12.02.2019 - 17:04 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Zimmerbrand mit vielen Rätseln

In einem Zimmer des Obergeschosses züngeln Flammen. Ist der Brand vorsätzlich entfacht worden? Die Wohnungsmieterin erstattet Anzeige gegen unbekannte Täter. Nun wird sie wegen Vortäuschung einer Straftat vor den Amtsrichter zitiert.

Wer ist für den Brand in einem Haus im östlichen Landkreis verantwortlich? Die Frage bleibt auch nach der Gerichtsverhandlung offen.
von Autor HWOProfil

In einem Zimmer des Obergeschosses züngeln Flammen. Ist der später rasch gelöschte Brand vorsätzlich entfacht worden? Die Wohnungsmieterin erstattet Anzeige gegen unbekannte Täter. Nun wird sie wegen Vortäuschung einer Straftat vor den Amtsrichter zitiert.

Nicht selten bekommt es die Justiz mit merkwürdigen Begebenheiten zu tun. Dann muss sehr genau erörtert werden, was sich zutrug und es bedarf klarer Indizien für eine Schuldzuweisung. Das allerdings wurde schwer für den Schwandorfer Amtsrichter Thomas Heydn. Im ersten Stockwerk eines Hauses im östlichen Landkreis war Feuer ausgebrochen. Alarmierte Einsatzkräfte trugen später einen qualmenden Sessel aus dem Anwesen. Die Frage lautete jetzt: Wer hatte die Flammen ausgelöst? Auf der Anklagebank saß eine Frau, die in der fraglichen Wohnung lebt und mit Nachdruck behauptete: "Ich war das nicht." Erst etliche Tage nach dem Ereignis war sie bei der Oberviechtacher Polizei erschienen und hatte Anzeige gegen Unbekannt wegen Brandstiftung erstattet.

Es gab zwei Zeugen aus der Nachbarschaft. Beide hatten, so ihre Angaben, sehr genau beobachtet, dass die Frau zur fraglichen Zeit am geöffneten Fenster ihres Obergeschosses stand und "mit apathischem Blick herausschaute." Hinter ihr seien züngelnde Flammen zu sehen gewesen.

Die Angeklagte und ihr Anwalt Peter Grau (Burglengenfeld) konterten sinngemäß: Das sei so nicht richtig. "Und was entspricht den Tatsachen?", bohrte Richter Heydn nach. "Ich war im Erdgeschoss und bin mit einer Gießkanne voll Wasser hinauf in den ersten Stock, um das Feuer zu löschen", hörte er. Da seien schon Qualmschwaden durchs Haus gezogen. Eine mysteriöses Geschehen. Es wurde noch merkwürdiger, als der Richter von den beiden Zeugen aus der unmittelbaren Nachbarschaft geschildert bekam, dass offenbar kurz vor dem Zimmerbrand etliche Gegenstände aus dem fraglichen Fenster hinaus auf ein angrenzendes Grundstück geworfen worden waren. Darunter eine Dose mit Rasierschaum. "Sie war angekokelt", hatte einer der Zeugen festgestellt.

Fest stand: Beide Nachbarn lagen offenbar über lange Zeit hinweg im Clinch mit der Frau und ihrem Ehemann. In seinem Plädoyer verstieg sich Anwalt Peter Grau dann zu der Vermutung, der Brand könne ja auch von ihnen durch einen durch das geöffnete Fenster geworfenen Gegenstand verursacht worden sein. Doch das erschien nach dem Prozessverlauf schlichtweg absurd.

Wer also war für den Zimmerbrand verantwortlich? "Sie war das schon", zeigte sich die Staatsanwältin überzeugt und verlangte wegen der wider besseren Wissens bei der Polizei erstatteten Anzeige eine Geldstrafe von 600 Euro. Richter Heydn entschied anders: Er sprach die Angeklagte frei. Sein Argument: "Die Nachbarn haben zwar Flammen gesehen. Doch es fehlt der konkrete Beweis dafür, dass sie von der Angeklagten gelegt wurden."

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