31.08.2018 - 09:49 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Viel Post im Papiercontainer

Eine solche Anklage taucht selten auf. Sie lautet auf eine Verletzung des Postgeheimnisses, geschehen durch Unterdrückung von Sendungen. Sie landen packenweise im Altpapiercontainer.

von Autor HWOProfil

Die junge Frau war schon nach sechswöchigem Zustellerdienst offenbar völlig überfordert. Dazu mögen auch Sprachwierigkeiten bei der 22-Jährigen, die nun vor dem Schwandorfer Amtsrichter Ewald Ebensperger saß, beigetragen haben. Die aus dem Osten Europas stammende und im Kreis Schwandorf wohnende Botin ist der deutschen Sprache nur oberflächlich mächtig.

An zwei aufeinanderfolgenden Tagen im Herbst vergangenen Jahres war die Zustellerin in Schwarzenfeld unterwegs und kam wohl mit der Fülle von Postendungen nicht zurecht. Also kippte sie kurzerhand sechs Kisten mit Briefen und Werbematerial in aufgestellte Altpapierbehälter. Damit war die ihr noch bevorstehende Arbeit innerhalb von wenigen Augenblicken erledigt und die Fracht entsorgt.

Es gab einen Zeugen. Er ließ den Ermittlungsbehörden später eine CD mit Videoaufnahmen zukommen und sorgte damit für einen Beweis, der wohl nicht hätte widerlegt werden können. Richter Ebensperger kannte den Inhalt bereits, als er den Sitzungssaal betrat. Er hatte sich zusammen mit Staatsanwalt Oliver Wagner auf eine längere Verhandlung eingerichtet und erlebte dann eine Überraschung.

Beraten von ihrem Regensburger Anwalt Jörg Sodan beschränkte die Beschuldigte ihren Einspruch gegen den bereits im Vorfeld des Prozesses gegen sie ergangenen Strafbefehl auf den sogenannten Rechtsfolgenausspruch. Das bedeutete: Es ging letztlich nur noch um die Höhe einer zu verhängenden Geldstrafe. Verteidiger Sodan schilderte die Lage der Frau. "Sie ist nach den Vorfällen fristlos entlassen worden", hörte der Richter und erfuhr ferner, dass die 22-Jährige seither nirendwo mehr Arbeit gefunden habe. Die bisher nie vorbestrafte Ex-Zustellerin lebe von Unterstützung und sei in einer schwierigen Situation.

Danach ging alles sehr rasch. Der Staatsanwalt beantragte 90 Tagessätze zu je 15 Euro. Anwalt Sodan stimmte samt seiner Mandantin zu und Richter Ebensperger schrieb diese Summe von 1350 Euro in sein Urteil. Zeugen konnten heimgeschickt werden. Der eigentliche Sachverhalt bedurfte wegen der Beschränkung auf das Strafmaß keiner Erörterung mehr. Er galt als erwiesen. Den vierstelligen Betrag wird die 22-Jährige jetzt in kleinen Raten abstottern müssen.

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