07.11.2019 - 16:40 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Auch in vierter Prozessrunde kein Ende in Sicht

Nach einer angeblichen Körperverletzung: Die Justiz ist auf der Suche nach einem Anzeigeerstatter. Ohne den Zeugen kann es keine Verhandlung geben.

Ohne den dringend benötigten zeugen kann nicht verhandelt werden.
von Autor HWOProfil

Die Angelegenheit geht seit über zwei Jahren. Unterdessen hat sie mehrere Richter beschäftigt und bisher zu drei erfolglosen Prozessen geführt. Nun kommt eine weitere Verhandlungsrunde hinzu. Und das alles, weil ein Zeuge permanent nicht erscheinen mag.

Im Regelfall sind es Angeklagte, die nicht kommen wollen. Diesmal aber geht es um einen Asylbewerber, der angeblich an einem Sommerabend des Jahres 2017 in der Flüchtlingsunterkunft Neunburg vorm Wald übel geschlagen und misshandelt wurde. Das hatte er damals der Polizei gemeldet und einen größeren Einsatz ausgelöst. Als seinerzeit eine aus Waidhaus nach Neunburg beorderte Streifenwagenbesatzung nach längerer Anfahrt in der Pfalzgrafenstadt eintraf, war der Anzeigeerstatter nicht da. Man suchte und fand ihn im Stadtgebiet, wo er als Fußgänger des Weges kam. Den Beamten zeigte er Verletzungen am Körper. Ab dann wollte der aus einem arabischen Land stammende Mann scheinbar nichts mehr mit der Justiz seines Gastgeberlandes zu tun haben. Auch jetzt nicht, als die Amtsrichterin Bösl in Schwandorf den Vorhang zum dritten Prozess in gleicher Sache hob.

Auf der Anklagebank saß ein 29 Jahre alter Asylbewerber, dem die Staatsanwaltschaft vorhielt, Verursacher der Blessuren seines Landsmanns gewesen zu sein. Das bestritt er auch in dieser neuerlichen Verfahrensrunde und ließ übersetzen: "Ich habe ihn nicht geschlagen". Danach beschrieb der Beschuldigte, was sich aus seiner Sicht in der Unterkunft zutrug. Der Landsmann sei in sein Zimmer vorgedrungen, habe 100 Euro und zwei Handys gestohlen. Am Tag darauf zur Rede gestellt, sei ihm das Geld und eines der Mobiltelefone vom mutmaßlichen Dieb zurückgegeben worden. Das habe zwar zu Diskussionen, aber keineswegs zu derben Hieben und Tritten geführt.

Ein scheinbar endloses Verfahren, dessen seitens der Richterin vorgeschlagene Einstellung durch die Staatsanwaltschaft nicht akzeptiert wurde. So kommt es nun zu dem eher seltenen Fall, dass ein Anzeigeerstatter durch die Polizei festgenommen und vorgeführt werden muss.

Wenn man ihn hat, geht's weiter. Fraglich erschien Beobachtern allerdings, ob der Staat einen solchen Aufwand betreiben muss, wenn ein Geschädigter keinerlei Interesse an der Bestrafung seines mutmaßlichen Peinigers zeigt.

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