21.06.2019 - 14:47 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Vernetzung beste Prävention

Das Thema "Täterstrategien und Täterdenken bei sexuellem Missbrauch" steht im Mittelpunkt einer Fachtagung im Haus des Guten Hirten. Eine Kriminologin präsentiert den Teilnehmern dabei erschreckende Zahlen.

Referentin Rita Steffes-enn (Fünfte von rechts) referierte zum Thema „Täterstrategien und Täterdenken bei sexuellem Missbrauch – Nutzen für die Präventionsarbeit!“
von Externer BeitragProfil

Vollbesetzt war das Haus des Guten Hirten bei der Fachtagung "Täterstrategien und Täterdenken bei sexuellem Missbrauch - Nutzen für die Präventionsarbeit!". Veranstalter war der Arbeitskreis Sexueller Missbrauch im Landkreis Schwandorf. 80 Teilnehmer aus den verschiedenen Bereichen der Kinder- und Jugendarbeit aus dem Landkreis und weitere Fachkräfte aus Einrichtungen der ganzen Oberpfalz nahmen einer Pressemitteilung zufolge daran teil. Dies zeige laut der Gleichstellungsbeauftragten und Koordinatorin des Arbeitskreises, Helga Forster, die Bedeutung des Themas und dass viele Fachkräfte Informationen zu dem Thema suchen.

Kriminologin Rita Steffes-enn vom Zentrum für Kriminologie und Polizeiforschung zitierte in ihrem Vortrag eingangs die sogenannte "Mikado"-Studie der Universität Regensburg. Diese hatte untersucht, warum so viele sexuelle Gewalttaten an Kindern im Verborgenen bleiben. Demnach erlebt jedes achte bis zehnte Kind im Alter bis zwölf Jahren sexuellen Missbrauch im Sinne des Strafgesetzbuches. Davon wird aber nur ein Prozent den Behörden bekannt. Die Hälfte der betroffenen Kinder teilt sich aus Scham niemandem mit. Ein Viertel spricht aufgrund von Drohungen durch den Täter nicht über die Tat. Rita Steffes-enn bedauerte, dass in der Regel von pädophilen Tätern ausgegangen wird. Tatsächlich machen diese aber nur 20 bis 40 Prozent aus. Pädophilie sei eine Krankheit, die Frauen und Männer zu gleichen Teilen betreffe. Die Vielzahl der sexuellen Gewalttaten an Kindern werde aber aus anderen Gründen begangen. Täter gehen laut der Expertin sehr geschickt vor und investieren viel Zeit, das Vertrauen und die Liebe der Kinder zu gewinnen. Deshalb sei es sehr wichtig, Kindern klar zu machen, dass die Verantwortung für eine Tat immer beim Täter, nie beim Kind liegt.

Ausführlich ging die Referentin darauf ein, welche Odyssee Kinder nach der Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs drohen kann, wenn nicht behutsam und bedacht vorgegangen wird und ein stabiles Umfeld geschaffen wird. Rita Steffes-enn gab zu bedenken, dass durch die Verbreitung von kinderpornografischen Material im Internet ein lebenslanger Missbrauch entstehe, der nicht beendet werden könne. "Menschen können sich oft gar nicht vorstellen, was in der Realität alles passiert", so Rita Steffes-enn zum Abschluss. Für die Kriminologin ist Vernetzung die beste Prävention. Sie appellierte an die anwesenden Fachkräfte, bereits im Vorfeld einer Aufdeckung eng zusammenzuarbeiten und Strukturen für den Ernstfall zu schaffen.

Der Arbeitskreis sexueller Missbrauch tut dies im Landkreis Schwandorf bereits sehr vielen Jahren. Der Arbeitskreis ist ein seit 1993 bestehender Zusammenschluss von Beratungs- und Hilfseinrichtungen und staatlichen Stellen sowie den Jugendsozialarbeitern an Schulen, die im Landkreis mit diesem Thema befasst sind.

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