(mmj) Verwandte von Franz Wartha erinnern sich noch an dessen Erzählungen vom Zweiten Weltkrieg und die für ihn aufkommenden Folgen: Nach dem Krieg wurde der in Böhmisch-Schwarzach geborene Franz Wartha in der damaligen Tschechoslowakei zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt. In einem Kohlenschacht im Norden des Landes sollte der Verurteilte den Rest seines Lebens verbringen.
Ein Gotteshaus für alle
Zusammen mit zwei weiteren Häftlingen gelang aber die Flucht aus dem Gefangenenlager. Eines Nachts, müde und entkräftet von den Strapazen, träumte Wartha von der Gottesmutter. Daraus schöpfte er wieder Kraft und gelobte eine Kapelle zu bauen, wenn er wieder nach Hause käme.
Er schaffte es auch - und Bayerisch-Schwarzach, auf der anderen Seite der Landesgrenze, wurde seine zweite Heimat. Anfang der siebziger Jahre sollte dann aus dem Vorhaben, eine Kapelle zu errichten, Realität werden. Auf Initiative des ebenfalls in Böhmisch-Schwarzach geborenen Franz Knott und dem im böhmischen Althütten geborenen Johann Spörl änderte Franz Wartha seinen Plan.
Als Ersatz und zum Andenken an die frühere Heimat im Kirchensprengel Waier sollte nach neuen Überlegungen aus der privaten Kapelle ein Kirchlein für die gesamte Bevölkerung gebaut werden. Ein Gespräch mit Pfarrer Michael Reitinger bestärkte die Eheleute Wartha, dass dies für alle im Blick auf die Vergangenheit und für die Zukunft die sinnvollste Lösung sei. Für den Ideengeber und für die früheren Bewohner von Waier (Rybnik) und Umgebung sowie für die Einheimischen in Schwarzach und Charlottenthal war für das Projekt als erstes, einen eigenen Verein für die Übernahme der Trägerschaft für den Bau und den künftigen Unterhalt zu gründen, der beste Weg.
Heimatverein gegründet
In Anlehnung an das frühere Zuhause und die jetzt neue Heimat wurde 1977 der Verein "Heimatverein St. Anna Waier-Schwarzach" aus der Taufe gehoben. Spenden der einheimischen Bevölkerung und von Landsleuten des ehemaligen Kirchensprengels Waier ließen schließlich die Kapelle Wirklichkeit werden. Im Jahr 1978 wurde die kleine Kirche auf einer Anhöhe in Schwarzach eingeweiht. Auch den Gefallenen und Vermissten wollte der Verein eine Gedenkstätte widmen. So wurde im Jahr 1992 in der Kapelle eine Granittafel mit den Namen der gefallenen Soldaten aus den 22 Orten des Kirchensprengels Waier, sowie aus Charlottenthal, Neumühle und Schwarzach angebracht.
Wie manchmal im Auf und Ab im Leben von Vereinen oder Gruppierungen zu beobachten, drohte dem bis Mitte der neunziger Jahre aktiven Heimatverein die Auflösung. Herbert Ried machte 2009 dagegen mobil und engagierte sich mit jungen Schwarzachern für ein Fortbestehen des Heimatvereins.
Eine neue Vorstandschaft packte die fällige Renovierung der Kapelle mit der Erneuerung des Daches, der Anbringung eines Granitsockels und dem Außen- und Innenanstrich, mit großem Engagement an. Weiter wurde ein Bild der Gottesmutter auf der Eingangsseite angebracht und ein schmiedeeisernes Geländer am Treppenaufgang montiert.
Wenn nun am Sonntag, 29. Juli, das 40-jährige Bestehen der St.-Anna-Kapelle in Schwarzach gefeiert wird, erinnern sich die Sudetendeutschen nicht nur an ihre Geburtsorte in der verlorenen Heimat. Das Gotteshaus, so die Meinung der Vereinsmitglieder und der Bewohner von Schwarzach und Umgebung, soll auch in der Zukunft Symbol für ein friedliches Zusammenleben der Bevölkerung auf bayerischer und böhmischer Seite sowie ein Zeichen des Glaubens sein.
Eine Ausstellung am Festsonntag mit Bildern anlässlich der Kapelleneinweihung und von den 22 Orten des ehemaligen Kirchensprengels Waier erinnert die Besucher an vergangene Jahrzehnte in diesem Landstrich.



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