28.01.2020 - 15:27 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Vom Winter keine Spur

Null Schneetage hat der Deutsche Wetterdienst im bisherigen Winter im Landkreis Schwandorf aufgezeichnet. Das habe es so noch nicht gegeben. Wetterexperte Andy Neumaier ist in den Aufzeichnungen auf noch mehr interessante Zahlen gestoßen.

Ein fast schon gewohnter Anblick: Die Wiesen und Felder bei Ragenhof im Landkreis Schwandorf haben dieses Jahr noch keinen Schnee gesehen. Ähnlich sieht es in der restlichen Oberpfalz aus.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Kaum Niederschlag, dafür viel Sonne: Der Winter will nicht so recht einziehen, im Landkreis Schwandorf. Bis auf ein wenig Puderzucker auf Wiesen und Baumwipfeln, deutet nicht viel auf die kalte Jahreszeit hin. "Dieser Winter ist eine Premiere. Das fast bis Februar gar kein Schnee fällt, ist schon ungewöhnlich", sagt Wetterexperte Andy Neumaier.

Die Wetteraufzeichnungen für den Landkreis Schwandorf zeigen tatsächlich eine Null bei der Anzahl der Schneetage. Erst ab einem halben Zentimeter oder wenn 50 Prozent des Bodens bedeckt sind, spricht man offiziell davon, dass es geschneit hat. In den vergangenen Jahren gab es zwar selten einen weißen Dezember, spätestens im Januar blieb der Schnee dann aber liegen. Selbst im wärmsten Jahr 2018 wurden 15 Schneetage verzeichnet. Warme Jahre schließen Schneefall also nicht aus, betont der Wetterexperte.

40 Eistage weniger als 2010

Neben den Schneetagen sind auch die Eistage notiert. Das Kriterium: Es muss einen ganzen Tag unter 0 Grad Celsius haben. 2019 waren es zehn, 2018 neun. Zum Vergleich: 2010 waren es noch 50. "Man sieht hier wirklich einen krassen Rückgang." Die niedrigste gemessene Temperatur in Schwandorf war im Januar 2019 -9,9 Grad und im Januar 2020 -9 Grad. "So richtig kalt ist das auch noch nicht und das war der Tiefstwert", so Neumaier. Der Minusrekord wurde in Schwandorf am 10. Februar 1956 gemessen und liegt bei -26,7 Grad.

Seit ungefähr Mitte der 1980er Jahre steigt der Jahresdurchschnittswert im Landkreis Schwandorf - natürlich nicht nur dort - an. Zuvor blieb er recht konstant bei etwa 7,8 Grad. Aktuell liegt der Mittelwert bei 9,8 Grad. 2018 waren es sogar 10,6 Grad. Insgesamt betrachtet ist also jeder Tag des Jahres etwa zwei Grad wärmer als noch vor 35 Jahren. "Das mag vielleicht als Zahl wenig klingen, ist aber für das Wetter sehr viel", schätzt Neumaier ein. Eine der vielen Auswirkungen der Erderwärmung. Nicht nur die Temperatur ist ein Problem, auch der Niederschlag bleibt aus.

"Der Winter geht offiziell noch bis März. Bisher hat es 29,7 Prozent von dem Niederschlag gegeben, den ein Winter haben soll", erklärt Neumaier. In Zahlen heißt das: Ein Winter sollte im Schnitt 152 Liter pro Quadratmeter Niederschlag haben, dieser hier hat bisher 45,1. Da müsse der Februar nun schon richtig nass werden, um das noch aufzuholen. Unwahrscheinlich. Was vielen vielleicht nicht bewusst ist: "Wenn es noch drei Wochen so weiter geht, herrscht bei uns erhöhte Waldbrandgefahr", alarmiert der Radiomoderator. Trockenes Holz brennt - da sei es egal, ob es Winter oder Sommer ist.

Kein Schnee, trockene Böden

Die Jahre werden also immer wärmer, der Niederschlag geht zurück. Dabei wäre gerade Schnee sehr wichtig für die Böden. "Wenn die Schneedecke taut, sickert das Wasser so richtig schön langsam in den Boden." So könne dieser die Feuchtigkeit nachhaltig speichern und "ersäuft" nicht, wie bei einem kurzen, starken Regenschauer. Dieses Jahr scheinen aber Regen und Schnee weitestgehend auszubleiben. "Eine blöde Kombination", bemerkt Andy Neumaier.

Langfristige Wettermodelle haben bereits im Oktober 2019 vorausgesagt, dass der Winter dieses Mal ausbleibt. Sie scheinen recht zu haben. "Bis in den Februar rein, ist nicht an Schnee zu denken. Weiter kann man noch nicht sehen. Schnee zu Ostern ist möglich, aber ich glaube nicht daran. Doch wie immer gilt: Das Wetter ist wie die Chaostheorie."

Wenn es noch drei Wochen so weiter geht, herrscht bei uns erhöhte Waldbrandgefahr.

Andy Neumaier, Wetterexperte

Andy Neumaier, Wetterexperte

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