Schwandorf
19.03.2024 - 17:45 Uhr

Verjüngung und weniger Wildverbiss retten die Wälder im Landkreis Schwandorf

Jäger, Förster und Grundstücksbesitzer sind gerade gemeinsam im Wald unterwegs, um die Daten für das Vegetationsgutachten 2024 zu sammeln. Es soll im Herbst erscheinen.

Momentan sind Förster und Jäger im Wald unterwegs, um Daten für das neue Vegetationsgutachten zu erstellen, das im Herbst erscheinen soll. Bild: Hirsch
Momentan sind Förster und Jäger im Wald unterwegs, um Daten für das neue Vegetationsgutachten zu erstellen, das im Herbst erscheinen soll.

„Die Ergebnisse sind eine unverzichtbare Grundlage für die neuen Abschusspläne“, sagte Forstoberrätin Regina Härtl bei der Versammlung der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften am Montag in der Gaststätte des Tierzuchtzentrums.

Die Abteilungsleiterin am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten kündigte für Ende März die Beendigung der Bestandsaufnahme an. Sie sieht „den Wald im Landkreis Schwandorf auf einem guten Weg in Richtung eines nachhaltigen Mischwaldes“. Regina Härtl appellierte an die Waldbesitzer in den 18 Hegeringgemeinschaften des Landkreises, durch Verjüngung für einen stabilen Unterbau zu sorgen.

Käferwelle rollt weiter

„Wir brauchen eine Verjüngung, denn die Käferwelle rollt weiter“, sagte die Vertreterin des Landwirtschaftsamtes. Und: „Die letzten fünf Jahre waren heftig für den Wald“. Trockenheit, Hitze und Käferbefall hätten ihm zugesetzt, so Härtl, wobei der Landkreis Schwandorf besser dastehe als andere Regionen. Die Forstoberrätin erinnerte die Jagdgenossen daran, dass der Grundsatz „Wald vor Wild“ gesetzlich verankert sei.

Die Jagdgenossen sind eine Arbeitsgemeinschaft des Bayerischen Bauernverbandes und vertreten die Mitglieder in politischen, rechtlichen und praktischen Fragen. Vorsitzender ist der Jäger und Nebenerwerbslandwirt Markus Gregori aus Nittenau. Er erinnerte zu Beginn der Versammlung an die kürzlichen Unfälle mit Wölfen auf der A 93 und wartet „gespannt auf eine Reaktion aus der Politik“. Gerhard Domaier, Sachgebietsleiter am Landratsamt Schwandorf, betonte: „Der Wolf unterliegt dem Naturschutz-, aber nicht dem Jagdrecht“. Dass Wölfe durch die Wälder im Landkreis streifen, sei längst bekannt. Aber: „Es gibt bislang keinen einzigen Hinweis auf einen Wolf-Riss“. Während der Wolf geschossen werden könne, sei der Fischotter sowohl durch das Jagd- als auch durch das Naturschutzrecht geschützt. „Das macht die ganze Sache zum Problem“, verdeutlichte der Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde.

Schwarzwild intensiv bejagen

Gerhard Domaier mahnte die Jäger und Grundstücksbesitzer, vor der Mahd die Wiesen nach Wildtieren zu durchsuchen. Wer es nicht tue und Tiere verletze oder töte, mache sich strafbar, so der Sachgebietsleiter. Er hält eine intensive Bejagung des Schwarzwildes weiterhin für dringend erforderlich, „denn bei der afrikanischen Schweinepest besteht nach wie vor eine hohe Ausbruchsgefahr“. Die „Schwarzwildstrecke“ ging im vergangenen Jagdjahr von zuvor 1601 geschossenen Tieren auf 1087 zurück. Das lasse auf einen Rückgang der Population oder auch auf zurückgehende Jägeraktivitäten schließen, so Domaier.

Kreisjagdberater Günther Hoffmann nennt zwei Gründe für die Zunahme der Wildunfälle: „Der Verkehr nimmt zu, und immer mehr Leute laufen Tag und Nacht im Wald herum und vertreiben die Tiere“.

Weniger Jagdfläche durch PV-Anlagen

Der Bezirksvorsitzende der ARGE-Genossenschaften, Stefan Graf (Bad Kötzting), forderte die Jäger auf, den Tierbestand im Wald zu reduzieren. Denn: „Der Verbiss ist deutlich zu hoch“. Er sieht „die Teichwirtschaft dem Untergang geweiht, wenn dem Fischotter nicht Einhalt geboten wird“. Graf machte ferner auf die Schäden durch Wild- und Graugänse aufmerksam. Die Zunahme an PV-Freianlagen werde weiter zur Verringerung der Jagdflächen beitragen. Mit dem Klimawandel und der Zunahme des Borkenkäfers sieht der ARGE-Bezirksvorsitzende weitere Probleme auf die Jagdgenossen und Jäger zukommen.

Der Bezirksgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes, Hubert Hofmann, informierte über die Rechte und Pflichten der Jagdgenossenschaften und ermunterte die Jäger, Landwirte und Waldbesitzer zur „Zusammenarbeit auf Augenhöhe“.

Info:

Vegetationsgutachten 2024

  • Datenerhebung: Bis Ende März sind die Sachverständigen noch im Wald unterwegs.
  • Inhalt: Stand der Waldverjüngung und der Verbissschäden.
  • Veröffentlichung: Herbst 2024
  • Abschusspläne: Das Gutachten bestimmt die Abschusspläne für die Reviere.
 
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