18.06.2021 - 10:05 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Zwei Abende Musik im Zeichen von Komponistinnen

Selbst heute noch sind viele musikalische Werke von Komponistinnen zu wenig bekannt. Das wollte das Oberpfälzer Künstlerhaus in Schwandorf ändern – mit einem zweitägigen Festival.

Das Mini-Festival "Komponistinnen!" begeisterte die Besucher im Oberpfälzer Künstlerhaus an zwei Tagen.
von Reinhold TietzProfil

"Komponistinnen!": Unter diesem Titel stand ein Mini-Festival an zwei Abenden im Oberpfälzer Künstlerhaus. Selbst heute noch sind die musikalischen Werke von Komponistinnen viel zu wenig bekannt. Umso verdienstvoller, dass das Oberpfälzer Künstlerhaus unter Leitung von Christina Lanzl zusammen mit dem künstlerischen Leiter Christian Seibert und dem Moderator Bernhard Wallerius dieses „Mini-Festival“, dem reger Zuspruch erfolgte, veranstaltet hat.

An zwei Abenden wurde die Bedeutung von Frauen im musikalischen Schaffen klar nachgewiesen. Die drei am ersten Abend vorgestellten Werke für Klaviertrio sind dabei als hochwertige Beispiele gekonnter Kompositionstechnik absolut dazu geeignet, ein mögliches Vorurteil gegen Komponistinnen ad absurdum zu führen.

Clara Schumann (1819-1896) brachte acht Kinder zur Welt, war mit einem psychologisch wie gesundheitlich schwierigen Mann verheiratet, außerdem höchst anerkannte Pianistin – und schuf über 60 musikalische Werke. Darunter das Klaviertrio g-moll op 17 (1846), das Alexander Yakoniuk, Violine, Arabella Ristenpart, Violoncello, und Christoph Schnackertz, Klavier, mit äußerstem Engagement vortrugen. Den beiden Streichinstrumenten obliegt dabei meistens die Melodie, während das Klavier ungemein virtuose Umspielungen ableistet und damit das Klangvolumen bereichert. Das exzellente Zusammenspiel in einem Werk, das viel mehr Aufmerksamkeit in der musikalischen Welt verdienen würde, rief großen Beifall hervor.

Als nächstes Werk erklang das erste Klaviertrio op 11 (1881) von Cécile Chaminade (1857-1944), das virtuoseste Stück des Abends. Die Dominanz des Cellos in der Melodieführung, vor allem im Andante, beeindruckte ebenso wie die raffinierten Melodie-Umspielungen des Klaviers. Als drittes Werk des Abend erklang das Klaviertrio d-moll op 11 (1846/47) von Fanny Mendelssohn Hensel (1805-1847), das letzte Werk der Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy. Auch hier zeigen Pianist, Geiger und Cellistin wie zuvor voll ihr Können. Faszinierende Musik, riesiger Beifall, deshalb gab es eine Zugabe: Astor Piazzolla hat mit „Oblivion“ eine wunderschön klingende Melodie verfasst, die den Abend wunderbar beendete.

Der zweite Abend des Mini-Festivals war der Ausnahmekünstlerin Marie Jaëll gewidmet. In einem Porträtkonzert stellte die Pianistin Cora Irsen Auszüge aus der von ihr verfassten Biographie „Marie Jaell. Die charmante Unbekannte“, die 2016 erschienen ist, vor. Auch Werke der zwei Komponisten, die neben ihrem Ehemann die künstlerische Hauptrolle in ihrem Leben spielten, gehören dazu. So erklang der erste Satz der dritten Klaviersonate f-moll op 5 von Johannes Brahms, ferner „Liebestraum“ Nr. 3 und "Rhapsodie espagnole“ von Franz Liszt.

Aber es gab auch Neuentdeckungen: Zwei der sechs „Esquisses“ von Marie Juaell ertönten, ebenso der erste Satz ihrer Klaviersonate C-Dur, zwei Stücke aus „Dantes Hölle“ sowie das „Impromptu“ und das „Märchen“.

Brückenschlag im Künstlerhaus

Schwandorf

 

 

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