Drei Monate nachdem bekannt geworden ist, dass am Standort Schwandorf etwa 80 Mitarbeiter gekündigt werden, meldet die Benteler-Gruppe ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2025. Trotz „geopolitischer Spannungen, volatiler Märkte und eines herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds“ habe sich das Unternehmen als „resilient erwiesen“, heißt es in einer Mitteilung am Freitag. Benteler habe den Kurs der vergangenen Jahre fortgesetzt und seine Profitabilität weiter gesteigert. Zu dem besseren Konzernergebnis hätten sowohl das Stahl-Rohr-Geschäft als auch die Automobilsparte beigetragen. „Speziell vor dem Hintergrund des volatilen Marktumfelds sind wir mit dem Geschäftsjahr 2025 zufrieden“, wird Ralf Göttel, CEO der Benteler-Gruppe, in der Firmenmitteilung zitiert.
Laut Unternehmensangaben lag der Umsatz der Benteler-Gruppe im abgelaufenen Geschäftsjahr bei 8,046 Milliarden Euro – und damit etwas unter dem Wert des Vorjahres von 8,170 Milliarden Euro. Sein um Sondereffekte bereinigtes operatives Ergebnis (Adjusted Ebitda) steigerte das Unternehmen von 594 Millionen Euro auf 641 Millionen Euro – das sei ein Plus von rund acht Prozent.
Hoher Gewinn auch in Autosparte
Im Automobilmarkt zeigte sich 2025 ein „moderates Wachstum mit regional unterschiedlichen Entwicklungen“, heißt es in der Mitteilung weiter. Während die Fahrzeugproduktion in China und Indien insbesondere durch eine stärkere Nachfrage nach E-Fahrzeugen zugelegt habe, stagnierten Europa sowie Nord- und Südamerika – Märkte, in denen Benteler den Großteil seines Automotive-Umsatzes erwirtschafte. „Dennoch behaupteten sich die Automotive-Divisionen in diesem anspruchsvollen Umfeld und steigerten ihre Profitabilität trotz teilweise rückläufiger Volumina“, erklärt Benteler weiter. Die größte Division des Konzerns, Benteler Automotive Components, weise ein bereinigtes Ebitda von 361 Millionen Euro auf.
Im Benteler-Werk in Schwandorf werden vor allem Komponenten für E-Fahrzeuge, beispielsweise Batteriewannen, produziert. Rund 700 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Weil die dortige Auslastung nach Unternehmensangaben „seit längerem unter den Erwartungen“ liege, baut Benteler in Schwandorf Stellen ab. Das war Anfang November bekannt geworden.
Mittlerweile ist klar, dass etwa 80 Mitarbeitern am Schwandorfer Benteler-Standort gekündigt werde. Entgegen der Forderungen von Betriebsrat und IG Metall setzt der Konzern dabei auf die sogenannte Sozialauswahl. Wer entlassen wird und wer nicht, wird dabei nach bestimmten Kriterien wie Alter, Betriebszugehörigkeit, Kinder oder Grad der Behinderung entschieden. „Damit“, kritisierte Rico Irmischer, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg im Dezember, „werden jetzt diejenigen gekündigt, die jung sind, die frisch im Unternehmen sind, die viel Innovationskraft mitbringen.“ Demgegenüber stünden Beschäftigte, die schon älter sind und die sich bei einer Abfindung hätten vorstellen können, früher zu gehen. Die Gewerkschaft und der Betriebsrat vor Ort hatten ein Freiwilligenprogramm gefordert, mit zusätzlichen Abfindungen für diejenigen, die gehen wollen.
Schwandorf als "Cashcow"
Der Standort im Schwandorfer Süden galt jahrelang als „Cashcow“ des Unternehmens. In den vergangenen Jahren hatte Benteler dort die Produktionsfläche in drei Schritten stark erweitert. „Wir möchten versichern“, betonte ein Sprecher von Benteler im November, „dass unser Werk in Schwandorf einer der modernsten Benteler-Produktionsstandorte in Deutschland ist und eine hohe Bedeutung für unseren globalen Footprint hat.“ Man setze sich „mit voller Kraft dafür ein, die Auslastung im Werk wieder zu erhöhen“.
Benteler ist laut eigenen Angaben eine weltweit agierende Unternehmensgruppe für Kunden aus den Bereichen Automobiltechnik, Energie und Maschinenbau. Als Metall-Prozess-Spezialist entwickle, produziere und vertreibe man weltweit sicherheitsrelevante Produkte, Systeme und Dienstleistungen. An weltweit rund 90 Standorten beschäftige das Unternehmen 20.000 Mitarbeiter.















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