04.11.2018 - 15:37 Uhr
SchwandorfOberpfalz

"Das war eine Art Todesfalle"

"Was Sie da gemacht haben, hätte zur tödlichen Falle für Kraftfahrer werden können", sagt der Staatsanwalt nach zwei Prozesstagen. Es geht um Reifen, die über eine Fahrbahn gelegt werden. Drei junge Männer sitzen auf der Anklagebank.

von Autor HOUProfil

Der Alkohol hatte seine Wirkung getan, als sie im April dieses Jahres aus einer Diskothek in Bodenwöhr traten. Die drei Männer riefen ein Taxi zur Heimfahrt. Doch bis es kam, verging einige Zeit. Da vertrieben sie sich das Warten mit Vandalismus, der nun die Schwandorfer Jugendrichterin Petra Froschauer zu fassungslosem Kopfschütteln brachte. An einer nahen Baustelle wurde zuerst mit aufgestellten Pylonen eine Art Fußballmatch ausgetragen. Daran beteiligte sich auch der Älteste von ihnen, 24 Jahre alt. Bei dem, was folgte, blieb er dann allerdings passiv. Das führte nach zweitägiger Verhandlung zum Freispruch für ihn.

Die beiden anderen nächtlichen Zecher griffen sich nach dem Kick mit den Pylonen einen Stapel Reifen, der im Baustellenbereich lag, und legten die schweren Pneus quer über die Straße. Dann wurden Verkehrszeichen abgerissen. Dabei entstand Lärm, den eine Anwohnerin früh um 4 Uhr hörte und eine Streifenwagenbesatzung aus Neunburg vorm Wald über die Regensburger Einsatzzentrale alarmierte. Noch bevor die Beamten eintrafen, hatte das bestellte Taxi die drei Männer aufgenommen und sie zu einer Wohnung in einem Bodenwöhrer Nachbarort gebracht. Dort legten sie sich schlafen. Am Tatort nahmen die Polizisten Ermittlungen auf, sammelten Reifen und Verkehrsschilder ein. Dann stellten sie einen tiefen Schuhabdruck im Erdreich fest. Das sollte später wichtig werden. Der Taxifahrer war nach einer vorliegenden Zeugenaussage rasch ausfindig gemacht. Er zeigte den Ordnungshütern die Wohnung, zu der das Trio gebracht hatte. Und siehe da: Vor der Tür standen die Schuhe, von denen der Abdruck auf der Baustelle in Bodenwöhr stammte. Damit galt der Fall des versuchten gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und der gemeinschädlichen Sachbeschädigung als geklärt.

"Das war eine Art Todesfalle, die da errichtet wurde", unterstrich Staatsanwalt Oliver Wagner in seinem Plädoyer und hielt den beiden Hauptverantwortlichen vor, dass da "wirklich etwas Schlimmes hätte geschehen können." Dem 20-Jährigen und dessen drei Jahre älteren Freund attestierte Wagner zwar verminderte Schuldfähigkeit, doch gleichwohl hätten sie trotz ihrer Alkoholiserung erkennen können, "was da in sinnloser Weise auf dieser Baustelle vonstatten ging." Für den jüngeren der beiden beantragte der Anklagevertreter eine Woche Dauerarrest, drei Monate Fahrverbot und eine Geldauflage von 1500 Euro. Für den 23-Jährigen verlangte Wagner 3000 Euro Geldstrafe und zwei Monate Fahrverbot. Diese Ahndungen sprach die Jugendrichterin in ihrem Urteil dann auch aus.

"Welcher Teufel hat Sie geritten?", fragte Richterin Froschauer und vertrat ebenfalls die Ansicht, dass die unmittelbar an einer Verkehrsinsel auf den Asphalt gelegten Reifen zu einem schweren Unfall hätten führen können. "Tückische Hindernisse in der Dunkelheit", wie sie befand.

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