. Erste Verhandlungsrunde heuer im März. Dann vertagt und Neuauflage jetzt. Wieder ohne Ergebnis. Abermals abgebrochen. Fortsetzung folgt irgendwann. Man muss warten, ob sich ein Ungar mit dem Vornamen Viktor ausfindig machen lässt und sich dann bereit erklärt, aus seiner Heimat anzureisen. Denn ohne ihn geht gar nichts.

Viktor stand in den Diensten eines Mannes, der im nördlichen Landkreis Schwandorf ein Unternehmen hat. Der 44-jährige, gelernte Hotelfachmann soll ihm gestattet haben, mit einem Auto, das nicht in seinem Besitz war, nach Ungarn zu fahren. Das bestreitet er energisch. Zu Amtsrichter Thomas Heydn sagte er jetzt: "Niemals."

Tatsache ist offenbar: Im Jahr 2016 waren zwei Autos auf einem Gelände unweit des Unternehmens des 44-Jährigen abgestellt worden. Sie gehörten einem Mann, der den Firmeninhaber kannte und von ihm die Genehmigung dazu bekam. Dann entfernte er sich für längere Zeit und stellte bei seiner Rückkehr Zweierlei fest: An einem der schon betagten Wagen hatte jemand eine Scheibe eingeschlagen, und das andere Auto war spurlos verschwunden. Die Schlüssel dazu will der Eigentümer "auf dem Gelände versteckt" und seinem Bekannten, dem Unternehmer, davon Kenntnis gegeben haben.

Gestattete nun der 44-Jährige einem seiner Bediensteten, mit dem Pkw nach Ungarn zu fahren? Verkaufte er ihm womöglich den Pkw-Veteran für 200 Euro? Auch in der zweiten Prozessrunde wegen Unterschlagung wies das der Angeklagte von sich und gab sich als einer zu erkennen, der mit allem nichts zu tun haben will.

Als gesichert konnte der Richter lediglich zur Kenntnis nehmen: Der abhanden gekommene Wagen tauchte tatsächlich in Ungarn auf. Das ist belegt durch Strafmandate der ungarischen Polizei, die nach Deutschland geschickt wurden. Wahrheit ist auch, dass dieses Fahrzeug, nach dem von der Nabburger Polizei gesucht wurde, bei der Wiedereinreise in die Bundesrepublik nahe Passau in eine Kontrollstelle der Polizei geriet und beschlagnahmt wurde.

Doch was ist aus Viktor geworden? Der Ungar ist unbekannten Aufenthalts und würde eigentlich als Kronzeuge im Prozess benötigt. Auf ihn verzichten mochte Staatsanwältin Christine Apfelbacher nicht. Weil sie der Auffassung ist, "dass hier irgendetwas nicht stimmt." Deswegen geht das "verfahrene Verfahren" (Zitat Richter) in eine dritte Runde.

Erst durch Viktor würde sich schlüssig klären lassen, ob ihm jemand die uralte Karre gab, um damit zu einer längeren Reise aufzubrechen. Dabei gilt für das Gericht: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Eine Verfahrenseinstellung kam jedenfalls nicht in Frage. "Und ein Freispruchsantrag erst recht nicht", wie die Anklagevertreterin mit Blick auf den Beschuldigten unterstrich.

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