Schwarzach bei Stadlern
20.07.2018 - 16:46 Uhr

Die kleine Schwester der Anna-Kirche

“Auf dieses Erdenfleckerl bau mich hin, damit ich nah der Schwester bind. Hör meinen Ruf, vergiß es nicht, vertrau auf Gott, wo du auch bist!”

Die St.-Anna-Wallfahrtskapelle in Schwarzach wurde 1978 eingeweiht. Am Sonntag, 29. Juli, wird das 40-jährige Bestehen gefeiert. mmj
Die St.-Anna-Wallfahrtskapelle in Schwarzach wurde 1978 eingeweiht. Am Sonntag, 29. Juli, wird das 40-jährige Bestehen gefeiert.

Diesen Vers haben die Organisatoren 1977 zum geplanten Bau der Wallfahrtskapelle St. Anna - Waier in Schwarzach unter eine Skizze des Vorhabens gesetzt. Es ist zugleich die Titelseite eines sechsseitigen Mitteilungsblattes an die "lieben Landsleute der Pfarrgemeinde Waier". Darin erinnern Franz Knott, Franz Richter, Johann Rubey, Johann Spörl und die Eheleute Franz und Barbara Wartha an die Vertreibung aus der Böhmerwaldheimat und der Zerstörung der Orte in diesen westböhmischen Kirchensprengel.

"Mit der Vernichtung unserer Ortschaften", schreiben die sechs Verfasser in diesem Blatt, "wurden auch die uns besonders im Gedächtnis gebliebenen religiösen Symbole beseitigt". Die Pfarrkirche St. Anna in Waier wurde 1964 nach der Zerstörung ganz abgetragen, "sodass heute nicht ein Stein mehr daran erinnert", heißt es im Text. Deshalb fühlen sich die Heimatvertriebenen verpflichtet, auch den nachwachsenden Generationen ihre Heimat im Gedächtnis zu bewahren.

Kapelle für Erinnerung

Nach dem Namen der ehemaligen Pfarrkirche sollte deshalb nahe der Grenze eine Wallfahrtskapelle, der Heiligen Anna gewidmet, "als kleine Schwester der früheren Kirche in Waier" erbaut werden. Der Standort Schwarzach, als nächstgelegener Ort von Waier, bot sich an. Die feste Absicht der Sudetendeutschen zu diesem Bau wurde vom damaligen Stadlerner Bürgermeister Rudolf Seitz sowie von Pfarrer Michael Reitinger befürwortet und nach allen Möglichkeiten unterstützt.

Aus der Geschichte der Pfarrgemeinde Waier ist in diesem Mitteilungsblattes weiter vermerkt, dass diese Dörfer ab dem 15. Jahrhundert von der heutigen Oberpfalz aus gegründet wurden. 1946 wurden alle Einwohner aus der angestammten Heimat vertrieben und leben heute verstreut im gesamten Bundesgebiet. Dennoch hätten sich die Pfarrkinder von Waier ihre Heimattreue bis auf den heutigen Tag bewahrt. Das Kirchenfest St. Anna werde bei den jährlichen Heimattreffen gefeiert, heißt es in diesen archivierten Unterlagen weiter.

Einweihung 1978

Der damals gehegte Wunsch nach einer "Heimat-Wallfahrtskapelle" in Schwarzach wurde schließlich 1978 Realität. Mit finanzieller Unterstützung der Sudetendeutschen aus der Region Waier konnte die Kapelle gebaut und eingeweiht werden.

In Erinnerung an die frühere Heimat und dankbar für dieses Werk feiern die ehemaligen Bewohner von Waier, deren Nachkommen und die Bevölkerung am Sonntag, 29. Juli, das 40-jährige Bestehen dieser kleinen Kirche in Schwarzach. Für die älteren Besucher des Festgottesdienstes ist für Sitzmöglichkeit gesorgt. Eine Ausstellung mit Bildern anlässlich der Kapelleneinweihung und von den 22 Orten des ehemaligen Kirchensprengels Waier erinnert die Besucher an vergangene Jahrzehnte in diesem Landstrich.

Info:

Programm

9.10 Uhr Aufstellung zum Kirchenzug beim früheren Grenzschranken, 9.30 Uhr Festgottesdienst bei der Kapelle mit BGR Pfarrer Michael Reitinger, anschließend Frühschoppen mit der "Blechlawine" aus Weiding, 11.30 Uhr Mittagessen, nachmittags Kaffee und Kuchen. Für die Kinder ist eine Hüpfburg aufgestellt und Möglichkeit zum Torwandschießen. (mmj)

Das Titelbild der Information zum geplanten Kapellenbau an die ehemaligen Landsleute vom Kirchensprengel Waier Archiv Johann Vogl
Das Titelbild der Information zum geplanten Kapellenbau an die ehemaligen Landsleute vom Kirchensprengel Waier
 
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