26.07.2018 - 19:17 Uhr
Schwanhof/Luhe-WildenauOberpfalz

Stress fürs Grün

Die Sommerhitze zwingt auch den Rasen auf dem Golfclub Schwanhof stellenweise in die Knie. Ein Bewässerungssystem hilft, wenigstens die Spielbahnen zu begrünen.

Greenkeper Ian MacNiven fühlt wie Feucht das Green ist. Es wird täglich abends gewässert. Die restlichen Flächen auf dem Gelände müssen ohne auskommen und zeigen sich dementsprechend verdorrt (im Hintergrund).
von Stephanie Hladik Kontakt Profil

(shl) Ian MacNiven hat ein Händchen fürs Grün. Seit 1992 kümmert sich der Greenkeeper um die Bespielbarkeit des Platzes und kennt, wie er schmunzelnd sagt, "jeden Grashalm persönlich". Exakt 3,8 Millimeter ist das Green hoch, auf dem sieben Tage die Woche täglich hunderte Golfer einlochen. Robust müssen die Gräser sein. "Wir haben hier Straußengras gesät", sagt der Fachmann. Das wachse dicht und nicht zu lang.

Aber auch das beste Gras braucht Pflege. Besonders, wenn seit Wochen die Sonne gnadenlos vom Himmel brennt und die Regenfronten meistens einen Bogen um das 85 Hektar große Gelände im südlichen Landkreis machen. "Bewässert wird allerdings nur ein Bruchteil", sagt Detlef Hennings (57), seit 18 Jahren Geschäftsführer in Schwanhof. "Nur die Spielbahnen (zehn Hektar) und die Abschläge und das Green (zwei Hektar) werden beregnet. Das steuert alles der Computer. Das Wasser wird aus dem eigenen Brunnen des Golfclubs in den Speichersee hochgepumpt", erklärt Hennings. Entnommen werden dürfen im Jahr rund 40 000 Kubikmeter Wasser. Mehrere Kilometer Schlauch- und Kabelleitungen unter der Erde versorgen die insgesamt 450 Regner auf den Greens. Bewässert wird abends nach dem Spielbetrieb so gegen 21.30 Uhr. Auch per Smartphone-App lässt sich das Nass in Gang setzen.

Mit viel Gefühl

Dort, wo der Rasensprenger nicht hinkommt oder sich braune Grasstellen zeigen, bewässern Ian MacNiven und sein Team per Hand nach. "Ich traue dem Computer nicht ganz", sagt der Greenkeeper. Regelmäßig dreht er abends seine Runden, hin und wieder geht er in die Hocke, legt die Hand auf den Boden und fühlt. "Nicht zu nass und nicht zu trocken darf es sein, nur gut durchfeuchtet." Der aktuelle Sommer sei zwar sehr heiß, aber durchaus nicht ungewöhnlich, wie der gebürtige Schotte bemerkt. Stress fürs Grün bedeute es trotzdem. Damit die Halme sprießen, sei eine gute Vorbereitung nötig. "Und die beginnt schon im Herbst", sagt der 49-Jährige.

Eine dem Wetter angepasste Düngung versorge den Boden mit Nährstoffen. Wichtig sei vor allem, dass der Boden gut durchlüftet und vertikutiert wird. Staunässe sei Gift. Auch nach dem Winter gehen die Pflegemaßnahmen weiter. "Wenig Winterfeuchte bedingt trockene Böden."

Seife macht durchlässig

Für den Härtefall hat der Greenkeeper noch einen Trumpf in der Hinterhand - eine Seife für die Rasenpflege. Die biologisch abbaubare Lösung wird alle vier Wochen aufgebracht und löst die Oberflächenspannung des Bodens, so dass Wasser ungehindert eindringen kann und nicht oberirdisch abfließt. "Billig ist das Ganze nicht. Rund 800 Euro kostet jeder Einsatz."

Sattes Green und braune Steppenlandschaft, man findet zurzeit beides auf dem Golfplatz. "Hauptsache, die Spielbahnen und die Blumenrabatten grünen", sagt der Geschäftsführer. Das sei man dem eigenen Anspruch und den über 800 Mitgliedern schuldig. "Wir können nicht alles bewässern, das wäre auch unverhältnismäßig", sagt Hennings und erzählt von seinen Besuch bei einem Golfturnier in Schottland am vergangene Wochenende. "Alles braun. Da war kein grüner Fleck zu sehen."

Tipps zur Rasenpflege:

Tipps zur Rasenpflege

Eine gute Vorbereitung ist alles, weiß Greenkeeper Ian MacNiven. Deshalb rät der Rasenexperte allen Gartenbesitzern, mit der Pflege des Grüns bereits im Herbst anzufangen und sie gleich nach der Winterpause fortzusetzen.

Düngen muss sein! Sorgen Sie für ausreichend Nährstoffzufuhr im Boden.

Aerifizieren Sie den Boden. Mittels Spezialgerät werden dabei Löcher in die Rasenfläche gestochen. Das fördert die Belüftung des Bodens und verhindert eine Verdichtung. Auch Regenwasser kann so leichter einsickern.

Der Rasen sollte abends gewässert werden. Meiden Sie die Mittagshitze.

An sehr heißen Tagen darf auch mal zwischendurch der Gartenschlauch rausgeholt werden. Aber nur kurz. Das Wasser sorgt so für einen Kühlungseffekt auf den Halmen, und das Gras kann wieder atmen. (shl)



450 solcher Regner sind auf dem Gelände des Golfplatzes in Schwanhof verteilt. Computertechnik setzt die Beregnung in Gang.
Die Sprenkleranlagen laufen normalerweise abends. Für den "Neuen Tag" wurden sie nur kurz zu Demonstrationszwecken eingeschalten.
Haben die Hitze im Griff, trotz brauner Stellen im Gras: Greenkeeper Ian MacNiven und Geschäftsführer Detlef Hennings (rechts).
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