24.06.2019 - 15:53 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Zu wenig Männer in der Pflege

Pflegekräfte kümmern sich um kranke Menschen, helfen bei der Geburt von Kindern und ermöglichen älteren Mitbürgern die Gestaltung des Lebensabends in Würde. Dass sie immer dringender gebraucht werden, verdeutlichen die neuesten Zahlen.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Pflegeberufen hat sich im Landkreis zwar etwas erhöht, allerdings befanden sich darunter nicht einmal 310 Männer.
von Externer BeitragProfil

Im Landkreis Schwandorf hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Pflegeberufen gegenüber dem Vorjahr von 2260 auf nunmehr rund 2350 erhöht (Stichtag 30. Juni 2018). Das geht aus einer Mitteilung der Bundesagentur für Arbeit hervor. Davon waren etwa 1280 Arbeitnehmer im Bereich der Gesundheit, Krankenpflege, dem Rettungsdienst sowie der Geburtshilfe tätig und 1070 Personen im Bereich der Altenpflege.

Beim Blick auf die Zusammensetzung der Pflegekräfte im Landkreis fällt laut Agentur ein deutliches Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern auf. Unter den Pflegekräften befanden sich rund 2050 Frauen, aber nicht einmal 310 Männer. Ein Verhältnis, das auch mit Blick auf den Bedarf verwundert. Die Zahl pflegebedürftiger Menschen steigt deutschlandweit an. Bleibt die Pflege ein Frauenberuf, droht ein Engpass. "Es braucht mehr Männer in der Pflege", schreibt die Agentur für Arbeit.

Mehr Pflegebedürftige

Ein Blick auf die Statistik macht das deutlich: In den kommenden 15 Jahren wird die Zahl pflegebedürftiger Menschen in der Bundesrepublik von 2,5 auf 3,5 Millionen Menschen steigen. Eine Entfeminisierung der Pflege, wie es in der Fachsprache heißt, wird in den kommenden Jahren dringend nötig sein; allein schon, um den Bedarf an Arbeitskräften zu decken.

"Oft entscheiden sich männliche Arbeitnehmer nicht bewusst gegen einen Pflegeberuf, sondern ziehen ihn erst gar nicht für sich in Betracht. Dabei hat der Beruf viel zu bieten. Wer gerne mit Menschen arbeiten, Verantwortung tragen und einer sinnhaften Beschäftigung nachgehen möchte, für den ist der Beruf des Pflegers eine sehr gute Wahl", sagt Bernhard Lang, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Schwandorf. Darüber hinaus handele es sich um einen abwechslungsreichen und krisensicheren Beruf, der den Beschäftigten vielfältige Weiterentwicklungsmöglichkeiten in Praxis, Lehre und Wissenschaft biete.

Nicht immer müssten Pflegekräfte den Beruf von der Pike auf lernen. Gerade Berufsrückkehrerinnen und Wiedereinsteiger, die Angehörige gepflegt haben, verfügen bereits über viele wichtige Kompetenzen. Sie bringen die idealen Voraussetzungen mit, um als Pflegekraft zu arbeiten. Bei dieser Personengruppe bietet es sich daher besonders an, eine Ausbildung als Pflegekraft in Betracht zu ziehen. Nicht immer muss diese in Vollzeit erfolgen. Immer häufiger werden flexible Teilzeit-Modelle angeboten.

Um schon bei Jugendlichen das Interesse für einen Pflegeberuf zu wecken, können Schüler einmal im Jahr beim "Boys' Day" in Pflegeberufe hinein schnuppern. Im Agenturbezirk Schwandorf bieten an diesem Berufsorientierungstag Krankenhäuser und Seniorenheime zahlreiche Plätze an. Junge Menschen die darüber nachdenken, später einen Pflegeberuf zu ergreifen, können bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr erste Erfahrungen und Eindrücke sammeln. So lernen sie die Abläufe in einer Pflegeeinrichtung kennen und merken, ob es für sie der richtige Beruf ist. Falls nicht, haben sie dennoch keine Zeit verloren: Viele Arbeitgeber honorieren bei Bewerbungen soziales Engagement, wodurch die Chance steigt, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden.

Fachkräfte aus dem Ausland

Um den Fachkräftebedarf der Pflegeeinrichtungen zu decken, beteiligt sich die Agentur für Arbeit an Kooperationen zur Gewinnung ausländischer Pflegekräfte. Seit fast fünf Jahren qualifizieren die BA und die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Zuge des Programms "Triple Win" Pflegefachkräfte aus Serbien, Bosnien und Herzegowina, den Philippinen und Tunesien für den deutschen Arbeitsmarkt. Dort gibt es einen Überschuss an ausgebildeten Pflegekräften, die keine adäquate Beschäftigung im Herkunftsland finden.

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